Online-Konferenz der Trainergemeinschaft

SPD-Generalsekretär Klingbeil: „Profis entkoppeln sich von den Amateuren“

PC-Bildschirm mit 16 Männern.
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Überschaubare Runde: Lars Klingbeil (unten links) gab Auskunft bei der ersten digitalen Zusammenkunft der TGLR.

Rotenburg – Lars Klingbeil war nicht ganz pünktlich, als er sich von seinem Walsroder Büro aus zuschaltete. Die leichte Verspätung wirkte aber durchaus spannungssteigernd, denn zwölf Mitglieder der Trainergemeinschaft Landkreis Rotenburg (TGLR) warteten mit Interesse darauf, welchen Einblick der Generalsekretär der SPD ihnen in die Taskforce Zukunft Profifußball verschaffen würde – vor allem in Bezug auf den Amateurfußball. Schließlich war Klingbeil eines der 37 prominenten Mitglieder, deren Hilfe sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) hierfür geholt hatte.

Der Bundestagsabgeordnete, außerdem Kuratoriumsmitglied der Sepp-Herberger-Stiftung und früher mal Torwart, aber „nicht gesegnet mit Talent“, machte eines schnell deutlich: „Der Amateurfußball war von vornherein in der Taskforce nicht vorgesehen. Wir haben trotzdem darüber geredet, weil wir es als großes Problem sehen, dass die Profis sich von den Amateuren entkoppeln.“ Auch Klingbeil weiß, dass „einiges reformbedürftig“ ist, nur konnte er den Vereinen aus der Region naturgemäß wenig Neues berichten.

„Das war eine Alibi-Veranstaltung“, kritisierte Gerd Rathjen, der Vorsitzende der TGLR deshalb die Taskforce und forderte: „Wir müssen wieder anfangen, die Amateure mit einzubinden.“ Er warnte angesichts drohender Einnahmeverluste bei DFL und DFB auch vor Kürzungen für die Basis: „Wenn die Landesverbände nicht aufpassen, dann geht die Talentförderung bald den Bach runter.“

„Ich teile diesen Frust, wenn ich von goldenen Steaks, über dicke Autos bis hin zur Frage, warum die Champions League nach Budapest ihre Spiele verlegt, höre“, betonte Klingbeil und erklärte, dass er vor allem drei Themen in die Taskforce hereingetragen hätte: Regulierung der Spielerberater, stärkere Repräsentanz von Frauen in Vorständen und eine stärkere Einbeziehung der Fans, ähnlich einem „Bürgerrat“. Ob diese Form der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Zukunft des Profifußballs letztlich Sinn macht, zeige sich für Klingbeil in einem Jahr. „Wenn die Liga dann nichts davon angenommen hat, wird es kritisch.“

In der anschließenden Fragerunde gab Pascal Holsten vom MTSV Selsingen zu bedenken, dass er den Eindruck habe, im Profibereich würde es alleine ums Geld gehen. Michael Lindner aus Munster, Co-Trainer des Regionalligisten Lüneburger SK Hansa, verwies auf Überlegungen des DFB, der plane, die Amateurvereine quasi aus der U 19 und U 17-Bundesliga auszuschließen und die Nachwuchsleistungszentren unter sich spielen zu lassen. „Das ist sehr bedenklich. Der Spagat wird zu groß“, merkte Lindner an.

Rathjen spricht von Alibi-Veranstaltung

Die einstündige Runde via Zoom machte deutlich, dass die Sorgen der Amateure vielfältig und groß sind. Lösungen waren hier jedoch nicht zu erwarten. Gerd Rathjen zog dennoch ein positives Fazit dieser ersten digitalen TGLR-Veranstaltung: „Dass Lars Klingbeil uns zur Verfügung stand, ist eine Wertschätzung unserer Trainergemeinschaft. Eine Präsenzfortbildung kann man digital aber nicht ersetzen“, konstatierte der Fürsprecher der Amateure.

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