Plädoyer für die Jugend

Das verlorene Corona-Jahr erschwert dem Nachwuchs den Sprung zu den Herren

Auch Jan Garbers hat mit der A-Jugend des RSV aufgrund der Corona-Pandemie lange aussetzen müssen.
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Auch Jan Garbers hat mit der A-Jugend des RSV aufgrund der Corona-Pandemie lange aussetzen müssen.

Gut ein Jahr kein Fußball ‒ ist es da sinnvoller, die Jugendfußballer lieber noch in der U19 statt gleich in der Herren spielen zu lassen?

Rotenburg – Das letzte Punktspiel liegt mehr als sieben Monate zurück, das nächste wird wohl nicht vor September sein. Hinzu kommt die Corona-Pause im Frühjahr 2020. Gerade für die Jugendfußballer ist diese Zeit im Hinblick auf ihre sportliche Entwicklung kontraproduktiv. Da stellt sich insbesondere beim bisher jüngeren Jahrgang der A-Junioren die Frage: Schon hoch in den Herrenbereich – oder lieber noch ein Jahr als U 19 spielen? Beim Rotenburger SV ist die Entscheidung gefallen. Der Wümme-Club meldet für die U 19-Landesliga. Auch der JFV Union 18 plant diesen Schritt. Sein Team muss weiter im Kreis starten.

Was beide Vereine eint, ist die unverschuldet verpasste Chance, in der neuen Saison in einer höheren Liga aufzulaufen. Die U 18 aus der Samtgemeinde Sottrum war mit acht Siegen als Tabellenführer auf dem besten Weg in den Bezirk, ehe Corona ihr ein Bein stellte. „Wir waren schon so gut wie dabei und wären im Winter in die Bezirksliga gegangen. Wir haben vier Jahre darauf hin gearbeitet“, sagt Trainer Lennart Holzkamm enttäuscht. Ähnlich erging es den Gleichaltrigen des RSV als Spitzenreiter der Landesliga. „Corona hat uns die Niedersachsenliga gekostet – das tut mir am meisten weh“, hadert Andreas Kurth, der Sportliche Leiter der Nachwuchs-Leistungsteams. In der U 19-Landesliga soll es nun drei Staffeln mit je fünf Teams (statt zuletzt eine Zwölferstaffel) geben – falls so viele melden. Die sechs Punktbesten spielen dann den Bezirksmeister aus.

Corona hat uns die Niedersachsenliga gekostet.

Andreas Kurth (Rotenburger SV)

Der RSV hat sich bewusst dazu entschieden, das Team als U 19 „auf die Wiese zu schicken“, wie Kurth sagt, und nur wenige Spieler fest zu den Herren zu entlassen. „Dafür habe ich gekämpft. Ich wäre strikt dagegen gewesen, eine komplett ältere A-Jugend als zweite Herren spielen zu lassen. Die Jungs sagen selbst, dass sie körperlich noch nicht so weit sind“, betont der Sportliche Leiter.

Genau hier liegt wohl auch die Krux. Viele Vereine ziehen ihre Spieler gerne schon fest in den Herrenbereich hoch, sobald sie volljährig sind, der Wert der U 19-Ligen ist auch daher immer wieder umstritten. Doch gerade aufgrund der verpassten Spiele und Trainingseinheiten in den vergangenen Monaten sind manche Trainer unsicher, ob ein Sprung nicht zu früh käme. „Klar ist das ein verlorenes Jahr, deshalb möchte ich die Jungs gerne noch zusammenhaben“, wirbt Lennart Holzkamm für eine weitere gemeinsame Saison. Davon will Thomas Holzkamm als Vorsitzender des JFV Union die älteren A-Jugend-Spieler nun überzeugen. Er weiß um die Problematik: „Wir brauchen unsere 2003er dazu, auch wenn die Jungs gerne höherklassiger spielen würden.“ Ein Nachrücken in den Bezirk hat der Verband übrigens kategorisch ausgeschlossen.

Im ersten Herrenjahr musst du immer sehen, wo du stehst, das wird dir schon im ersten Training gezeigt. An diese Herrenhärte musst du dich erst gewöhnen.

Lennart Holzkamm (JFV Union 18)

„Im ersten Herrenjahr musst du immer sehen, wo du stehst, das wird dir schon im ersten Training gezeigt. An diese Herrenhärte musst du dich erst gewöhnen“, spricht der 22-jährige Lennart Holzkamm aus Erfahrung. Das dürfte nun erschwert sein. Er plädiert daher für ein vorsichtiges Andocken an die Herren. In Bezug auf den RSV meint Kurth: „Wenn die auf so einen wie Christoph Drewes (Abwehrchef der Oberliga-Elf, Anm. d. Red.) prallen – dann atmet der nur einmal tief ein.“

Von jeher ein Fürsprecher von U 19-Teams ist Christoph Meinke. Der DFB-Stützpunkttrainer hat bereits erfolgreich die A-Jugend des JFV Wiedau Bothel trainiert und sagt: „Ich fand und finde das letzte Jugendjahr sehr wichtig, wenn es in der U 19 eine vernünftige Konkurrenzsituation gibt. Es bietet einen fließenden Übergang. Und dieser Spagat ist ganz wichtig, um an den Herrenbereich herangeführt zu werden. Für manche ist der Sprung sonst zu groß.“

Hintergrund

Der Rotenburger SV und der JFV Union 18 sind die einzigen Vereine im Altkreis, die mit ihrer Jugend auf Bezirksebene spielen. Während Union zur nächsten Saison die U 15 und U 17 in der Bezirksliga am Start hat, schickt der RSV neben der U19 (Landesliga) die U 17, U 16 und U 15 in der Bezirksliga ins Rennen. Die beiden jüngeren Jahrgänge haben gute Chancen, im Frühjahr in die Landesliga zu rücken. „Wenn sie es schaffen, wäre ich froh“, sagt der Sportliche Leiter Andreas Kurth. Ob die umliegenden Vereine Angst haben müssen, ihre Besten an den RSV zu verlieren? „Totaler Quatsch! Es gibt keinen Grund für große Aufregung. Es geht bei Verstärkungen um einzelne Positionen. Und wenn wir hier und da einen holen, haben die meist schon höher gespielt“, betont Kurth.

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