Sport vor 50 Jahren

Scheeßel und Lauenbrück waren die Fußball-Aushängeschilder im Kreis

Rotenburger Kreiszeitung vom 5. April 1971.
+
Fußball satt: So sah die Sportseite der Rotenburger Kreiszeitung am 5. April 1971 aus.

Vor 50 Jahren sah nicht nur der Sportteil der Rotenburger Kreiszeitung anders aus, auch die Spitzenvereine des Kreises waren damals andere als heute.

Rotenburg – Bis zur Gebietsreform sollte es noch ein paar Jahre dauern. 1971 waren Rotenburg und Bremervörde eigenständige Landkreise, was auch auf den Sport Auswirkungen hatte. Ein Blick in die Zeitungsbände zeigt, dass die heutige Kreisliga im Jahr 1971 noch nicht existierte. Die höchste Spielklasse im sogenannten Altkreis war damals die 1. Kreisklasse.

Und: Der Regent im Fußball kam nicht aus der Kreisstadt! Um diesen Rang stritten vielmehr der SV Rot-Weiß Scheeßel und der SV Lauenbrück, die beide in der Bezirksliga antraten und damit die höchstspielendsten Teams waren.

„Wir waren das, was Heeslingen heute ist, wir waren die Nummer eins und sind an Rotenburg immer vorbeigefahren“, erinnert sich der Scheeßeler Georg Mischke. Den Rotenburger SV gab es seinerzeit noch nicht. Seine Vorgängervereine FC und Spielvereinigung tummelten sich eine Liga tiefer in der Bezirksklasse herum. Zusammen unter anderem mit dem TV Sottrum, VfL Visselhövede, TuS Bothel und Germania Hetzwege.

Und was war sonst im Lokalsport los?

Die Rotenburger Kreiszeitung berichtete am ...

3. April 1971: „Der NFV hat jetzt Spielerpässe für weibliche Fußballspielerinnen herausgegeben. Sie gleichen inhaltlich den Pässen für Jugendspieler und enthalten ebenso wie diese einen Vermerk über die stattgefundene ärztliche Untersuchung.“

6. April 1971: Leichtathlet Günther Kowald (TuS Rotenburg) verbesserte in Friederichsgabe trotz Dauerregens den Bezirksrekord im Gehen über 20 Kilometer – 1:42,03 Stunden.

7. April 1971: 42 Aktive konkurrierten beim Werfertag des TuS Rotenburg. „Leider war vom TuS Rotenburg nur ein Kampfrichter erschienen. Wieder einmal mußten die Kampfrichter aus Scheeßel zu dem Gelingen der Veranstaltung beitragen.“ Währenddessen gab es bei den Bezirkswaldlaufmeisterschaften einige Sieger aus dem Kreis Rotenburg, und zwar Heinrich Joppen und Rudolf Bock von der PSG Rotenburg und Jochen Fahjen vom TuS Fintel. Peter Grewe (LG Wümme) wurde bei den Männern Sechster.

Im Frühjahr 1971 (und auch am Saisonende) lagen die Scheeßeler hinter dem Tabellenführer und späteren Aufsteiger TSV Verden auf Rang zwei. Direkt gefolgt vom SV Lauenbrück. „Mit Scheeßel waren das immer knackige Nachbarschaftsduelle auf dem Platz. Hinterher haben wir uns gut verstanden, aber die Rivalität war groß“, weiß auch Wolfgang Rosenbrock. Er war damals 21 Jahre alt – und als Verteidiger beim SV Lauenbrück ungemein torgefährlich. „Wir hatten eine gute Jugend damals und haben damit die Herren aufgefrischt.“ Die Spiele auf dem Sportplatz hinter der Bahn zogen zahlreiche Zuschauer an. „Gegen Scheeßel waren es bestimmt 300, 400 – und wir haben eigentlich immer ganz gut ausgesehen“, erzählt er. Die Auswärtspartien führten damals bis nach Cuxhaven, zunächst in Privat-Pkws. Nach einem Auffahrunfall änderte sich dieses. Fortan „charteten“ die Lauenbrücker einen Reisebus. „Jeder Spieler musste zwei Mark Busgeld zahlen – aber von den mitgereisten Zuschauern gab es auch mal eine Kiste Bier“, so der 71-Jährige. Lauenbrück hatte 1967 den Aufstieg in die Bezirksliga gefeiert und hielt sich dort bis 1985. Immer wieder tauchte bei den Torschützen auch der Name von Harald Aron auf. „Der war unheimlich dribbelstark. Und Harald Aron fiel auch mal im Strafraum, obwohl er nicht berührt wurde. Der hatte einen sagenhaften Trick drauf“, erzählt Rosenbrock lachend. Klaus Peters, Norbert Jentzmik oder Dieter Kammler waren weitere überragende Kicker dieser Generation. Über Aron, der später nach Buchholz zog, kamen im Laufe der Zeit auch Kicker aus dem Hamburger Raum nach Lauenbrück, weil die „bei sich nur auf Grandplätzen spielen konnten“, berichtet Rosenbrock.

Die Tabellen, Stand 5. April 1971.

Eine gute Mischung aus Alt und Jung hatten Anfang der Siebziger auch die Rot-Weißen aus Scheeßel. „Wir mussten uns damals nur erst mal finden“, sagt Georg Mischke, der damals als 20-Jähriger der Dauerläufer im Mittelfeld war. Und eine unheimliche Torgefahr strahlten sie aus. „Die Mannschaft hat quasi mit sechs Stürmern gespielt. Du konntest uns nicht ausrechnen, weil alle Tore schießen konnten“, weiß Mischke. Am Ende der Saison 1970/1971 hatte Scheeßel ein Torverhältnis von 92:29 Treffern und sollte in der Rückserie bis auf eine Niederlage und ein Remis stets siegreich vom Platz gehen. Hans-Günter Otte, „Moses“ Schadel oder etwa „Jonny“ Müller, Werner Gottwald oder Helmut Lüdemann gehörten damals zur Mannschaft. Ein Jahr später wurde die Offensivstärke mit dem Aufstieg in die Verbandsliga belohnt. Und das mit einem Team, das „überwiegend aus Scheeßelern“ bestand, wie Mischke erzählt. Die sollten in dieser Erfolgsperiode auch einen unvergessenen 7:0-Sieg gegen den TuS Harsefeld – damals von Jürgen Kurbjuhn, einem ehemaligen Nationalspieler des HSV, trainiert – einfahren. „Der hat die Leute beim Warmmachen über den Platz gescheucht, obwohl es so heiß war. Wir haben uns stattdessen in den Schatten gelegt und sie dann auseinandergepflückt. Der blanke Wahnsinn“, denkt Mischke gerne an diese Zeit zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit

Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit

Stadt in Niedersachsen hat höchste Corona-Inzidenz bundesweit
Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln
Wetter in Niedersachsen und Bremen: Wieder schwere Gewitter statt Sonne

Wetter in Niedersachsen und Bremen: Wieder schwere Gewitter statt Sonne

Wetter in Niedersachsen und Bremen: Wieder schwere Gewitter statt Sonne
Inzidenz in Großbritannien sinkt: Neue Corona-Mutante gefunden

Inzidenz in Großbritannien sinkt: Neue Corona-Mutante gefunden

Inzidenz in Großbritannien sinkt: Neue Corona-Mutante gefunden

Kommentare