Fechten beim TuS Rotenburg

Stefan Demps wagt den Selbstversuch und schlägt sich ganz wacker

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Training mit einem echten Fachmann: Stefan Demps (r.) besuchte die Übungsgruppe von Ingo Conrad.

Rotenburg - Von Stefan Demps. Die Redaktion verlasse ich mit den besten Wünschen meiner Kollegen. Ich erwidere, dass ich hoffentlich nicht mit allzu vielen blauen Flecken und ohne Stichwunden zurückkehren werde. Mich erwartet schließlich ein nicht ganz ungefährlicher Auftrag.

An der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen treffe ich auf Trainer Ingo Conrad. Kurz darauf stehe ich mit acht Jugendlichen in der Halle – bereit, Florett und Degen zu schwingen und beim TuS Rotenburg meine erste Einheit im Fechten zu absolvieren.

„Wir beginnen immer mit einem kleinem Spiel zum Auftakt. Regeln sind dabei egal, Hauptsache wir bewegen uns“, klärt mich Ingo Conrad über den Ablauf auf. Der 51-jährige gebürtige Leipziger ist seit 1997 in der Fechtabteilung des TuS Rotenburg aktiv. Der ehemalige Leistungssportler, der seinerzeit eine DDR-Sportschule in seiner Heimatstadt besuchte, ist 1991 über einen Freund nach Rotenburg gekommen und seit vielen Jahren Abteilungsleiter.

Wir beginnen also mit einem lockeren Basketballspiel. Nach der Gymnastik wird es dann langsam ernst für mich – die Fecht-Utensilien werden ausgepackt. Endlich, nach 30 Minuten, darf ich nun eine Klinge in die Hand nehmen, wobei ich mich wohl nicht sonderlich geschickt anstelle, denn prompt ermahnt mich Conrad. „Du musst es halten wie eine Pistole“, klärt er mich auf. Beim zweiten Versuch, das Florett zu greifen, sieht es anscheinend besser aus. Es folgt ein kurzes „Genau so“ vom Trainer.

Mit dieser Erkenntnis übe ich gemeinsam mit den Jungs Ausfallschritte nach vorn, die einen Angriff simulieren sollen. Diese Bewegungsabläufe, so bilde ich es mir ein, werden durchgeführt, damit vor allem mir gezeigt wird, wie sich ein Fechter bewegt. Allerdings sind gerade diese Trainingseinheiten, die die Technik des Athleten verfeinern, wichtig. Während einer Standprobe lasse ich erstmals den Blick über Conrads Jugendgruppe schweifen, der zehn bis 14 Jungen im Alter von zehn bis 18 Jahren angehören. Zusätzlich trainiert der Tischlermeister montags eine Erwachsenengruppe mit sieben Teilnehmern.

Fechtexperte Ingo Conrad (r.) zeigte unserem Mitarbeiter Stefan Demps die erste Schritte mit Florett und Degen.

Eine weitere Einweisung folgt, dieses Mal ist es der Degen, den ich halten darf. Ein erster Trainingseffekt hat sich eingestellt, denn mir gelingt gleich zu Beginn die korrekte Haltung dieses Fechtgerätes. Währenddessen baut die Trainingsgruppe die elektronische Bahn auf, mit der die Treffer gezählt werden können.

Innerlich bereite ich mich schon auf meine bevorstehende Auseinandersetzung vor. Doch zuvor muss ich Fechtmaske und Kampfanzug anlegen. Zwei Schichten Stoff sollen mich vor dem Florett meines Kontrahenten Hendrik Tonne (17) schützen. Nach dem Kampf verrät er mir, dass er bereits über eine fünfjährige Erfahrung als Fechter verfügt. Als Kampfrichter ist Ingo Conrad im Einsatz, er wird bei strittigen Situationen die Entscheidung fällen, wer zum Beispiel einen Treffer gesetzt hat. Während des Duells trainiert der Rest der Gruppe selbstständig auf der gegenüberliegenden Seite der Halle.

Den typischen Pistolengriff gibt es bei Florett und auch Degen.

„Ich bin an diesem Tag die wichtige Person, um die sich gekümmert werden muss“, schießt es mir durch den Kopf. Doch bevor unser Fechtduell beginnen kann, weist mich Conrad ein, erklärt mir, wo sich beispielsweise die Trefferfläche befindet. Auch versichert er mir, dass die Anzüge und Masken den Athleten genug Schutz bieten. Inzwischen ist die Hälfte des Trainings vorbei.

Durchblick? Stefan Demps schaut etwas skeptisch in die Fechtmaske mit dem Drahtgitter, die ihn am Kopf schützt.

Nachdem Hendrik Tonne und ich unsere Ausgangsposition eingenommen haben, beginnt mein erster Fechtkampf. Ich nehme mir vor, meinen Kontrahenten zu überraschen und greife an, obwohl ich über keinerlei Erfahrung verfüge. Diesen Mangel will ich mit Herz und Leidenschaft wettmachen. Überraschenderweise gelingt es mir tatsächlich, einen Treffer zu landen – mein Ziel, nicht zu null zu verlieren, ist bereits erreicht. Zwar werde ich am Ende mit 6:8 verlieren, aber den Respekt meines Gegners habe ich gewinnen können. „Wenn man nicht angreift, kann man nicht gewinnen“, ist Hendrik Tonne überzeugt und bescheinigt mir, dass ich es ganz gut gemacht habe. Auch ich bin zufrieden mit mir.

Nachdem ich den Anzug ausgezogen habe, stelle ich fest, wie anstrengend das Training war. Im Anschluss verrät mir Ingo Conrad, worauf es für ihn im Training mit den Jugendlichen ankommt: „Mein Ziel ist es, dass die Kinder sich bewegen und Spaß dabei haben. Nebenbei erlernen sie noch soziales Miteinander.“ Neben seiner Trainertätigkeit ist der Abteilungsleiter auch für die Wartung der Waffen und Ausrüstung verantwortlich.

An Turnieren oder Wettkämpfen nimmt die Sparte übrigens nicht teil, da unter anderem die Anfahrtswege zu den Austragungsorten zu lang sind. „Und wie sieht der ideale Fechter aus?“, will ich von Conrad wissen. „Wer im Betragen eine Eins hat, ist es nicht“, verrät er mir mit einem Schmunzeln und fügt weiter an: „Aggressivität, Schneid, Reaktion und Kondition sind wichtig, wie du gemerkt hast!“ Als ich die Halle verlasse, bin ich davon überzeugt, mich nicht komplett blamiert zu haben. Und wie ich am nächsten Tag feststelle, bin ich nicht ohne Andenken gegangen, denn auf dem Oberarm entdecke ich tatsächlich einen blauen Fleck.

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