Heeslingens Urgestein über Visionen und Wünsche

Hansi Bargfrede: „Die Regionalliga muss das Ziel sein“

Hansi Bargfrede, Trainer des Heeslinger SC, steht mit seinem Oberligisten ein straffes Programm bevor. - Foto: Freese
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Hansi Bargfrede, Trainer des Heeslinger SC, steht mit seinem Oberligisten ein straffes Programm bevor.

Heeslingen - Von Matthias Freese. Hansi Bargfrede ist noch längst nicht satt. Gerade erst sagte der frühere Profi des FC St. Pauli für eine weitere Saison als Trainer des Heeslinger SC in der Fußball-Oberliga zu. Wir sprachen mit dem 58-jährigen Urgestein über die fehlende Attraktivität der Oberliga, über den Reiz der Regionalliga, aber auch über das Verhältnis zum Rotenburger SV und Kunstrasenplätze.

Sie haben jetzt Ihren Vertrag über die Saison hinaus verlängert – wie lange mussten Sie darüber nachdenken?

Hansi Bargfrede: Überhaupt nicht. Ich wohne neben dem Platz, das ganze Drumherum ist anständig und ordentlich, ich arbeite mit jungen Leuten und es macht noch Spaß. Alles easy also.

Heeslingen hat erst elf Partien absolviert und so viele Nachholspiele wie kein anderes Team zu bestreiten. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Bargfrede: Ein Vorteil ist es nicht, aber ich will nicht groß jammern. Die Nachholspiele, die wir jetzt haben, sind okay. Wir haben vier englische Wochen, fahren in der Woche nach Oldenburg oder auch Cloppenburg – von der Belastung her mache ich mir nicht so große Gedanken. Aber wenn jetzt noch was ausfällt und wir in der Woche nach Wolfsburg oder Gifhorn müssten, wird‘s kriminell.

Und der Kader ist ja auch nicht groß. Moritz Nientkewitz ist zurück zum FSV Langwedel-Völkersen, Egzon Prcani und Enes Acarbay sind zum TSV Ottersberg.

Bargfrede: Wir starten mit 19 Spielern, da darf natürlich nichts groß passieren. Notfalls sind aber ja noch die A-Jugend und die zweite Herren da. Wir haben einen Torwart verloren, hatten aber ja drei. Egzon Prcani hat auch nicht gespielt, beide fallen also nicht ins Gewicht. Und Enes Acarbay haben wir durch Efkan Erdogan vom TB Uphusen ersetzt.

Der frühere Rotenburger Sercan Durmaz, zuletzt beim TuS Zeven, trainiert mit ...

Bargfrede: Ja, Sercan ist im Moment Gastspieler. Wir geben ihm die Möglichkeit, sich zu zeigen. Wenn wir noch jemanden holen, muss er entweder talentiert sein oder aber besser als unsere Jungs, die wir haben.

Andere Vereine haben da mehr nachgelegt.

Bargfrede: So‘n Schatz wie der TB Uphusen haben wir aber nicht gefunden – alter Schwede! Wir haben auch ein bisschen mitgekriegt, was da finanziell abgeht. Da haben wir keine Chance, da können wir nicht mithalten.

Wie attraktiv ist für Sie die Oberliga eigentlich noch?

Bargfrede: Vom Fußballerischen her hat die Liga eine hohe Qualität, aber attraktiv ist sie für uns nicht mehr, denn wir haben keine Derbys. Unsere Zuschauerzahlen gehen rapide runter. Nur wenn wir oben mitspielen oder in die Regionalliga aufsteigen, haben wir die Chance, einen Hype auszulösen.

Wäre die Regionalliga tatsächlich ein Ziel?

Bargfrede: Für mich persönlich absolut! So weit sind wir auch gar nicht davon entfernt. Wir können es natürlich nicht mit Gewalt erreichen, auch weil wir nicht die finanziellen Mittel haben. Aber der JFV A/O/Heeslingen produziert reichlich Talente, das wird auch weiter unser Weg sein. Schon deshalb muss die Regionalliga in ein, zwei Jahren das Ziel sein. Sonst kannst du auch irgendwann wieder absteigen und gegen Harsefeld und Rotenburg spielen – da ist dann wenigstens Feuer drin. Das ist aber nicht mein Ansinnen, da hätte ich keine Lust zu.

Vermissen Sie den Rotenburger SV in der Oberliga?

Bargfrede: Ja klar, wir vermissen auch Vereine wie Ahlerstedt/Ottendorf, Osterholz-Scharmbeck oder Bornreihe. Hast du keine Konkurrenz in der Umgebung, schläfst du ein. Das gefällt mir nicht. Mit Konkurrenten bleibst du wach. Und die Derbys sind doch die Würze im Fußball.

Aber wäre der Kampf um die guten Spieler dann nicht auch schwerer?

Bargfrede: Zurzeit ist es so, dass wir kaum noch Spieler aus dem Kreis Rotenburg ziehen können, sondern nur aus unserer eigenen A-Jugend. Da sind die Talente. Deshalb gucken wir bei Werder, dem HSV und St. Pauli, wer da in der A-Jugend den Sprung nach oben nicht schafft. Das ist unser Beuteschema. Toni Fahrner vom RSV beobachten wir auch weiter, aber ich sehe im Moment in Rotenburg keinen, der besser ist als unsere Jungs.

Das Verhältnis zum RSV hat sich normalisiert. Das war nicht immer so ...

Bargfrede: Ja, das ist alles entspannt. Paul Metternich (Marketingbeauftragter des RSV, Anm. d. Red.) ist häufiger bei mir im Laden, Trainer Tim Ebersbach ist auch ein feiner Kerl. Es besteht ein vernünftiger Austausch. Manchmal wünsche ich mir aber irgendwie ein bisschen mehr Pfeffer. Diese Rivalität früher war auch spannend.

Einige Talente des JFV A/O/Heeslingen kommen auch aus Rotenburg. Zahlt sich die Nachwuchsarbeit für Heeslingen denn aus?

Bargfrede: Von den 19 Spielern in unserem Kader haben zwölf in unserer Jugend gespielt – mehr geht doch nicht! Schon bei den Zwölf-, Dreizehnjährigen machen wir eine brutal gute Arbeit. Da profitieren doch auch die anderen Vereine von, denn nicht jeder bleibt. Manch einer kommt mit einer vernünftigen Ausbildung zu seinem Heimatverein zurück.

Ganz allgemein gefragt: Wie sehen Sie denn die Zukunft des Fußballs im Kreis?

Bargfrede: Man sieht ja, dass es immer mehr Zusammenschlüsse gibt, auch bei den Herren. Die Generation, die nachkommt, ist immer weniger bereit, ehrenamtlich was zu machen. Ich denke, um den Amateurfußball kann man Angst haben. Und wo gibt es hier noch Leistungsfußball? Außer Rotenburg kenne ich keinen anderen Verein, der eine Perspektive hat, da neben uns noch mit reinzukommen.

Muss vielleicht höherklassig auch weiter gedacht werden? Etwa eine Spielgemeinschaft der besten Vereine, um die Regionalliga oder mehr zu erreichen? Oder ist das zu visionär?

Bargfrede: Ich wäre dabei, keine Frage! Ich hätte nicht mehr die Kraft, so etwas anzugehen, aber als Trainer wäre ich bereit, da mitzumachen. Denkbar ist so etwas schon. Mit Paul Metternich saß ich vor zwei Jahren in der Eisdiele, da hat er gesagt: „Hansi, wir müssen was Großes machen.“ Vom Grundsatz her ist es überlegenswert. Es geht aber nur mit viel Manpower und einem gewissen finanziellen Budget.

Noch ein heikles Thema zum Abschluss. Braucht Heeslingen einen Kunstrasenplatz?

Bargfrede: Ob in Rotenburg oder bei uns: Für solche Vereine ist Kunstrasen heutzutage ein Muss! Der Trainingsbetrieb ist im Winter quasi brach gelegt. Wir können als Leistungsteam überhaupt nicht nachhaltig trainieren. Nur fünf Vereine haben in der Oberliga keinen Kunstrasen. Natürlich ist das Thema bei uns in den Köpfen drin, es besteht derzeit aber noch das Problem, dass der TuS Heeslingen wegen des Sportplatzes gegen die Gemeinde klagt. Solange das nicht vom Tisch ist, tut sich auch nichts.

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