50 Jahre Gelb und Rot

Krüger und Rahmel erinnern sich an die Einführung der Roten Karte in Rotenburg

Linke Hand hält Rote Karte.
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Grell und auffällig – dennoch vergaßen die Referees anfangs, ihre Karten mit zum Spiel zu nehmen.

50 Jahre ist es nun her, dass die ersten Roten Karten im Kreis Rotenburg gezeigt wurden. Dabei lief anfangs nicht unbedingt alles rund.

Rotenburg – Egal, ob in Gelb oder in Rot, kein Fußballer bekommt sie gerne gezeigt – die Karten des Schiedsrichters. Genau die „feiern“ nun aber ihr „50-Jähriges“ und gehören damit schon lange zum festen Bestandteil der Ausrüstung. Dass dies allerdings nicht immer so war und es anfangs noch einige Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung gab, daran erinnert sich das Referee-Urgestein Paul Rahmel (TuS Westerholz): „Manche Kollegen vergaßen die Karten zu Hause und haben den Feldverweis – wie vor der Einführung üblich – mündlich ausgesprochen.“ Wie lief also die Umstellung ab? Und wie entwickelte sich der Umgang mit den Signalkarten?

Als der Fußballweltverband Fifa die Gelbe und Rote Karte für die Weltmeisterschaft 1970 erstmals als optisches Signal für einen Platzverweis eingeführt hatte, wurden die Spieler im Kreis Rotenburg noch mündlich des Feldes verwiesen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zog nach einem halben Jahr nach, brachte die Karten am 12. Januar 1971 in den nationalen Bereich – und damit auch nach Rotenburg. Denn: „Der Niedersächsische Fußballverband setzt die Entscheidungen des DFB immer direkt um, und da wir ein Teil des NFV sind, geschah das alles gleichzeitig“, erzählt Peter Krüger, der aktuell stellvertretender Vorsitzender im Kreis Rotenburg ist und zu der Zeit bereits im Spielausschuss tätig war. Für die direkte Umsetzung „bekamen die Schiedsrichter vom NFV kostenlos eine Gelbe und eine Rote zur Verfügung gestellt“, ergänzt Rahmel.

Drei Monate dauerte es dann schließlich, bis die Rote Karte in der Bundesliga erstmals zum Einsatz kam. Friedel Lutz, Verteidiger von Eintracht Frankfurt, erhielt sie am 3. April 1971 in der Partie gegen Eintracht Braunschweig für ein Revanchefoul an den Stürmer Jaro Deppe. Schiedsrichter war damals Wilfried Hilker.

Wann der Platzverweis in Rotenburg erstmals nicht mehr nur mündlich ausgesprochen wurde, ist nicht genau bekannt. Aber Rahmel dürfte einer der Ersten gewesen sein: „Wenn ich mich recht erinnere, habe ich meine erste Rote Karte einem Torwart vom VfL Visselhövede gezeigt – für eine Ohrfeige. Das muss gut ein halbes Jahr nach der Einführung gewesen sein.“

Historie der Strafen im Fußball

Vor 1970: Verwarnungen und Platzverweise werden mündlich ausgesprochen.

1970: Fifa führt zur Weltmeisterschaft die Gelbe und Rote Karte ein.

12. Januar 1971: Einführung der Karten auch in Deutschland.

3. April 1971: Erster Platzverweis in der Bundesliga.

Saison 1978/1979: Ergänzung um Feldverweis auf Zeit.

Saison 1979/1980: Sperre ab der vierten Gelben Karte.

Saison 1991/1992: Einführung der Gelb-Roten Karte; Gelbsperre ausgesetzt.

Saison 1993/1994: Sperre nun ab der fünften Gelben Karte.

Während derartige Szenen zuvor ausgeartet wären, weil die Schiedsrichter die Feldverweise mündlich aussprachen und so leichter in Diskussionen mit den Spielern verfielen, „hatte die rote Signalfarbe der Karte eine schockierende Wirkung auf die Fußballer. Man merkte definitiv einen Unterschied“, erinnert sich Rahmel. Der 79-Jährige ist seit mehr als 50 Jahren an der Pfeife aktiv und der Überzeugung, dass „die Einführung gut war und uns Schiedsrichtern die Arbeit erleichtert hat. Aber natürlich war es erst einmal komisch und man musste sich an die neue Form gewöhnen.“

Diese Eingewöhnung war einigen Unparteiischen anzumerken, weiß Peter Krüger noch genau: „Die Schiedsrichter haben anfangs immer mal wieder die Karten vergessen und mussten dann im Spiel improvisieren.“ Aber auch den Kickern fiel es nicht wirklich leichter und so reagierte der eine oder andere auch mal über: „Manche Spieler schlugen dem Schiedsrichter die Karten aus der Hand“, sagt Krüger.

Mit dem Feldverweis auf Zeit kam ab der Saison 1978/1979 im Amateurbereich eine weitere Möglichkeit hinzu, um das Verhalten der Fußballer zu sanktionieren. Nur ein Jahr später reagierte der DFB erneut und führte eine Spielsperre ab der vierten Gelben Karte ein, da diese zu häufig auftrat. Nach einigen Spielzeiten der Entspannung kam die „Flut“ erneut zurück, weshalb die Zehn-Minuten-Zeitstrafe zur Saison 1991/1992 im Herrenbereich durch die Gelb-Rote Karte ersetzt und die Gelbsperre ausgesetzt wurde. Im Jugendbereich wurde der Feldverweis auf Zeit hingegen auf fünf Minuten reduziert und gilt in dieser Form bis heute. Peter Krüger bedauert die Entscheidung für den Herrenbereich immer noch: „Wir haben uns als Spielausschuss damals dafür eingesetzt, dass die Zeitstrafe bleibt.“

Rund 30 Jahre später liegt er mit seiner Meinung nicht mehr alleine. Einige Vereine richteten nämlich den Wunsch nach der Wiedereinführung von Zeitstrafen an den Ausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). Dieser reichte das Anliegen an den DFB weiter, welcher letztlich zustimmte und ein Pilotprojekt startete. Seit der Saison 2020/2021 ist damit – befristet für zwei Jahre – der Einsatz von Zeitstrafen bei Herrenspielen auf Kreisebene in Hessen wieder erlaubt. Eine Gelb-Rote Karte gibt es in dieser Phase nicht mehr. Wer weiß: Wenn dieses Projekt positiv angenommen wird, vielleicht schwappt die Welle dann auch bis nach Rotenburg rüber ...

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