In Unterzahl stärker als Hagen/Uthlede

Rotenburger SV gelingt Punkt trotz Potratz‘ Platzverweis

Lufthoheit: Arthur Bossert (r.) überspringt Hagens Fabio Hausmann ganz locker.
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Lufthoheit: Arthur Bossert (r.) überspringt Hagens Fabio Hausmann ganz locker.

Hagen – Mehrmals breitete Tim Potratz die Arme aus, schaute ganz ungläubig, ehe er – nicht ganz freiwillig – das Feld verließ. Nein, so hatte sich der Mittelfeldspieler des Rotenburger SV seine Startelf-Premiere in der Fußball-Oberliga nicht vorgestellt. „Schade, ich war so gut im Spiel drin“, haderte er . Bereits in der 43. Minute beendete Schiedrichter Alexander Roj (TSV Barsinghausen) seinen Auftritt, indem er Gelb-Rot zückte. Doch trotz Unterzahl erkämpfte sich der Aufsteiger beim FC Hagen/Uthlede ein torloses Remis und war in der zweiten Hälfte sogar dominierend gewesen. „Wir waren jetzt das vierte Mal auf Augenhöhe und fußballerisch sogar die bessere Mannschaft“, betonte Coach Tim Ebersbach nach dem zweiten Punktgewinn in dieser Saison und dem ersten auf fremden Platz.

Für Potratz scheint die Sportanlage an der Blumenstraße allerdings ein Platz mit Tücken zu sein. Schon beim letzten Gastspiel im Mai 2018 – damals noch zu gemeinsamen Landesliga-Zeiten – musste er ihn frühzeitig verlassen, ebenfalls unmittelbar vor der Halbzeit. Er hatte sich einen Bruch der Augenhöhle zugezogen. Duplizität der Ereignisse: Auch seinerzeit hatte Potratz erstmals nach langer Verletzungspause wieder in der Startelf gestanden. „Klar habe ich mir die Bilder vorher noch mal angeguckt, und wir haben darüber gesprochen, auch als Art Aufputschmittel“, meinte der 29-Jährige, der von Ebersbach als Sechser im 4-3-3-System aufgeboten worden war und seine Aufgabe bis zum Platzverweis absolut erfüllte. „Die Idee mit ihm ist total aufgegangen“, fand der Coach.

Corona: Spiel in Hagen stand auf der Kippe

Hagen/Rotenburg – Diese Ungewissheit gehört mittlerweile dazu: Das Spiel des Rotenburger SV in der Fußball-Oberliga beim FC Hagen/Uthlede stand bis Freitagnachmittag noch auf der Kippe – wegen Corona. Letztlich gab das Gesundheitsamt des Landkreises Cuxhaven, zu dem Hagen gehört, aber grünes Licht.

Auslöser war der positive Corona-Fall in der ersten Mannschaft des Ligarivalen Heeslinger SC. Der betroffene Spieler war schließlich noch am 20. September in der Partie beim FC Hagen/Uthlede aufgelaufen. Als sich der Befund am Mittwoch bestätigte, informierte Heeslingen tags darauf auch die Hagener darüber. Und die wandten sich wiederum an ihr zuständiges Gesundheitsamt sowie an Oberliga-Spielleiter Burkhard Walden, um abzuklären, ob sich auch der FC Hagen/Uthlede in Quarantäne begeben und die Partie gegen den RSV abgesetzt werden müsse. Hinzu kam, dass Hagen/Uthlede am Mittwoch auch noch sein Nachholspiel bei Eintracht Celle bestritten hatte – die Angelegenheit hätte also noch größere Kreise ziehen können.

Am späten Freitagvormittag folgte jedoch die Entwarnung – auch für den RSV. Laut Informationen des Gesundheitsamtes Cuxhaven wäre die Partie zwischen Hagen/Uthlede und Heeslingen nicht in die infektiöse Phase des infizierten Spielers gefallen.

Dennoch kam es neben dem Ausfall des Spiels zwischen dem Heeslinger SC und dem TuS BW Lohne am Wochenende zu einer zweiten Absetzung in der Oberliga-Staffel Weser-Ems/Lüneburg. Der TB Uphusen musste nicht beim VfL Oldenburg antreten, da die Huntestädter Warnsignale gesendet hatten. Bei ihnen hatte sich ein Verdachtsfall aufgetan. „Fakt ist, dass ein Oldenburger Spieler, der unter der Woche beim Training war, mit einer Person zusammenwohnt, die in Verdacht steht, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. So haben wir uns auf eine Spielverlegung geeinigt“, klärte Uphusens Sportlicher Leiter Florian Warmer auf. Der Heeslinger SC ist derweil auch am kommenden Wochenende noch zum Zuschauen verdammt. Die Heimpartie gegen den SC Spell-Venhaus wurde vom Verband bereits ebenfalls abgesetzt. maf

Vor allem seine erste Gelbe Karte war höchst umstritten, weil Potratz quasi zeitgleich mit Hagens Yannick Bremser zum Ball ging (30.). „Das war ein ganz klares Foul an mich“, war er sogar überzeugt. „Selbst mein Gegenspieler hat geschmunzelt.“ 13 Minuten später kam es zur verhängnisvollen Szene mit Mario Burdorf – einem harmlos wirkenden Foul vorm Sechzehner. „Mein zweites Foul im gesamten Spiel“, merkte Potratz an und betonte: „Er hat doch an meinem Trikot gezogen und sich clever eingehakt.“ Der Unparteiische sah es – wie noch manch andere Situation – anders und zog dafür völlig überzogen die Ampelkarte. Björn Mickelat schimpfte derweil in Richtung der jubelnden Hagener Bank: „Wie kann man so was feiern?“

Ärgerlicher Auftritt: Erneut musste Tim Potratz in Hagen den Platz vorzeitig verlassen. Dieses Mal mit Gelb-Rot.

Doch der Platzverweis schien den RSV eher zu beflügeln, während der FC Hagen/Uthlede nichts mit seinem Überzahlspiel anzufangen wusste und immer wieder in Bedrängnis geriet. Vor allem Innenverteidiger Christoph Möller musste sich für seine Ballverluste gleich mehrfach Kritik von Co-Trainer Tjark Seidenberg, der den privat verhinderten Coach Carsten Werde vertrat, anhören. „Hört jetzt auf, eure eigenen Geschichten zu machen“, forderte er sein Team erbost auf und fragte kurz darauf, als RSV-Stürmer Jan Friesen ein Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung aberkannt worden war: „Männer, wollt ihr noch mehr betteln?“

Ohne Frage war der Gast in dieser intensiven und unterhaltsamen Nullnummer das bissigere und aktivere Team. Zudem stand die Defensive sicher. Der Klassenneuling musste sich allerdings ankreiden lassen, offensiv zu wenig Kapital aus seinen Möglichkeiten zu schlagen. Allen voran Mickelat hätte eigentlich schon kurz nach Wiederanpfiff den Lucky Punch setzen müssen. Nach einem etwas zu kurz geratenen Zuspiel von Jan Friesen scheiterte er erst frei vor Keeper Yannick Becker und verzog dann den Nachschuss (48.).

„Ich bin noch voller Adrenalin“, gestand Ebersbach nach dem Abpfiff, resümierte aber treffend: „Wenn einer den Sieg verdient gehabt hätte, dann wir. Mit der Gelb-Roten Karte war das Spiel gefühlt weg, aber die Courage, wie wir mit einem Mann weniger im System geblieben sind und die Laufbereitschaft, die wir gezeigt haben, waren klasse. Da können die Jungs stolz drauf sein.“

Aus Hagen berichtet Matthias Freese

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