RSV ist für sofortige Winterpause / Kreis entscheidet nächste Woche

Rückrunde auf der Streichliste

Kehren Kapitän Stefan Denker (vorne) und sein Rotenburger SV in diesem Jahr noch einmal auf den Platz zurück oder haben sie sich bereits in die Winterpause verabschiedet?
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Kehren Kapitän Stefan Denker (vorne) und sein Rotenburger SV in diesem Jahr noch einmal auf den Platz zurück oder haben sie sich bereits in die Winterpause verabschiedet?

Rotenburg – „Wir fahren auf Sicht“, sagt Jürgen Stebani und weiß, dass es eigentlich nur ein „Stochern im Nebel“ ist. Ob der Spielbetrieb von Niedersachsens Fußballern im Dezember wieder aufgenommen werden kann, ob der coronabedingte Lockdown für den Amateursport dann überhaupt schon endet, ist derzeit auch für den Spielausschussvorsitzenden des Verbandes und des Bezirks Lüneburg nicht vorhersehbar. Viele Vereine plädieren bereits dafür, die Saison erst 2021 fortzusetzen und vorzeitig die Winterpause einzuläuten. Doch davon will Stebani nichts hören.

„Wir werden doch jetzt nicht sagen, dass wir abbrechen“, betont er. Eine vergangene Woche eiligst durchgeführte Umfrage unter den 20 Oberliga-Vereinen ergibt ein ziemlich heterogenes Bild. Der Niedersächsische Fußball-Verband wollte wissen, ob die Teams möglichst sofort wieder trainieren und auch die Saison fortsetzen wollten, ob sie wenigstens den Trainings- und im Anschluss an die Aussetzung den Spielbetrieb wieder zeitnah aufnehmen möchten oder aber in der jetzigen Situation weder ein Training noch Spiele für verantwortungsvoll halten. „Mehrheitlich wollen die spielen“, deutet Stebani das Ergebnis. Ansgar Nieberg, der für die Umfrage zuständige Referatsleiter Spielbetrieb im NFV, erklärt auf Nachfrage: „Das Votum war nahezu gleich verteilt.“ Ob der Verband in Person von Präsident Günter Distelrath nun damit beim Land vorstellig wird, steht noch nicht fest.

Ginge es nach dem Rotenburger SV, wäre das nicht nötig. Der Oberliga-Aufsteiger hatte sich klar für die Variante C ausgesprochen – kein Training, keine Spiele. Mehr noch: „Mit dem Hinweis, dass man erst im neuen Jahr wieder mit allem beginnt. So wie in Schleswig-Holstein. Das Modell finden wir gut“, erklärt Torsten Krieg-Hasch, der Sportliche Leiter der Rotenburger. Im nördlichsten Bundesland hatte sich das Präsidium dazu entschlossen, den Spielbetrieb in diesem Jahr nicht mehr aufzunehmen. „Wo ist der Unterschied zu Schleswig-Holstein? Warum trifft man keine schnelle Entscheidung?“, fragt auch RSV-Coach Tim Ebersbach. Stebani wiederum bemerkt, Schleswig-Holstein habe im Alleingang entschieden, ohne sich mit den anderen Verbänden abzusprechen und ist von der Anzahl der Mitglieder „so groß wie der Bezirk Lüneburg. Da führen sich manche nicht vor Augen. Bremen hat wiederum gesagt, sie machen das, was Niedersachsen macht – das ist eine vernünftige Lösung.“

Nur wie die Lösung letztlich aussieht, ist unklar. Stebani geht es vor allem darum, vorrangig die ausstehenden Nachholspiele vom Tisch zu bekommen, „damit wir eine halbwegs gerade Tabelle bekommen.“ Schließlich ist nicht auszuschließen, dass es bei weiteren Verzögerungen (auch witterungsbedingt) unmöglich wird, Hin- und Rückrunde sowie Auf- und Abstiegsrunde in geplanter Form durchzubekommen. Unter den Sonderbestimmungen der Oberliga-Ausschreibung findet sich – ähnlich wie in der des Bezirks – zumindest die Passage, die dem Spielausschuss die Möglichkeit einräumt, im Falle „eines erheblich verzögerten Beginns der Saison, bei Unterbrechung sowie bei Abbruch der Saison wegen behördlicher Verfügungslage, abweichenden Beschlüsse bezüglich Spielsystem sowie Auf- und Abstieg zu treffen“. Denkbar wäre also, die Rückrunde zu canceln. „Abwarten“, sagt Stebani.

Abwarten – das kann RSV-Coach Tim Ebersbach nicht mehr. Er hat seiner Mannschaft eine einwöchige Pause verordnet, um vermutlich noch diese Tage die Pläne für das Individualtraining in den nächsten drei Wochen herumzuschicken. Die Plätze sind schließlich bis Ende November per Verordnung tabu. „Wir hängen völlig in der Luft“, sagt der Coach und wünscht sich mindestens zwei Wochen Mannschaftstraining „mit dem Ball“ vor einem Re-Start der Liga. „Wir können doch nicht von 0 auf 100 in den Spielbetrieb zurückkehren.“ Nicht ausgeschlossen, dass es aber genau so kommt.

Skeptisch hinsichtlich einer Fortsetzung noch in diesem Jahr sind auch die Verantwortlichen beim TV Sottrum, dem Spitzenreiter der Staffel 1 in der Bezirksliga 3. Abteilungsleiter Thomas Holzkamm hat da eine klare Meinung: „Wenn die Zahlen runter gegangen sind und wir kriegen noch zwei, drei Spiele gebacken, bin ich gerne bereit. Aber es darf nicht wieder so eine Farce werden wie zuletzt. Entweder spielen wir dann alle oder keiner, da muss es eine einheitliche Linie geben.“ Obwohl Coach Dariusz Sztorc die Mannschaft mit Fitnessplänen versorgt hat, glaubt Holzkamm nicht an einen baldigen Neustart. „Ich rechne nicht damit: Und wenn wir wieder loslegen sollten, kann ich mir vorstellen, dass dann die Plätze unbespielbar sind.“

Und was plant der Kreis? Will er den Spielbetrieb im Dezember – abgesehen von den Senioren, die bereits durch sind – wieder aufnehmen? „Wir sind natürlich in der Diskussion, haben aber noch nichts Formelles beschlossen“, sagt der Spielausschussvorsitzende Frank Michaelis. Er wird aber zumindest etwas konkreter und verrät: „Nächste Woche wird es eine Entscheidung geben.“ Vieles spricht für eine sofortige Winterpause, sollten die Zahlen in den nächsten Tagen nicht signifikant runtergehen. „Es wird eine Entscheidung im Sinne der Gesundheit geben“, betont Michaelis. Die hatte der Kreis schon Ende Oktober getroffen, als er den Spieltag unmittelbar vor dem Lockdown im Gegensatz zu Verband und Bezirk abgesagt hatte. „Die absolut richtige Entscheidung. Wir haben dafür nur positives Feedback bekommen“, erzählt Michaelis.

Von Matthias Freese

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