Karpus: „Der Zeitpunkt stimmt“

RSV sagt Ja zur Oberliga - Große Mehrheit votiert für den Aufstieg

Karol Karpus zeigt es an: Für seinen Rotenburger SV geht es in der nächsten Saison in Richtung Oberliga – zumindest wenn der NFV seinen Antrag auf Saisonabbruch beim außerordentlichen Verbandstag am 27. Juni durchbekommt. Fotos: Freese
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Karol Karpus zeigt es an: Für seinen Rotenburger SV geht es in der nächsten Saison in Richtung Oberliga – zumindest wenn der NFV seinen Antrag auf Saisonabbruch beim außerordentlichen Verbandstag am 27. Juni durchbekommt.

Rotenburg - Ja, Ja, Ja! Für Tim Ebersbach ist es eine echte Überraschung: Der Coach des Rotenburger SV hätte nicht damit gerechnet, dass die Abstimmung seiner Mannschaft über den möglichen Oberliga-Aufstieg so eindeutig ausfällt. Aber: „Eine überwältigende Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen, die Chance zu nutzen“, freut sich Ebersbach. Mehr als 90 Prozent des Teams würden – sofern der Abbruch der Saison mit Aufsteigern beim NFV-Verbandstag durchkommt – in der nächsten Spielzeit gerne in der Oberliga auflaufen. Gut fünf Jahre nach dem Abstieg bahnt sich also eine Rückkehr an.

„Das hätten sich die Jungs auf jeden Fall verdient“, findet der Coach. Daher würden jetzt erst einmal Gespräche mit dem bisherigen Kader geführt werden. „Unser Team soll für seine Leistung belohnt werden.“ Ähnlich denkt auch Karol Karpus, der ein fester Bestandteil des Mannschaftsrates ist. Der 22-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass er für die Oberliga gestimmt hat. Im Sport sei es einfach: „Wenn man auf Platz eins liegt, will man aufsteigen. Wenn man auf Platz eins liegt, dann hat man es auch verdient“, betont er. Daher sei es für ihn auch überhaupt nicht schwer gewesen, eine Entscheidung zu treffen. „Schließlich spielt man Fußball, um zu gewinnen.“ Den Aufstieg hätte er sowieso schon länger im Hinterkopf gehabt. „Wir wussten ja, dass es möglich ist – auch wenn es natürlich nie das ausgesprochene Ziel war.“ So oder so: „Eine neue Liga bedeutet neue Gegner, neue Erfahrungen. Das wird sicherlich spannend.“ Es sei für den Rotenburger SV aber an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. „Auch wenn vielleicht einige sagen, dass es dafür noch zu früh ist... Ich denke, der Zeitpunkt stimmt. Wir haben es selbst in der Hand.“

Nichtsdestotrotz hat der 22-Jährige auch vollstes Verständnis für die Spieler, die gegen die Oberliga gestimmt oder sich enthalten haben. „Eine höhere Klasse ist mit einem höheren Aufwand verbunden. Alleine die langen Auswärtsfahrten am Wochenende nehmen jede Menge Zeit in Anspruch“, weiß er. Nicht jeder Spieler könne einen solchen Aufwand betreiben. „Zumal unsere Zukunft ja auch noch nicht geklärt ist“, sagt Karpus mit Blick auf die noch ausstehenden Vertragsgespräche mit dem Verein. Der Rotenburger SV hatte diese über die Corona-Pause vorübergehend ausgesetzt.

Grund zum Jubeln: Die Mannschaft von Coach Tim Ebersbach hat sich für die Oberliga ausgesprochen.

„Wir werden uns jetzt aber so schnell es geht, wieder mit den Jungs zusammensetzen“, kündigt Coach Ebersbach an. Der Fokus liege auf dem aktuellen Kader. „Sicherlich werden punktuell die typischen zwei bis drei Neuzugänge kommen. Wir haben jedoch nicht die Absicht, uns irgendwelche Söldner in die Mannschaft zu holen“, stellt Ebersbach klar. Spieler, die nur nach dem Geld gehen, seien an der Wümme falsch. Der Wir-Gedanke stehe beim RSV im Vordergrund, das Team-Gefühl werde gelebt. „Das habe ich selten bei einer Mannschaft so intensiv erlebt. Die Stimmung innerhalb der Truppe ist unglaublich.“

Daran werden auch Misserfolge in der Oberliga nichts ändern, ist sich der 39-Jährige sicher. „Deshalb ist meine Denkweise auch gekippt. Ein Aufstieg birgt eher Chancen als Risiken. Außerdem passt es gut ins Konzept des Vereins“, spielt Ebersbach auf die Neu-Ausrichtung im Jugendbereich an. „Auf diese Weise könnten wir uns hervorragend von anderen Mannschaften hier aus der Region absetzen – zwar nicht finanziell, aber dafür sportlich“, sagt er. Daher verfolge der RSV den Plan, für die nächste Saison vermehrt junge Spieler zu verpflichten – „quasi eine Verjüngungskur“, meint Ebersbach und lacht. Mit der richtigen Verstärkung „haben wir ja vielleicht sogar die Chance, dass Abenteuer Oberliga zu wuppen. Im Endeffekt ist uns aber bewusst, dass wir gegen den Abstieg spielen werden“, so der Coach.

Kommentar zum Thama von Matthias Freese

Die große Mehrheit der Mannschaft ist dafür, dass der Rotenburger SV in die Oberliga aufsteigt – das ist ein gutes Zeichen. Aus zweierlei Gründen: Es zeigt, dass sich das Team die höhere Spielklasse zutraut. Es zeigt vor allem aber, dass es bereit ist, den vom Verein vorgestellten Weg mitzugehen. Oberliga statt Landesliga, aber zum selben Preis.

Fakt ist: Der RSV hat sich den Aufstieg verdient. Das sagt allein die Tabelle aus, auch wenn die Saison aufgrund der Corona-Krise vorzeitig beendet worden ist – vorausgesetzt der Abbruch der Spielzeit wird auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes verabschiedet. Die Mannschaft hat in den vergangenen drei Jahren eine äußerst positive Entwicklung genommen – ohne groß auf dem „Transfermarkt“ tätig gewesen zu sein. Platz eins ist also kein Zufall! Aber reicht es für das junge Team, um eine Liga höher zu bestehen?

Der Geldtopf für die Spieler wird nicht größer, der RSV dürfte in der Oberliga zu den Vereinen mit dem geringsten Etat gehören. Fußball-Söldner haben hier also keinen Platz. Das ist gut so, birgt aber auch ein gewisses, durchaus einkalkuliertes Risiko.

Natürlich wird die eine oder andere Verstärkung (nicht nur Ergänzung) trotzdem nötig sein, um eine Überlebenschance zu haben. Natürlich müssen die Verpflichtungen wohl überlegt sein, um nicht – wie manch anderer Verein – ständig nachjustieren zu müssen. Natürlich könnte am Ende der Abstieg stehen. Doch gerade für die jungen Spielern hält die Oberliga eine Menge Erfahrung bereit, die sie persönlich weiterbringt. Außerdem wird der RSV wieder konkurrenzfähiger im Buhlen um die Talente aus der Region. Im Risiko steckt also auch eine große Chance.

Der Vorstand hat es genau richtig gemacht, indem er die Mannschaft bei der Entscheidung für oder gegen die Oberliga eingebunden hat, die Bedingungen vorgegeben und ihr dann die Entscheidung überlassen hat. Jeder weiß jetzt, wo er dran ist. Dass die große Mehrheit dem Aufstieg zugestimmt hat, spricht also in erster Linie für die Mannschaft selbst.

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