Bestritt knapp 300 Oberliga-Spiele

Sebastian Sautner über seinen Wechsel vom Feld auf die Trainerbank

Sebastian Sautner steht mit zwei Bällen in den Armen im Waldstadion.
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Weiterhin mit Ballkontakt: Sebastian Sautner hat den Wechsel vom Feld auf die Bank aber mühelos geschafft und ist nun Co-Trainer beim Heeslinger SC.

Sebastian Sautner geht in die zweite Saison als Co-Trainer des Heeslinger SC. Einer der besten Freunde war Profi von Werder Bremen und trainierte zuletzt mit.

Heeslingen – Abgesehen von der Corona-Pandemie verläuft die Karriere nach der Karriere für Sebastian Sautner wie gemalt. Der langjährige Defensivspieler des Heeslinger SC nutzte ein Angebot der Vereinsverantwortlichen und agiert beim Fußball-Oberligisten seit dem vergangenen Sommer als Co-Trainer im Team von Coach Sören Titze. Damit schlug der 32-jährige Ur-Heeslinger ein neues Kapitel auf. Quasi ohne Zwischenschritt. Kein Ausklingen der Laufbahn als Spielertrainer, als Stand-by-Kraft oder in der Zweiten. Sautner wählte den glatten Schnitt und arbeitet mit am Umbruch des neu zusammengestellten Teams.

Die eigene Karriere im besten Fußballeralter zu beenden, sorgte beim Defensivspieler allerdings schon für einige schlaflose Nächte. „Ich wurde bereits durch Hansi Bargfrede mit der Sache Co-Trainer konfrontiert. Doch ich fühlte mich zu jung, wollte noch Fußball spielen“, erinnert sich Sautner an das frühere Angebot seines damaligen Trainers.

Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung als Spieler im Januar 2020 mit den Teammanagern Steffen Lahde und Carsten Schult liefen darauf hinaus, den 32-Jährigen für eine neue Aufgabe zu gewinnen. Der Plan sah vor, Neu-Coach Titze jemanden an die Seite zu stellen, der Insider ist, Mannschaft und Umfeld bestens kennt, eine hohe Wertschätzung genießt und fußballerisch viel Erfahrung mitbringt. „Ich hatte immer noch viel Lust auf Fußball. Doch der Beruf und die Familie mit unserem Sohn Jasper sind schon sehr zeitintensiv. Mein Anspruch war es immer, Gas zu geben und Top-Leistungen abzurufen. Das stellte sich schon schwieriger dar“, so der Ingenieur vom Deutschen Milchkontor (DMK) in Zeven. So fiel die Entscheidung zugunsten des neuen Projektes nach reiflicher Überlegung und in Absprache seiner Frau Esther. Nach gut 300 Oberliga-Spielen beendete Sautner also seine Karriere.

Auf einer Wellenlänge mit dem Trainer

„Ich habe das als große Herausforderung angesehen und wollte als Trainer dazu lernen“, sagt er. In Sachen Trainingsarbeit betrat er dabei kein Neuland. Beim JFV A/O/Heeslingen verdiente er sich bereits erste Sporen an der Seite von Oliver Warnke und betreute die U 13 sowie die U 14. Doch bevor es zur Unterschrift bei den Herren kam, tauschte er sich mit Sören Titze aus. „Ich wollte wissen, welche Spiel-Philosophie Sören verfolgt und wie er sich die Aufgabenverteilung vorstellt. Ich habe schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind“, betont Sautner, der damit ebenso wie sein langjähriger Weggefährte Dominik Bremen (kein neuer Vertrag) dem Team nicht mehr zur Verfügung stand. In der Tat eine mutige Entscheidung der Verantwortlichen.

„Sören hat ,Sauti‘ mit offenen Armen empfangen. Der ist Heeslinger durch und durch, hat ein hohes Standing im Umfeld. In der letzten Saison war er noch Spieler und damit eng an der Mannschaft dran. Jetzt steht er auf der anderen Seite, muss auch unangenehme Maßnahmen vertreten“, sagte Teammanager Carsten Schult und ergänzt. „Ich finde die Konstellation im Trainerteam sehr gut, davon profitieren alle.“

Die Zusammenarbeit im Team, unter anderem auch mit Torwarttrainer Björn Müller, nahm schnell Fahrt auf. Doch galt es auch, fast ein Dutzend neuer Spieler zu integrieren. Die Oberliga-Auftaktspiele gegen Eintracht Celle und den Rotenburger SV endeten Unentschieden, es folgte ein souveräner 4:0-Sieg beim FC Hagen/Uthlede. Dann musste die Titze-Crew in Quarantäne, verlor den Rhythmus. Eine 2:3-Niederlage im Bezirkspokal gegen den SV Ahlerstedt/Ottendorf war die Folge. „Es braucht halt seine Zeit, um alles zu optimieren“, bemerkt Sautner und stellt fest: „Ich bin nicht der Hütchen-Aufsteller. Im Trainerteam treffen wir uns vor jeder Einheit rechtzeitig, sprechen das Programm durch, setzten Schwerpunkte. Ich übernehme zum Beispiel das Aufwärmen oder führe unterschiedliche Spielformen durch“, erzählt Sautner, der immer dann noch mal als Spieler gefragt ist, wenn es im Abschlussspiel zu „Notfällen“ kommt. „Ich springe nur dann ein, wenn wir ungerade Teams haben oder ein Spieler verletzungsbedingt ausfällt“, betont er.

Auch Coach Sören Titze ist froh, dass es zur Zusammenarbeit kam. „Nach den ersten Gesprächen habe ich schnell gemerkt, dass wir auch privat auf einer Ebene schwimmen. Wir haben schnell zueinandergefunden“, bemerkt Titze, der seinem „Co“ zudem ein sehr gutes Zeugnis ausstellt, wenn es zum Beispiel darum geht, unangenehme Entscheidungen zu übermitteln. „Er kennt alle in der Mannschaft sehr gut. Das kann auch ein Nachteil sein und für einen Zwiespalt sorgen, wenn es darum geht, harte Entscheidungen zu treffen. Doch er hat eine gute Ansprache und bisher alles super gemeistert“, sagt Titze.

Profi von Werder Bremen war sein Trauzeuge

In der Tat ist Sautner lange im Geschäft, besitzt ein gutes Gespür für brenzlige Situationen und versteht es, fair und loyal mit seinen Kickern umzugehen. Das stellt zum Beispiel sein langjähriger Weggefährte Oliver Gerken heraus. „Die Führungsrolle ist schon eine ganz andere. Doch ,Sauti‘ genießt viel Respekt in der Mannschaft, dem tanzt keiner auf der Nase herum. Und er ist ein idealer Ansprechpartner für unsere jungen Spieler“, findet der 29-jährige Flügelflitzer. „Die Einheiten mit ihm kommen bei allen gut an, das macht er richtig gut. Dann hat er auch stets ein offenes Ohr für uns junge Spieler“, ergänzt der 20-jährige Phil Sarrasch, der in seiner ersten Oberliga-Saison gerne die Ratschläge des Routiniers annimmt. „Das sind super Tipps, wenn es unter anderem um das Stellungsspiel geht.“

Dass es Talente wie zum Beispiel Sarrasch, Maximilian Köhnken oder Lennard Martens aus der Region in den Oberliga-Kader schafften, ist für Sebastian Sautner auch zukünftig ein Muss. „Wir haben mittlerweile viele talentierte Spieler im Kader, die aus den umliegenden Dörfern kommen. Die möchte ich auch in Zukunft hier sehen und betreuen“, sagt Sautner. Doch auch ein Profi wäre ihm willkommen gewesen. Er meint damit den Werderaner Philipp Bargfrede, der nach seinem Vertragsende als Profi einige Wochen im Waldstadion mittrainiert hatte. „Ich kenne Philipp seit der D-Jugend, wir sind ganz dicke Freunde. Er war mein Trauzeuge und ich seiner. Natürlich wünscht sich jeder Verein solch einen kompletten Spieler im Kader. Doch ich habe schon gehofft, dass er nach dem Karriereende bei Werder eine neue Herausforderung in Angriff nimmt“, erzählt Sautner.

Und das Erreichte fühlt sich für ihn auch so gut an, der Kader ist ausbaufähig. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in der Vergangenheit einmal eine solch talentierte Mannschaft hatten. Wir haben ein neues Projekt gestartet und wollen einen Umbruch einleiten. Was fehlt, ist die nötige Erfahrung. Das gilt es zu verändern“, unterstreicht Sebastian Sautner.

Von Manfred Krause

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