Landgericht Frankfurt fällt eindeutiges Urteil

Rechtsstreit mit dem BDFL: Rathjens Klage ist erfolgreich

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Gerd Rathjen hat allen Grund, gute Laune auszustrahlen: Im Rechtsstreit mit dem BDFL gab das Landgericht Frankfurt am Main ihm in allen Punkten recht.

Rotenburg - Gerd Rathjen hat seinen wertvollsten Sieg als Fußballer errungen. Nicht auf dem Sportplatz, sondern im Gerichtssaal. „Ich habe für alle Junioren- und Amateurfußballer Zivilcourage bewiesen. Es lohnt sich zu kämpfen, die Gerechtigkeit hat gesiegt“, kommentiert der 70-jährige A-Lizenz-Inhaber aus Westerholz das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main, das ihm in seiner Klage gegen den Rauswurf aus dem Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in allen Punkten recht gibt. Ende Februar war vor der 21. Zivilkammer verhandelt worden, Mittwoch ging das Ergebnis schriftlich bei Rathjens Anwalt Christian Grüter (Bremerhaven) ein. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.

Auf zwölf Seiten hat Richter Lars Iffländer detailliert begründet, warum der BDFL den Trainer aus dem Kreis Rotenburg nicht hätte ausschließen dürfen, warum die Entscheidung des Bundesgerichts damit unwirksam ist und der Trainer-Verband 934 Euro plus Zinsen an Rathjen zu zahlen sowie die Prozesskosten zu übernehmen hat. Ausgangspunkt aller Zwistigkeiten war die Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB), insbesondere am damaligen Präsidenten Reinhard Grindel (Rotenburg), die Rathjen vor fast zweieinhalb Jahren in dieser Zeitung geäußert hatte. Im Mittelpunkt standen zwei Zitate: „DFB-Präsident Grindel verkauft die Amateure“ und „Die Funktionsträger des DFB predigen das Ehrenamt in den Vereinen und die Angestellten des DFB in Frankfurt machen sich die Taschen voll.“

Das BDFL-Ehrengericht hatte Rathjens Aussagen Ende 2017 als pauschale Diffamierung und vereinsschädigendes Verhalten eingestuft, die Berufung hatte das Bundesgericht im April 2018 zurückgewiesen, sodass der streitbare Trainer als stellvertretender Vorsitzender der Verbandsgruppe Nord abgesetzt und aus dem BDFL ausgeschlossen wurde. Richter Iffländer folgte der Meinung der Verbandsgerichte nicht. Im Gegenteil: „Das Gericht hat alle unsere Argumente aufgegriffen und eine Entscheidung getroffen, die uns erfreut. Und es hat ausdrücklich die ehrenamtliche Arbeit von Herrn Rathjen gewürdigt“, sagt Rechtsanwalt Grüter.

Laut Landgericht beging der BDFL unter anderem auch einige Formfehler:

  • Der Antrag auf Vereinsausschluss hätte laut Satzung nur vom BDFL-Präsidium gestellt werden dürfen. Stattdessen war auch der Bundesvorstand beteiligt. Die Willensbildung sei deshalb nicht in ordnungsgemäßer Weise erfolgt.
  • Rechtswidrig sei der Ausschluss auch, weil weder Ehrengericht noch Bundesgericht hierzu berechtigt waren. Auch sei es laut Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs dem Vorstand eines Vereins nicht erlaubt, ein Vorstandsmitglied auszuschließen.
  • Die beiden BDFL-Rechtsorgane hätten in grober Weise Inhalt und Umfang der grundgesetztlich geschützen Meinungsfreiheit verkannt. Rathjens Zitate sind „nicht geeignet, einen groben Verstoß gegen die Satzung des Beklagten und erhebliches vereinsschädigenden Verhalten bzw. eine schwerwiegende Schädigung des Ansehens des Beklagten zu begründen“, heißt es im Urteil. Und mit Blick auf die öffentlichen Diskussionen um den Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) stellt das Gericht fest, „ist es billig und legitim, Sachverhalte auch pointiert und zugespitzt zu formulieren. Nichts anderes hat der Kläger getan.“
  •  Der BDFL habe mit dem Rausschmiss gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit verstoßen, betont der Richter. Die Höchststrafe gegen ein langgedientes ehrenamtliches Mitglied zu verhängen, sei unverhältnismäßig gewesen.

„Natürlich ist es eine kleine Genugtuung“, räumt Rathjen ein. Einer der ersten Gratulanten war übrigens Engelbert Kupka, Gründer der Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“. Er glaube nicht, dass das Urteil angefochten werde, teilte er mit und bescheinigte Rathjen, mit seiner Zielstrebigkeit dem Fußball einen großen Dienst erwiesen zu haben. Ob der unterlegene BDFL in Berufung geht (einen Monat Zeit hat er), lässt dessen Präsident Lutz Hangartner auf Nachfrage offen: „Dem BDFL liegt bisher kein schriftliches Urteil mit Begründung vor. Aus diesem Grunde werden wir zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar abgeben.“

Für Rathjen soll die Sache damit noch nicht abgeschlossen sein. Er will zurück in den BDFL und denkt darüber nach, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Eigentlich hatte er auch gerichtlich klären lassen wollen, welche Rolle bei seinem Ausschluss der damalige DFB-Präsident Grindel gespielt hatte, ob dieser womöglich – so Rathjens Verdacht – Druck auf den BDFL ausgeübt hatte. Doch davon nimmt er Abstand, nachdem der Rotenburger aufgrund seiner „Uhrenaffäre“ alle Ämter abgegeben hat. „Ich trete auf keinen Menschen, der bereits am Boden liegt“, bemerkt Rathjen.

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