Rollentausch am Spielfeldrand

In der Halle auf Augenhöhe: Bernd Meyer und Lana Caesar trainieren sich gegenseitig. Foto: Ludwig

Lana Caesar steht an der Seitenlinie und ruft ihren Handballern des TuS Rotenburg II ein paar Anweisungen zu. Mit auf dem Parkett agiert auch Bernd Meyer, Rückraumspieler des Teams. Ein paar Stunden später verkehrte Welt: Meyer sitzt auf der Bank und gibt seinen Damen des TuS Rotenburg II Kommandos. Auf diese muss nun Caesar hören. Schließlich steht sie jetzt auf dem Feld.

VON MAREIKE LUDWIG

Rotenburg – Mehrmals pro Woche tauschen Lana Caesar und Bernd Meyer ihre Rollen. Zum einen trainieren beide jeweils eine Mannschaft des TuS Rotenburg, zum anderen sind die zwei auch noch selbst als Handballer aktiv. So weit nichts Besonderes, schließlich haben viele Aktive eine Doppelfunktion als Spieler und Trainer. Doch bei Caesar und Meyer verhält es sich anders – der eine spielt jeweils in der Mannschaft, die der andere coacht.

Während Bernd Meyer die zweite Damenmannschaft in der Regionsoberliga trainiert, steht Caesar dort als Rückraumspielerin auf der Platte. Wenn dann die zweite Herren in der Regionsoberliga gefordert ist, gibt wiederum Caesar auf der Bank die Anweisungen, Meyer ist als Mittelmann im Einsatz. „Sicherlich würde ich einiges anders machen und habe nicht die gleichen Gedanken. Ich halte mich im Training und im Spiel aber zurück, dann ist Bernd der Coach und gibt die Kommandos. Wir hatten deshalb noch nie Differenzen“, beteuert die 35-jährige Caesar.

Unter der Woche liegen die Trainingszeiten direkt hintereinander. Während dienstags zunächst die Herren an der Reihe sind, legen donnerstags die Damen vor. Da die Einheiten aber in unterschiedlichen Hallen stattfinden, kommt es jeweils zu Verspätungen. Caesar legt dabei ihren Fokus ganz klar auf ihr Traineramt. „Das ist schon lange mein Hauptaugenmerk. Sobald es Überschneidungen gibt, bin ich Trainerin und stecke gerne selbst zurück“, sagt sie. Meyer hat seinen Schwerpunkt genau andersherum gelegt. Für ihn steht das Spielerdasein klar im Vordergrund. „So lange ich selbst aktiv bin, geht das vor. Das habe ich aber auch von Anfang an so kommuniziert.“

Trainingsinhalte ähneln sich eher selten. Jeder hat seine eigene Art des Coachings. Hinzu kommt, dass Herren- und Damenmannschaften nicht hundertprozentig vergleichbar sind. „Mit Männern kann man schon ein härteres Training machen. Da ist auf jeden Fall mehr Dynamik drin. Bernd und ich haben auch einen unterschiedlichen Stil. Wenn seine Übungen aber mal in mein Konzept passen, habe ich kein Problem damit, seine Ideen bei mir mit einfließen zu lassen. Ich kann das Rad schließlich auch nicht neu erfinden“, sagt die B-Lizenz-Inhaberin.

Sie ist in den vergangenen Jahren viel herumgekommen und stand schon bei einigen Vereinen sowohl an der Seitenlinie als auch auf dem Parkett. Das weiß auch Meyer, der sich durchaus auch mal etwas bei seiner Trainerin abguckt. „Lana hat auf jeden Fall die bessere Ausbildung. Sie hat richtig Ahnung vom Handball und weiß, was sie tut“, findet der 30-Jährige.

Hin und wieder kommt es auch mal vor, dass die Spiele der beiden Mannschaften am Wochenende direkt hintereinander liegen – dann heißt es vom Athleten zum Coach und andersherum. „Ein bisschen merkwürdig ist es schon, da es ja doch eher eine seltene Konstellation ist. Ich habe aber überhaupt kein Problem damit, mich als Spieler bei Lana unterzuordnen“, erklärt Meyer. Diese Ansicht vertritt auch Caesar. „Das blende ich komplett aus. Bernd wird wie jeder andere behandelt. Ich bevorzuge ihn nicht, nur weil er mein Trainer ist. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe“, versichert sie.

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