Vereinsschädigendes Verhalten?

Chronologie der Verstöße: Rathjens Auswärtsspiel vor Gericht

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Hinter Gittern will der BDFL sein langjähriges Mitglied Gerd Rathjen zwar nicht bringen – der Verband möchte den Westerholzer jedoch ausschließen. -

Rotenburg - Von Matthias Freese. Als großer Fürsprecher des Amateurfußballs besucht Gerd Rathjen an fast jedem Wochenende drei bis vier Spiele in der Region und erhebt sein Wort: „Echte Fußballfreunde sollten Ihr Sky-Abo kündigen und auch kein Eurosport bestellen. Wir sollten viel mehr Jugendspiele oder Amateurspiele besuchen“, rät er. Am 17. November bestreitet der dann 69-Jährige sein ganz eigenes Spiel. Ein Auswärtsspiel. Der Westerholzer steht in Wiesbaden-Nordenstadt nicht auf dem Platz, sondern vor dem Ehrengericht des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL). Das Präsidium strebt seinen Rauswurf an – wegen angeblich vereinsschädigenden Verhaltens.

Freiwillig will Rathjen nicht aus dem BDFL austreten, diesen Vorschlag hat er im Juni abgelehnt. Er lässt sich seitdem von Rechtsanwalt Dirk Lahmsen aus Hannover vertreten. Auslöser des Zerwürfnisses mit dem BDFL ist ein Artikel, der im Februar in unserer Zeitung erschienen ist. Rathjen kritisiert darin den Deutschen Fußball-Bund (DFB), sogenannter Premiumpartner des BDFL, scharf. DFB-Präsident Reinhard Grindel „verkauft die Amateure“, hatte er unter anderem behauptet. „Die Funktionsträger des DFB predigen das Ehrenamt in den Vereinen, und die Angestellten des DFB in Frankfurt machen sich die Taschen voll“, lautete ein weiterer Vorwurf.

Was das BDFL-Präsidium um den Vorsitzenden Lutz Han-gartner so aufgebracht hat, ist die Tatsache, dass in diesem Zusammenhang Rathjens ehrenamtliche Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender der Verbandsgruppe Nord des BDFL erwähnt wird. Der A-Lizenz-Inhaber habe sich dadurch im Namen des Verbandes geäußert und das Verhältnis zum DFB erheblich beschädigt. Rathjen bestreitet den Vorwurf und sagt, er habe nur für sich gesprochen. 

Auch zu seinen Aussagen steht er grundsätzlich weiter, korrigiert beziehungsweise konkretisiert allerdings einen Aspekt: „Nicht die DFB-Fußball-Lehrer und Mitarbeiter sowie Angestellten machen sich die Taschen voll, sondern ausschließlich die beiden Ex-Generalsekretäre. Nach der Ablehnung von 1,1 Millionen Abfindung soll nun der zweite Generalsekretär eine Abfindung in Höhe von 1,5 Millionen Euro erhalten haben“, meint Rathjen und fragt: „Der DFB ist ein gemeinnütziger Verband und hat dadurch erhebliche Steuervorteile. Wie war es möglich, dass der ehemalige erste Generalsekretär 400.000 Euro und der ehemalige zweite Generalsekretär 300.000 Euro als Jahresgehalt erhielten?“

Für den BDFL gibt es kein Zurück mehr, nachdem Rathjen der Aufforderung des Rücktritts nicht nachgekommen war. Also erstellte das Präsidium eine Chronologie rathjenscher „Verfehlungen“ der vergangenen 17 (!) Jahre, die unserer Redaktion vorliegt, und kommt dabei auf fünf Rechtssatzungsverstöße.

Eine Chronologie

1. Im Jahr 2000 soll Rathjen eine Kandidatur für den Vorsitz der Verbandsgruppe Nord angestrebt und später wieder zurückgezogen haben. In diesem Zusammengang soll es zu einer diffamierenden Äußerung in Bezug auf den damaligen Nord-Vorsitzenden Peter-Uwe Breyer gekommen sein. Rathjen bestreitet diese Aussage.

2. Rathjen habe bei Bundesligisten (unter anderem Bayern München) und DFB eigenmächtig Freikarten bestellt, bis ihm das 2010 untersagt worden sei. Außerdem habe er sich unautorisiert eigene Briefbögen mit BDFL-Logo hergestellt. Rathjen erklärt dagegen, er habe zehn Jahre lang Ehrenkarten des DFB für Länderspiele (teilweise über BDFL-Geschäftsführer Michael Meurer) erhalten, zwei Mal Karten von Bayern München.

3. Rathjen habe 2010 ohne vorherige Absprache am deutsch-polnischen Trainersymposium in Szklasa/Polen teilgenommen und hinterher versucht, die Reisekosten abzusetzen. „Auch ein stellvertretender Verbandsgruppen-Vorsitzender muss sich schließlich weiterbilden“, argumentiert er. Dass vorab eine Reisekostengenehmigung erforderlich gewesen wäre, sei ihm nicht bekannt gewesen.

4. 2015 habe Rathjen beim Internationalen Trainer-Kongress in Wolfsburg versucht, dem Mitglied Wolf Werner Zutritt zum VIP-Bereich zu verschaffen. Dieser war aufgrund einer Knie-Operation gehandicapt. Der Zutritt wurde verweigert. Rathjen verweist auf ein Schreiben Wolf Werners an den BDFL, in dem sich der ehemalige Bundesliga-Coach und langjährige Manager von Fortuna Düsseldorf hinter ihn stelle und benennt Werner auch als Zeugen.

5. Rathjen kritisiert im Februar 2017 in unserer Zeitung den DFB (und Präsident Grindel).

In einer mündlichen und öffentlichen Verhandlung und Beweisaufnahme soll nun Mitte November über den Ausschluss Rathjens aus dem BDFL entschieden werden. Sein Anwalt Dirk Lahmsen lehnt wiederum Jürgen Prill als Vorsitzenden des Ehrengerichts wegen Befangenheit ab und fordert ihn auf, den Vorsitz des Ehrengerichts abzugeben. Er hegt großes Misstrauen gegen die Unparteilichkeit des Richters.

Gerd Rathjen ist derweil guter Dinge, dass der BDFL mit seiner Forderung nicht durchkommt. „Ich bin zuversichtlich“, glaubt er an seinen Verbleib im Verband und verweist auf Engelbert Kupka, den Gründer der Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“, den er im Sommer zu einem persönlichen Gespräch getroffen hatte. Kupka habe dafür gesorgt, „dass dieser ganze Vorfall inzwischen bei der Ethikkommission des DFB auf dem Tisch liegt“. Vorsitzender der Kommission ist der frühere Bundesaußenminister und- justizminister Klaus Kinkel.

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