Sport vor 50 Jahren

Als der Handball in die Halle kommt: Der TuS Rotenburg geht auf „Jungfernfahrt“

Die männliche B-Jugend 1971 auf einem Mannschaftsfoto.
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Die männliche B-Jugend war 1971 das erste Team, das im Namen des TuS Rotenburg Hallenhandball spielte. Zu sehen sind (obere Reihe, von links) Manfred Schöder, Horst Runnebaum, Rainer Oltmann, Bernd Schaffran, Rainer Heske und der Vereinsvorsitzende Paul Karstens sowie (untere Reihe, von links) Uwe Pape, Lutz-Dieter Weiß, Uwe Grenzebach und Andreas Weber. Viele wohnen heute noch in der Kreisstadt.

1971 wagte sich der TuS Rotenburg auf neues Terrain und schickt erstmals eine Hallenhandball-Mannschaft in die Saison. Andreas Weber erinnert sich, denn er nahm an der „Jungfernfahrt“ als Torwart teil.

Rotenburg – Der Torwart war schon wegen seiner krausen Haarpracht am auffälligsten und setzte sich optisch von den Mitspielern, die damals alle eine lange „Matte“ trugen, ab. Es war Andreas Weber, der auf dem Bild als damals 14-Jähriger hinter einem Maskottchen in der vorderen Reihe hockte. 1971, vor 50 Jahren, schickte der TuS Rotenburg erstmals ein Hallenhandball-Team auf „Jungfernfahrt“ – die männliche B-Jugend. Weber, heute Vorsitzender des Vereins und bis vor einigen Wochen Bürgermeister der Kreisstadt, war ein Mann der ersten Stunde.

VfL Visselhövede als Vorreiter

Fast ununterbrochen haben die Handballer aus dem Altkreis am Spielbetrieb des Handballkreises Verden teilgenommen. Nachdem in der Wümmestadt schon 1926 erstmals Feldhandball auf großen Fußballfeldern gespielt worden war, existierte 1934 eine gemeinsame Spielklasse. Mit dabei waren der MTV Visselhövede und der Luftwaffensportverein Rotenburg. Bei der Gründung des Handballkreises Verden 1946 waren Rotenburger, Visselhöveder und Sottrumer am Start, ehe sich die Kreisrotenburger kurzzeitig dem Bezirk Stade anschlossen. Beim TuS Rotenburg wurde der Spielbetrieb 1959 sogar eingestellt, Großfeldhandball geriet in die Krise. 1966 startete der VfL Visselhövede einen Neuanfang in der Halle und schickte 1971 sogar die vermutlich erste Frauenmannschaft des Altkreises ins Hallenhandball-Rennen. Im selben Jahr startete der TuS Rotenburg mit seiner B-Jugend neu. (Quellen: „Von den Anfängen bis zur Gegenwart ‒ Handball im Landkreis Verden, Hermann Deuter, erschienen 1998; Chronik „150 Jahre TuS Rotenburg“)

„Die ersten Spiele waren unter Jockel Schlüter, der wegen der Bundeswehr hier stationiert war und in Rotenburg auch eine Heimat gefunden hat. Angefangen hat aber alles auch mit Günter Kowald, der als Sportlehrer am Ratsgymnasium Handball spielen ließ“, erinnert sich Weber. Dabei war der TuS Rotenburg nicht der erste Verein, der vom Feld in die Halle wechselte. Die PSG Rotenburg sowie der VfL Visselhövede waren hier bereits vorher aktiv. „Den Handballern der Polizeisport-Gemeinschaft (PSG) Rotenburg kommt das Verdienst zu, ab der Hallenserie 1967/68 den Handballsport auch wieder in der Kreisstadt Rotenburg etabliert zu haben. Im Gegensatz zum VfL Visselhövede spielten die Rotenburger Polizisten jedoch von Anfang an nur in der Halle“, ist im 1998 erschienenen Buch „Von den Anfängen bis zur Gegenwart – Handball im Landkreis Verden“ zu lesen. Die umfangreiche Chronik, geschrieben von Hermann Deuter, stellt aber auch fest: „Im Gegensatz zur PSG betrieb man beim TuS von Anfang an auch Jugendarbeit und konnte so die Abteilung auf eine gesunde Basis stellen.“

Ich hatte mir extra bei Sport Lehmann Torwart-Handschuhe gekauft, weil es so wehgetan hat.

Andreas Weber, damals Torwart

Der Stellenwert der Nachwuchsarbeit ist beim TuS Rotenburg seit jeher hoch. „Wir haben immer schräg zum TSV Verden geschaut, der mal zweite Liga gespielt hat. Und wir haben von dem Beispiel profitiert, dass wir es so nie machen dürfen“, erzählt Weber. Die Allerstädter, 1950 schon Pioniere in Sachen Hallenhandball, hatten ihren Fokus im Laufe der Jahre mit zunehmenden Erfolg zu sehr auf die erste Herren gelegt und den Nachwuchs vernachlässigt.

1971 berichtete unsere Zeitung über die Jugendhandballer.

Weber selbst muss lachen, wenn er an seine Anfänge im Tor denkt. „Ich hatte mir extra bei Sport Lehmann Torwart-Handschuhe gekauft, weil es so wehgetan hat“, denkt der 64-Jährige zurück und kann zu jedem Mitspieler dieser Premieren-Saison etwas erzählen. Wie zu Uwe Grenzebach, der gleichzeitig ein guter Judoka war, und beim Handball im Reflex und aus Versehen „schon mal einen Fußfeger angesetzt“ hat.

Die Hallensituation war seinerzeit nicht mit der heutigen zu vergleichen. „In Rotenburg waren wir mit der Theodor-Heuss-Halle noch am besten dran, dort gab es das erste Mal auch Tore in einer Halle. Im Ratsgymnasium hatten wir die Hochsprungstange zum Tor umfunktioniert. Oder es wurden Tore an die Wand gemalt. In Uesen haben wir in der ehemaligen Panzerhalle auf Betonboden gespielt“, berichtet Weber.

Die Herrenmannschaft des TuS Rotenburg 1974.

Der Feldhandball wurde durch die Hallenvariante zunehmend verdrängt, in der Sommerpause fanden allerdings weiter Spiele im Ahe-Stadion statt. Mit der männlichen B-Jugend, die im Herbst 1971 in den Spielbetrieb einstieg und ein Jahr zuvor von Schlüter zusammengetrommelt worden war, begann der Aufschwung im TuS Rotenburg. „Gute Aussichten auf eine günstige Platzierung“ attestierte seinerzeit unsere Zeitung dem Team, das bereits 1972 den Kreismeistertitel holte. In diesem Jahr sollte auch die Gründung einer Herrenmannschaft folgen. „Das entstand alles auch aus der evangelischen Jugend, aus dem Freitagskreis der Stadtkirchengemeinde heraus“, erinnert sich Weber. Und auch im weiblichen Bereich entwickelte sich ab 1974 etwas. „Das waren die Freundinnen der Herren- und A-Jugendspieler“, erzählt Weber, der den Handball in der Wümmestadt bis heute begleitet.

Zu einem der Höhepunkte wurde 1991 das Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft der UdSSR. Die gute Jugendarbeit (inzwischen als JH Wümme mit dem TV Scheeßel) sollte sich auch in den vergangenen Jahren auszahlen: Seit 2017 spielen die Herren in der Oberliga – fast ausschließlich mit Eigengewächsen.

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