Interview

RSV-Coach Ebersbach zieht positives Zwischenfazit und nennt Schallschmidt als „Entdeckung“

Tim Ebersbach steht gestikulierend an der Seitenlinie.
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Bereits im fünften Jahr coacht Tim Ebersbach den Rotenburger SV.

Besser als von vielen Experten erwartet: Der Rotenburger SV startet im März als punktbestes Team in die Abstiegsrunde der Fußball-Oberliga und hat realistische Chancen, den Klassenerhalt zu realisieren.

Rotenburg – Im Interview spricht Trainer Tim Ebersbach (41) über die Gründe für die gute Ausbeute des Rotenburger SV und äußert sich auch zu geplanten Verstärkungen.

Der RSV nimmt 16 Zähler mit in die Abstiegsrunde – so viel wie keine andere Mannschaft. Was haben Sie besser gemacht als die Konkurrenz wie der TB Uphusen, Eintracht Celle oder der FC Hagen/Uthlede?

Wenn man unser Leistungsniveau von Anfang der Saison bis jetzt sieht, ist das vielleicht eine kleine Belohnung, dass wir wieder an unserer Philosophie und unserem Mannschaftskern festgehalten haben. Wir haben den Schwerpunkt für die jungen Spieler sehr auf Robustheit und Intensität gelegt und waren sehr fleißig. 90 Prozent der Jungs hatten mindestens 90 Prozent Trainingsbeteiligung. Wir haben auch unsere Spielstruktur nicht geändert. Wir haben uns nicht hinten reingestellt. Unser Mut wurde belohnt durch die individuelle Steigerung der Jungs, die im letzten Drittel unheimlich an Qualität gewonnen haben. Gerade die entscheidenden Spiele waren wir körperlich und mental da, haben Fußball gespielt und waren an diesen Tagen kompletter als die anderen. Gegen die direkten Konkurrenten haben wir ein sehr hochgeschobenes Mittelfeldpressing gespielt und hatten einen klaren Plan.

Seitdem ich in Rotenburg Trainer bin, ist das individuell wie mannschaftlich die stärkste Mannschaft.

Tim Ebersbach

Ist es womöglich die beste Mannschaft, die Sie bisher in Ihren fünf Jahren beim RSV trainiert haben?

Ja. Seitdem ich in Rotenburg Trainer bin, ist das individuell wie mannschaftlich die stärkste Mannschaft, die stärkste Mannschaft, die der RSV seit Langem hatte. Mit Björn Hakansson, Joel Schallschmidt, Jeroen Gies und auch Marcel Marquardt sind wir gegenüber dem Landesliga-Aufstiegsjahr auch als Mannschaft mindestens eine Klasse stärker. Die Oberliga hat auch die Jungs einfach besser gemacht. Ich habe mir häufiger Landesligaspiele angeguckt – das ist eine andere Welt. Aber wir haben auch von vornherein gesagt, dass wir bei unserer Philosophie bleiben, mit jungen Spieler aus der Region zu arbeiten, die sich mit dem Verein identifizieren.

Im Gegensatz zu anderen Teams wechseln Sie auch mal das System – Dreierkette, Viererkette, Fünferkette. Ist es nicht ein Nachteil, kein festes System zu spielen? Oder tatsächlich eher ein Vorteil?

Wenn man wie wir der Underdog ist, sollte man mit taktischer Flexibilität agieren. So viel Demut muss sein. Im Aufstiegsjahr haben wir oft ein 4-3-3 gespielt und nicht so sehr auf den Gegner geguckt. Es ist aber eine Stärke der Jungs, dass sie taktisch so diszipliniert sind. Es ist definitiv ein Vorteil, wenn man sieht, wie oft wir mit einer Systemumstellung Erfolg hatten. Wenn man bedenkt, wie unterlegen wir in Celle in der ersten Halbzeit waren und dann komplett umgestellt haben.

Auf die Dreierkette ...

Ja. Damit haben wir bewiesen, dass wir gute Hebel setzen können. Jeder weiß, welche Rolle er hat. Die Erfolge und die Punkteausbeute geben uns recht, vielleicht ist auch das zu unserer Stärke geworden, dass die Jungs das umsetzen und mittragen.

Sie haben das 4:3 nach 1:3-Rückstand in Celle angesprochen. War das vielleicht das wichtigste Spiel?

Oh ja, für den Kopf der Jungs war es das wohl. Das Spiel zu drehen – so etwas hatten wir ganz lange nicht. Und auch mit wenig Aktionen vier Tore zu schießen, hat denen ganz viel Selbstvertrauen gegeben. Wir können auch vorne mittlerweile ein Spiel drehen und jederzeit zurückkommen, wir schenken ein Spiel nicht ab. Das ist wichtig, gerade für die Abstiegsrunde.

Joel Schallschmidt ist die Entdeckung, den hatte keiner auf dem Zettel.

Tim Ebersbach

Wer war für Sie bisher die Entdeckung der Saison?

Da muss ich Joel Schallschmidt nennen – er ist die Entdeckung, den hatte keiner auf dem Zettel. Ihn haben wir vom Innenverteidiger und Sechser zum Neuner/Zehner umfunktioniert. Er ist nicht so sehr der Torschütze, hat aber vier, fünf Assists gehabt und eine wahnsinnige Zweikampfquote. Er ist für uns der Wand- und Zielspieler. Klar muss man auch Lucas Chwolka nennen, der als Sechser und Achter sechs Tore, und sehr wichtige, gemacht hat. Marcel Marquardt ist natürlich auch eine positive Entdeckung. Insgesamt haben wir aber jetzt eine Breite, die wir letztes Jahr noch nicht annähernd hatten. Und mit Stefan Denker und Lucas Chwolka haben wir zentral ein wichtiges Fundament. Wir haben 17 Spieler mit mindestens acht Einsätzen. Viele andere Mannschaften rotieren nicht so viel wie wir.

Welche Erwartung haben Sie für die Abstiegsrunde?

Ich werde nicht müde zu erwähnen, dass unser jetziges Ergebnis über den Erwartungen liegt. Dass wir eine so gute Ausgangsposition haben, dafür muss man der Mannschaft ein großes Lob aussprechen. Wir haben nicht ein Endspiel verloren. Natürlich gibt es jetzt die Erwartungshaltung, dass wir auch den Klassenerhalt schaffen wollen. Das traue ich uns jetzt auch zu, wenn wir vom Verletzungspech verschont bleiben. Das sind jetzt alles weitere Endspiele. Die Jungs müssen demütig bleiben und frei aufspielen, denn wenn wir acht von zehn Spielen verlieren, wird‘s nicht reichen.

Fünf Absteiger hätten es auch getan, so wie es der Verband damals versprochen hatte.

Tim Ebersbach

Zumal es mindestens sechs Absteiger gibt.

Fünf Absteiger hätten es auch getan, so wie es der Verband damals versprochen hatte. Klar wirft es uns nicht um, wenn wir runtergehen sollten, aber die Oberliga hat zur Zeit wieder mehr Prestige, das merkt man auch daran, dass sich immer wieder Spieler anbieten. Das ist eine Riesenchance für den Verein.

Ist es tatsächlich leichter, an Spieler zu kommen?

Definitiv ja. Das Problem ist aber, dass sich nicht unbedingt die gestandenen fertigen Oberliga-Spieler melden. Wir können aber junge Talente in der Oberliga eher abgreifen als in der Landesliga. Schallschmidt, Marquardt oder Lohmann wären als Spieler in der Landesliga sonst sicher nicht konkret auf den RSV gekommen. Wir haben mit unserem Scouting in den letzten Jahren schon echt gute Griffe gehabt. Da darf man auch so arrogant sein und sagen, dass wir viele gute Entscheidungen getroffen haben. Wir treffen uns dafür meist ein, zweimal mit den Spielern, um auch nach dem Charakter zu entscheiden und verzichten dafür bewusst auch auf manch gute Kicker.

Mit Innenverteidiger Yannik Funck verabschiedet sich im Winter ein wichtiger Akteur. Gibt es weitere Abgänge?

Stand jetzt weiß ich von keinem, auch wenn es da von den Spielanteilen vielleicht zwei, drei Kandidaten geben könnte. Aber eigentlich haben wir ja zwei Abgänge. Ben Zeigler gehörte auch zum Kader und studiert jetzt in Leipzig.

Muss also nachgebessert werden?

Was völlig klar ist: Gerade weil wir die Riesenchance auf den Klassenerhalt haben, sollten wir ein Zeichen setzen, um bewusst Verstärkungen zu kriegen.

Wir wollen eine Verstärkung für die Abwehr, am liebsten einen Innenverteidiger, das ist „Prio“ eins.

Tim Ebersbach

Und für welche Position?

Wir wollen eine Verstärkung für die Abwehr, am liebsten einen Innenverteidiger, das ist „Prio“ eins. Lass´ mal Christoph Drewes und Sämi van den Berg ausfallen, dann bricht das Kartenhaus hinten zusammen. Dieses Risiko, nur weil wir nicht versucht haben, einen Back-up zu kriegen, sollten wir nicht eingehen. Wenn es Wunschkonzert wäre, wäre also ein starker Innenverteidiger wichtig. Und wenn vielleicht noch ein zentraler Stürmer vom Himmel fällt, nehme ich den auch.

Ist schon etwas konkret?

Es ist sehr vage, das läuft alles über Spielerberater ab, aber im Winter bewegt sich das Karussell in der Liga auch neu. Klar klopfen wir alles ab. Diese Breite möchte ich nicht hergeben. Der nächste Schritt für die Entwicklung der Mannschaft wäre, wenn wir noch einen starken Führungs -oder Gerüstspieler dazubekämen.

In den vergangenen Jahren haben Sie meist um den Jahreswechsel herum bereits verlängert. Wie ist der Stand jetzt?

Ich hatte sehr gute und wertschätzende Gespräche mit dem Verein und habe klare Signale bekommen. Mir liegt ein klares Angebot vor. Es ist von der Liga auch völlig unabhängig, für mich kommt eigentlich auch keine Alternative infrage. Nach meinem Familienurlaub geht es im Januar ins finale Gespräch.

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