Björn Mickelat und Björn Müller im Gespräch

Der lockere Derby-Plausch: „Rotenburg hat die Oberliga-Qualität“

Der ernste Blick verrät es: Björn Mickelat (links) und Björn Müller sind mit Fokus auf das Duell am Samstag bereits im Angriffsmodus. Im Derby-Plausch zuvor hatten sie aber durchaus ihren Spaß.
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Der ernste Blick verrät es: Björn Mickelat (links) und Björn Müller sind mit Fokus auf das Duell am Samstag bereits im Angriffsmodus. Im Derby-Plausch zuvor hatten sie aber durchaus ihren Spaß.

Rotenburg – Sie stammen beide aus einer anderen Generation, sind die „Oldies“ der Fußball-Oberliga und haben auch sonst viel gemeinsam. Nicht nur, dass sie Arbeitskollegen im Rotenburger Speditionsunternehmen Oetjen sind, in Zeven wohnen und auf den gleichen Vornamen hören. Torwart Björn Müller (42) und Offensivspieler Björn Mickelat (39) haben auch schon zusammen beim TuS Heeslingen gespielt. Der eine (Müller) war in jungen Jahren beim Rotenburger SV, ist beim Heeslinger SC inzwischen Torwarttrainer, steht dort als dritter Keeper aber weiter parat. Der andere (Mickelat) kam für den RSV am ersten Spieltag bei Kickers Emden sogar bereits zum Einsatz. Samstag (13.30 Uhr) treffen sie mit ihren Teams im Ahe-Stadion aufeinander. Zeit für einen Derby-Plausch in Halle 11 – Fragen sind eigentlich überflüssig, die beiden amüsieren sich auch so.

Mal ehrlich: Ist das Derby in der Woche vor dem Spiel ein Tabu-Thema oder ist das Gegenteil der Fall?

Mickelat: Nee, wir verraten uns gegenseitig die taktischen Pläne der Trainer.

Müller: Ja, wir tauschen uns so aus, dass wir alles übereinander wissen.

Mickelat: Und dann gucken wir mal, wer besser damit umgehen kann.

Müller: Ich habe noch versucht, „Micky“ in einer anderen Abteilung einzusetzen, aber das hat nicht geklappt. Klar ist das Derby ein Thema. Da gibt es ein paar Sprüche vorher und dann ist das gut.

Mickelat: Aber dadurch dass es mit dem Heeslinger SC ein neuer Verein ist, ist es für mich ein bisschen anders. Ich habe ja gar keinen Bezug zu dem Verein. Wenn es der TuS Heeslingen wäre, wäre es vielleicht was anderes. So ist es ein ganz normales Spiel.

Es ist tatsächlich das erste Punktspiel zwischen beiden Vereinen. Auch der letzte Vergleich zwischen dem RSV und dem TuS Heeslingen ist lange her.

Müller: Das letzte Mal war im März 2013. 4:2 haben wir mit dem TuS Heeslingen gewonnen. Da musste Henner Lohmann (damals Arbeitskollege und Torwart des RSV, Anm. d. Red.) mir noch einen Kuchen backen, weil wir da eine Wette laufen hatten. Was machen wir denn dieses Mal?

Mickelat: Essen!

Müller Essen ausgeben vom Imbiss?

Mickelat: Machen wir!

Müller: Oder wenn Heeslingen gewinnt, muss „Micky“ was kochen. Und wenn Rotenburg gewinnt, muss Müller was holen vom Imbiss.

Mickelat: Tja, da sind die Aufgaben klar verteilt in unserer Beziehung.

Das Spiel kann wegen der Corona-Einschränkungen nur vor 240 Zuschauern stattfinden ...

Mickelat: Eigentlich schade, weil richtig viel Geld flöten geht. Die Zeit passt genau, viele spielen Samstag nicht. Ich glaube, wir hätten an vierstellig kratzen können.

Müller: Wir hatten auch sehr viele Nachfragen zum Spiel und konnten aufgrund der Vorgaben nicht alle Kartenwünsche erfüllen. Die Bude wäre echt voll gewesen. Ich glaube, dass durch Corona die Zuschauer jetzt dem Amateurfußball wieder näher stehen. Der Profifußball ist ja tot. Das haben wir schon in den Freundschaftsspielen und beim ersten Punktspiel gemerkt, dass der Zuspruch recht hoch ist. Wenn man aufpasst als Amateurverein, kann man, auch wenn es sich ein bisschen doof anhört, davon profitieren.

Ein Derby feiert Premiere

Derby – hört sich eigentlich nach Tradition an. Doch genau genommen feiert das Derby zwischen dem Rotenburger SV und dem Heeslinger SC tatsächlich Premiere. In einem Punktspiel hat es diesen Vergleich noch nie gegeben! Seit der Gründung des Nordkreis-Clubs 2013, der das Spielrecht des ins Visier der Steuerfahndung geratenen TuS Heeslingen übernommen hatte, waren beide Vereine aneinander vorbei auf- und abgestiegen. Der Heeslinger SC startete 2013 in der Landesliga und stieg 2015 in die Oberliga auf. Diese verließ der RSV 2015 – und kehrte jetzt zurück. Das bislang letzte Aufeinandertreffen der RSV mit dem TuS Heeslingen ist siebeneinhalb Jahre her. Am 9. März 2013 unterlag die Wümme-Elf in der Oberliga zu Hause mit 2:4.

Alles andere als ein Heeslinger Sieg wäre eine dicke Überraschung, oder?

Müller: Wir sind zwar Favorit, aber wenn man als Favorit ins Spiel geht und meint, man könnte das spielerisch alles lösen und ohne Mentalität spielen, dann ist man schon mal auf dem Holzweg. Dann ist Rotenburg stark genug, uns zu schlagen.

Mickelat: Heeslingen möchte ganz oben mitspielen, wir wollen uns weiterentwickeln, das mitnehmen, Spaß haben und die Großen ärgern. Ich denke schon, dass wir sehr gut eingestellt sind. Waren wir in Emden auch schon. Einige wollten uns vorher schon die Oberliga-Qualität absprechen, aber wir haben letzte Woche schon gezeigt, dass wir mithalten können. Klar ist das Tempo viel höher, die Intensität, die Zweikämpfe auch. Das nehmen wir aber alles mit. Jede Minute genießen!

Müller: Ich finde, es ist Quatsch zu sagen, dass Rotenburg keine Oberliga-Tauglichkeit hat. Alle Aufsteiger haben absolut Oberliga-Qualität. Und wenn man meint, man könnte mal eben einen Aufsteiger schlagen, ist man falsch gewickelt. Ich kenne Tim Ebersbach noch als Spieler und ich weiß, dass seine Mannschaft absolut fit und gut eingestellt sein wird.

Aber die Voraussetzungen sind ganz andere. Heeslingen holt Spieler aus der Regionalliga, Rotenburg – etwas übertrieben gesagt – aus der Kreisliga.

Mickelat: Und wenn du die ansprichst, kommen sie trotzdem nicht.

Müller: Wir mussten uns ja auch, als wir vor fünf Jahren aufgestiegen sind, erst mal festigen in der Oberliga und sind in den letzten Jahren gewachsen. Wenn du dann eine gewisse Mannschaft hast, möchtest du die auch verstärken und verbessern. Das Erreichen der Aufstiegsrunde ist klar unser Ziel.

Und zumindest mittelfristig soll ja Richtung Regionalliga geguckt werden.

Mickelat: So stand es in der Zeitung.

Müller: Ich gucke erst mal auf diese Saison, dass wir da oben wirklich mitspielen. Wenn man dieses Ziel hat, muss man es auch zeigen.

Mickelat: Das ist natürlich auch gefährlich, so eine Situation: Heeslingen hat wirklich sehr, sehr gute Leute dazu geholt, die den Kader auch richtig aufhübschen und besser machen. Aber wenn sie am Ende in der Aufstiegsrunde Achter werden, dann muss sich die Vereinsführung wieder was überlegen. Unermesslich Geld geht halt nicht. Aber was willst du dann holen? Drittligaspieler?

Wie sehen die gegenseitigen Frotzeleien vor dem Derby eigentlich aus?

Mickelat: Na dadurch, dass wir so lange gegeneinander gespielt haben, mit Heeslingen gegen Neuenkirchen und Osterholz (Müllers frühere Vereine, Anm. d. Red.) und auch schon zusammen in Heeslingen ....

Müller: Ein Jahr aber nur ...

Mickelat: Ja, aber dadurch können wir es gut einschätzen, denke ich. Dass wir uns hochnehmen, das machen wir eigentlich nicht.

Müller: Es ist von Respekt geprägt. Man weiß ja auch, dass dann die Schelle zurückkommt. Aber es hat wirklich was mit Respekt zu tun. Ich habe in Rotenburg selber sechs Jahre gespielt und habe dem Verein persönlich und sportlich einiges zu verdanken, deswegen habe ich keinen Groll auf Rotenburg. Nur will ich natürlich gewinnen.

Mickelat: Und wenn wir gewinnen, nimmst du mich dann trotzdem mit zurück nach Hause? Weil wir ja zusammen zum Spiel fahren und auch wieder abhauen.

Müller: Heutzutage soll man ja Benzin sparen – deswegen haben wir eine Fahrgemeinschaft.

Mickelat: Ich weiß nur nicht, ob wir auf der Hinfahrt reden. Aber ich denke schon. Es gibt ja auch andere Themen.

Müller: Fakt ist auch, dass spätestens mit Beginn des Warmmachens der Spaß vorbei ist und sich jeder aufs Spiel konzentriert.

Mickelat: Bei mir erst ab Anpfiff.

Müller: Dann zieht jeder sein Ding durch und es wird bestimmt auch kein lustiger Spruch während des Spiels kommen.

Aber lassen Sie als Vorgesetzter im Heeslinger Siegesfall am nächsten Tag den Chef raushängen?

Müller: Absolut!

Mickelat: Ich habe Montag frei!

Müller: Stimmt. „Micky“ hat extra Urlaub genommen.

Mickelat: Weil ich schon weiß, was passiert. Ich hatte Angst. Freitag und Montag habe ich deshalb frei. Ich muss mich ja vernünftig vorbereiten – und danach wieder runterkommen. Der Antrag ist schon durch. Herr Müller hat ihn genehmigt.

Müller: Ich möchte dich Montag einfach nicht sehen.

Mickelat: Vielleicht komme ich aber mit einer Kleinigkeit vorbei, wenn das Spiel positiv für uns läuft.

Müller: Dann kommst du hier gar nicht rein. Ich sage dem Pförtner, dass du draußen bleibst.

Noch einmal zurück in die Vergangenheit. Erinnern Sie sich ans letzte Duell gegeneinander – RSV gegen Heeslingen, März 2013?

Müller: Da war Schneetreiben und Fricke-Party. Die erste Hälfte war sehr ausgeglichen, dann machen wir einen Doppelschlag zum 2:1 und 3:1 und gewinnen 4:2. Es war ein Elfmeter von Ebersbach zum 1:1 und ein Tor von Klützke zum 4:2, als er mich ausgespielt hat. Ich wollte ihn erst umhauen, dachte mir aber: Beim 4:1 brauchst du keine Notbremse ziehen, lass‘ mal lieber.

Mickelat: Ich kann mich an das Spiel nicht erinnern. Echt nicht. Das letzte an das ich mich erinnern kann, ist 2008. Rückspiel in Osterholz (damals Müllers Verein, Anm. d. Red.) mit Heeslingen.

Müller: Wo wir 2:3 verlieren mit Osterholz und fünf kriegen müssen. Aber ich weiß noch, wie wir mit Osterholz 3:2 in Heeslingen gewonnen haben, in der 90. Minute.

Mickelat: Ich hätte beim Laufduell eigentlich ein taktisches Foul machen müssen. Da musste ich dann bei Gütschow ins Personalbüro.

Müller: Und ich habe mir einen gefeixt.

Am Samstag wird von Ihnen aber wohl nur einer auf dem Platz stehen ...

Müller: Letztes Jahr war ich noch die Nummer zwei. Aber jetzt mit 42 ...

Mickelat: Obwohl das kein Torwart-Alter ist.

Müller: Wir haben mit Arne Exner einen guten Torwart, dahinter jetzt mit Tom Petter Rode auch einen guten. Ich hatte aber sogar schon einen Einsatz im Test gegen die HSV-Amateure. Und ab und zu helfe ich bei der Zweiten aus.

Mickelat: Ich hoffe natürlich, dass ich spiele, Ich glaube, dass „Ebbe“ (Tim Ebersbach, Anm. d. Red.) weiß, was er an mir hat, wenn ich spiele und was er an mir hat, wenn ich reinkomme.

Kirschke und Friesen auf der Kippe

„Mut und Lust auf mehr“ habe das Auftaktspiel bei Kickers Emden trotz der 0:2-Niederlage gemacht, betont Tim Ebersbach, Coach des Fußball-Oberligisten Rotenburger SV. Die Aufgabe für den Aufsteiger wird mit dem Titelanwärter Heeslinger SC am Samstag (13.30 Uhr) aber nicht leichter. Zumal es zwei große Unbekannte gibt: Außenstürmer Jan Friesen plagt sich mit einem entzündeten Zeh herum, Sechser Tobias Kirschke zog sich im Training eine Zerrung zu. So oder so überlegt Ebersbach, ob er taktisch umstellt. Bleibt es bei der Fünferkette und zwei Sechsern, könnte beim Kirschke-Ausfall Luca Althausen eine Position nach vorne oder aber Tim Potratz ins Team rücken. Das Spiel ist ausverkauft, aufgrund der Corona-Vorschriften sind nur 240 Zuschauer erlaubt.

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