Talent lebt im Sportinternat

Rotenburger Schwimm-Ass Tillmann Lau träumt von Olympia

Tillmann Lau im Wasser beim Schmtterlingschwimmen.
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Kraftvoll durchgezogen: Tillmann Lau vom TuS Rotenburg – hier bei der DM – gehört zu den größten deutschen Schwimm-Talenten.

Mit 14 Jahren lebt Tillmann Lau nicht mehr bei seinen Eltern im beschaulichen Elsdorf, sondern im Sportinternat in Hannover. Weil der Schwimmer des TuS Rotenburg ein Riesentalent ist, trainiert er am Olympiastützpunkt.

Rotenburg/Elsdorf – Ein Traum ist für Tillmann Lau Anfang des Jahres in Erfüllung gegangen. Der 14-jährige Schwimmer des TuS Rotenburg schaffte nach Bestleistungen auf der Kurzstrecke den Einzug ins Lotto-Sportinternat Hannover. Der Olympiastützpunkt und die Humboldtschule sind zwei Adressen, die der gebürtige Elsdorfer inzwischen an bis zu sechs Tagen in der Woche per Fahrrad ansteuert. Die Deutschen Meisterschaften in Berlin wurden für ihn im Oktober zum Highlight des Jahres. Dort ging das Schwimmtalent fast ein Dutzend Mal an den Start und überzeugte.

Der Olympiastützpunkt war für Tillmann Lau bereits eine geläufige Adresse. Nachdem er 2018 erstmals für den Landeskader nominiert wurde, machte er sich vier bis fünf Mal im Monat auf den Weg dorthin und absolvierte ein anspruchsvolles Training. Der hohe Aufwand und große Fleiß zahlten sich aus, erzielte der Elsdorfer doch immer bessere Zeiten in den unterschiedlichsten Disziplinen. „Tillmann hat sich kontinuierlich in seinen Leistungen gesteigert und viele Bestleistungen abgerufen. Das war der Schlüssel dafür, dass er einen Platz im Internat erhielt“, sagt Marc Wewstaedt. Der Stützpunkt-Trainer war lange Zeit der Wegbegleiter des 14-Jährigen und bringt dessen Stärken auf den Punkt: „Tillmann hat ein gutes Wassergefühl und gefällt durch seine gute Technik in den Haupt-Disziplinen.“

Auf Stippvisite in der Heimat: Über die Feiertage ist Tillmann Lau zu Besuch bei seinen Eltern in Elsdorf.

Dass Lau den Einzug ins Internat schaffte, lag schon an seinem hohen Ehrgeiz. „Ich habe seit meinem neunten Lebensjahr beim TuS Rotenburg unter Lena Lünzmann vier bis fünf Mal die Woche trainiert. In den Einheiten habe ich mir die besten Schwimmer ausgeguckt, mich rangehängt und wollte sie irgendwann schlagen. Das hat auf Sicht immer geklappt. Ich hatte den unbändigen Ehrgeiz, der Beste zu werden. Aufgeben war für mich keine Option“, erzählt Tillmann Lau. Auch seine Trainerin erkannte schnell sein Talent und sorgte durch gute Trainingsinhalte für eine „Leistungsexplosion“. „Die Übungseinheiten von Lena waren mega gut und total motivierend. Das hatte zum Teil die gleiche Qualität wie bei uns am Olympiastützpunkt“, findet Lau, der weiterhin für den TuS Rotenburg, schwimmt und mit Bestzeiten und Vereinsrekorden wiederholt starke Duftmarken setzte.

„Tillmann ist sehr talentiert, willensstark, super ehrgeizig und mit einer guten Schwimmtechnik ausgestattet. Der wird sich in der deutschen Spitze etablieren“, ist sich Lünzmann sicher. „Natürlich gibt es immer Dinge, die man besser machen kann. Die Chance am Olympiastützpunkt muss er konsequent nutzen und dran bleiben. Der Wechsel nach Hannover hat ihm gutgetan.“

Ich hatte den unbändigen Ehrgeiz, der Beste zu werden. Aufgeben war für mich keine Option.

Tillmann Lau

Mit gerade mal 14 Jahren das Elternhaus auf dem Dorf zu verlassen und sich in der Fremde zurechtzufinden, schaffen nicht alle Talente. „Das war für uns zunächst schon schwierig, doch wir haben ein sehr großes Vertrauen in unseren Sohn. Tillmann hatte den Wunsch und den Traum, ins Internat einzuziehen, den hat er sich erfüllt. Er arbeitet mit viel Power an seiner Schwimmer-Karriere. Das Allerwichtigste ist, dass die Schule nicht zu kurz kommt. Und das funktioniert an der Humboldtschule recht gut“, sagt Thorsten Lau, der seinen Sohn gemeinsam mit seiner Frau im Januar nach Hannover chauffierte.

Nachdem das Internat-Ticket per Post ins Haus flatterte, war Abschied angesagt. „Ich wäre schon traurig gewesen, wenn es nicht geklappt hätte. Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Jetzt habe ich die Möglichkeit, mich unter professionellen Bedingungen weiter zu entwickeln“, betont Tillmann Lau, der seit einigen Monaten unter Yana Guliyeva arbeitet. Die Landestrainerin sorgte dafür, dass er optimal auf die Deutschen Meisterschaft Ende Oktober in Berlin vorbereitet wurde.

Alles eng getaktet ‒ nur der Sonntag ist frei

Es sind schon stramme Tage, die die Talente am Sport-Internat in Hannover wuppen müssen. Für Tillmann Lau stehen wöchentlich neun Trainingseinheiten an. „Das ist schon alles sehr eng getaktet, die Freizeit geht an sechs Tagen gegen null“, berichtet er. Nur der Sonntag sei frei, um zu regenerieren und private Dinge anzugehen. Ansonsten ist er gegen 19 Uhr vom Training zurück auf seinem Zimmer, das er mit einem Kameraden teilt.

„Die Schule beginnt um 8 Uhr und liegt gut einen Kilometer vom Internat entfernt. Das Mittagessen können wir in der Mensa einnehmen. Nach dem Training mache ich mir abends in unserer Küche etwas zu essen. Dann warten noch die Hausaufgaben auf mich. In der Schule bin ich gut, mache allerdings eher das Notwendigste“, sagt der 14-Jährige, der seine Eltern in Elsdorf alle zwei Tage anruft. „Die Gespräche tun immer sehr gut. Mein Zuhause vermisse ich aber nicht, ich bin total glücklich im Internat“, unterstreicht Lau.

Dort stellt die Internatsleitung eine Rundumbetreuung sicher. „Wir können uns bei Problemen an unsere sechs Betreuer wenden, die hier im Schichtdienst agieren. Und sollte es wirklich individuellen Stress geben, stehen Sportpsychologen parat“, erzählt Tillmann Lau.

Dort galt es, sich zunächst in den Vorläufen über die 50-, 100- und 200-Meter-Kurzdistanz in den Disziplinen Schmetterling und Freistil in jedem Rennen gegen 25 Konkurrenten zu behaupten. Einen Treppchenplatz hatte sich der 1,78 Meter große Lau im Vorfeld ausgerechnet. „Ich habe die Bestenlisten mit meinen Zeiten verglichen. Da war schon ein dritter Platz möglich“, erzählt er.

Doch dann kam alles anders. „Ich wurde zwei Wochen vor den ,Deutschen‘ krank und konnte vor der Fahrt nach Berlin nicht trainieren. Das hat mich schon zurückgeworfen. Doch aufgeben kam für mich absolut nicht infrage. Ich hatte das Ziel, die Finalrennen in allen Disziplinen zu packen“, erzählt Lau, der in den Vorläufen alles raushaute und sein Vorhaben umsetzte. Mit einer Medaille konnte er sich nicht belohnen. „Ich habe in den Finals drei sechste Plätze und einen achten Platz erreicht“, erzählt er. Sein großes Ziel verliert er deshalb nicht aus den Augen: „Die Teilnahme an den Olympischen Spielen möchte ich schaffen. Doch zunächst wäre ich schon zufrieden, wenn ich eine Medaille bei den kommenden Deutschen holen würde“, verrät der Werder-Fan.

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