Für Rotenburgs Handball-Boss Friedrich Behrens bleibt Jugendarbeit das A und O

„Das Ziel ist es, in zwei, drei Jahren Oberliga zu spielen“

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Zwei, die sich verstehen, auch wenn sie getrennte Wege gehen: Rotenburgs Handball-Boss Friedrich Behrens (l.) und der scheidende Coach Steffen Aevermann.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Am Tag nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte war für Friedrich Behrens fast alles wie immer – der 54-jährige Handball-Boss des TuS Rotenburg war selbstverständlich in seiner Firma anzutreffen. Der Aufstieg in die Verbandsliga („So hoch haben wir noch nie gespielt – und ich bin schon seit 40 Jahren dabei“) war trotzdem ein Thema für ihn. Auch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Behrens, Ihr Team war eigentlich aus dem Aufstiegsrennen schon ausgeschieden. Wie ist die Aufholjagd der letzten Wochen mit Happy-End zu erklären?

Friedrich Behrens: Die Mannschaft hat immer an sich geglaubt. Die Jungs haben sich unwahrscheinlich gesteigert, sie sind individuell stärker geworden und auch mannschaftlich geschlossener. Dann kam die ganze Euphorie dazu. Toll sind natürlich auch die Rotenburger Fans gewesen.

Und Trainer Steffen Aevermann hat die entscheidenden Prozente rausgekitzelt?

Behrens: Das würde ich so sagen. Seine hervorragende Arbeit kam jetzt zum Tragen. Seine Vorgänger Götz Siegmeyer und Thomas Benjes haben aber ja auch schon gute Arbeit geleistet. Wir spielen seit zwei, drei Jahren mit dem gleichen Team – es ist eine Einheit geworden. Wir haben keine fremden Spieler dazugeholt, aus der Jugend kam nur Lukas Misere, und der hat sich auch unheimlich gesteigert. Außerdem sind wir auch vom Verletzungspech nahezu verschont geblieben. In der Hinrude war Daniel Jäger noch verletzt, er kommt jetzt langsam wieder, aber in dem Kerl steckt noch viel mehr.

Ein Team aus lauter Eigengewächsen – ist das das wahre Erfolgsrezept?

Behrens: Das sind nur Rotenburger Jungs, das zeigt doch, dass wir Erfolg haben mit unserer guten Jugendarbeit. Unsere A- und B-Jugend spielt jetzt auch Landesliga, da wächst wieder was nach. Ja, das geht nur mit guter Jugendarbeit, da hat auch John Köhler in der Vergangenheit viel Gutes getan. Schade nur, dass immer wieder welche zum Studieren weggehen.

Ist denn auch die Verbandsliga nur mit eigenen Bordmitteln machbar?

Behrens: Die Verbandsliga ja. So wie der Kader jetzt ist, werden wir zwar nicht wieder aufsteigen, dürften uns aber vom Potenzial halten. Dieses Konzept werden wir beibehalten. Das soll allerdings nicht heißen, dass wir auch was von außen holen. Nils Muche (der künftige Trainer, Anm. d. Red.) hat auch ein, zwei Spieler auf dem Zettel. Vielleicht meldet sich auch von selbst mal jemand. Wir hoffen ja, dass ein paar Talente aus Scheeßel mal bei uns anklopfen.

Gibt es denn schon Zusagen von neuen Spielern?

Behrens: Noch nicht. Wir waren an Nick Dräger dran, er hat aber noch für ein Jahr beim Verbandsligisten SV Beckdorf II zugesagt. Danach könnte er sich eine Rückkehr nach Rotenburg vorstellen. Es muss auch ein Spielertyp sein, der bei uns reinpasst.

Was für einen Spielertyp meinen Sie?

Behrens: Es muss nicht unbedingt ein Zwei-Meter-Mann sein, eher einer, der den schnellen Handball spielt und auch versteht.

Kann es mittelfristig auch noch höher gehen oder ist mit der Verbandsliga das Ende der Fahnenstange für Rotenburg erreicht?

Behrens: Es sollte für Rotenburg schon das Ziel sein, in zwei, drei Jahren Oberliga zu spielen. Man muss doch den Jungs eine Perspektive bieten, um sie zu halten.

Muss aufgestockt werden oder ist die neue Liga mit dem gleichen finanziellen Aufwand zu schultern?

Behrens: Wir haben einen relativ kleinen Etat vom TuS, da kommen wir seit Jahren nicht mit klar. Wir haben deshalb einiges über Sponsoren abgedeckt, brauchen aber künftig schon mehr Geld. Wir haben in den Trainer ein bisschen investiert, wollen auch das Umfeld verbessern. Die Mannschaft soll nicht mehr mit Privat-Autos, sondern mit dem Bus zu den Spielen fahren. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir neue Sponsoren finden und bisherige mehr geben.

Und die Spieler selbst bekommen weiterhin nichts?

Behrens: Da ist so. Wenn du einen von außerhalb holst, musst du sicher Fahrtgeld zahlen. Ansonsten geht das aber erst in der Oberliga los.

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