Taskforce Zukunft Profifußball

Profifußball im Wandel: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisiert „problematische Entwicklungen“

Die Coronakrise hat es deutlich gemacht: Der Profifußball hat Probleme und davon nicht zu wenig. Bereits lange vor der Krise hagelte es dafür Kritik von Verantwortlichen und Fans. Um dieser negativen Entwicklung ein Ende zu setzen, hat die DFL die „Taskforce Zukunft Profifußball“ ins Leben gerufen, in die auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eingeladen wurde.

  • DFL ruft „Taskforce Zukunft Profifußball“ in Leben um negativer Entwicklung im Profifußball entgegenzuwirken.
  • SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ist einer von 35 Experten in der „Taskforce Zukunft Profifußball“
  • Die Entwicklungen im Profifußball sind laut SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisch.

Rotenburg – Eigentlich beschäftigt sich SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil den ganzen Tag mit Politik – mit der sozialdemokratischen im Speziellen. Als SPD-Generalsekretär hat der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Rotenburg I-Heidekreis damit genug zu tun. Nun berief die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den 42-Jährigen in die neu ins Leben gerufene „Taskforce Zukunft Profifußball“, der 35 Experten aus Sport, Gesellschaft, Wissenschaft und eben Politik angehören. Der grundsätzliche Ansatz ist es, „Entwicklungen der Vergangenheit zu reflektieren, interdisziplinär zu diskutieren und gegebenenfalls gangbare Wege für die Zukunft zu entwerfen“, schreibt die DFL. Schon vorher haben wir mit Bayern-München-Fan Klingbeil mal über Fußball gesprochen.

Bayern-Fan mit Werder-Trikot: Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, während der großen Rolf-Ludwig-Gala im Februar in Rotenburg.

Herr Klingbeil, was befähigt den Generalsekretär der SPD, Mitglied dieser Taskforce zu sein – außer, dass Sie Fan des Rekordmeisters Bayern München sind?

Mir liegt der Fußball sehr am Herzen und gleichwohl muss man sagen, es gibt Entwicklungen im Fußball, die ich problematisch finde. Die zunehmende Kommerzialisierung, die wachsende Distanz zwischen Fans und Vereinen, aber auch zwischen Profifußballern und Amateuren. Darüber habe ich in den letzten Jahren immer wieder mit Verantwortlichen aus dem Fußballbereich gesprochen. Das hat jetzt wohl auch dazu geführt, dass ich einen Anruf von Christian Seifert (Geschäftsführer der DFL, Anm. d. Red.) bekommen habe. Ich freue mich jedenfalls, dabei zu sein.

Haben Sie neben den Problemen, die die Politik und die SPD bewältigen müssen, überhaupt noch Zeit dafür, auch das Millionengeschäft Fußball zu retten?

Als Bundestagsabgeordneter und SPD-Generalsekretär kann ich meine Erfahrungen gut in die Taskforce einbringen. Ich weiß, wie man Menschen erreichen kann und wie man große Organisationen reformiert. Die Kommission ist mit 35 Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen besetzt und wird in den kommenden drei Monaten dreimal zusammenkommen. Das ist eine klare Zielsetzung, länger hätte ich mich auch nicht verpflichtet, schließlich habe ich im Wahlkreis und in Berlin noch einiges vor.

Die Ultra-Bewegung kritisiert bereits seit langer Zeit die Entwicklung des Profifußballs.

Welche Fehler hat der Profifußball aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren und auch in der Corona-Zeit begangen? Hat er sich weiter von der Gesellschaft weg entwickelt? Hat er aktuell seine Probleme zu sehr in den Vordergrund gerückt?

Da fallen mir einige Sachen ein. Das fängt mit mangelnder Sensibilität im Klimabereich an, wenn die Nationalmannschaft von Stuttgart nach Basel fliegt, über goldene Steaks bis zu den ausufernden Beraterhonoraren. Ich habe schon den Eindruck, dass der Blick auf den Fußball von vielen kritischer geworden ist. Aber es gibt auch positive Beispiele: Leon Goretzka beispielsweise, der sich gesellschaftspolitisch einbringt und mit der Aktion „wekickcorona“ geschaut hat, wie man während Corona anderen helfen kann. Davon brauchen wir mehr. Im November werde ich die Fußballvereine vor Ort einladen, um ihren Blickwinkel auf den Profifußball zu hören und in die Taskforce zu tragen.

Ist es richtig, dass sich Vereine, die ihren „Angestellten“ Millionengehälter zahlen, um KfW-Mittel bemühen?

Ich kann die Logik der Vereine verstehen. Das sind auch Arbeitgeber für den Busfahrer, den Platzwart und die Verkäuferin im Fan-Shop. Der Profifußball beschäftigt über 50 000 Menschen. Und da hat Corona auch viele vor enorme Herausforderungen gestellt. Trotzdem trifft es auch mein Gerechtigkeitsempfinden, wenn die Vereine dann Hilfen beantragen, obwohl sie Millionengehälter bezahlen. Die Debatte um einen Salary Cap, also Gehaltsobergrenzen, ist deswegen auch genau richtig. Das wird in unserer Kommission eine Rolle spielen.

Anstoßzeiten im Sinne der TV-Übertragung sind den Fanszenen seit Jahren ein Dorn im Auge. Viele Fan-Gruppen stufen die Spieltermine der DFL für den Stadiongänger als äußerst ungeeignet ein.

Wo muss sich der Profifußball sonst ändern?

Ich finde das Thema der Beraterverträge wichtig. Das ufert total aus und muss reguliert werden. Ansonsten werden wir auch eine Art Verhaltenskodex debattieren und Vorschläge machen, wie der Frauenfußball stärker gefördert werden kann. Ich finde es nicht gut, dass es Vereine gibt, die Männermannschaften, aber kein Angebot für Frauen haben.

Wie einflussreich sind die Lobbyisten des Fußballs? Welchen Einfluss üben sie auf die Politik aus?

Fußball genießt viele Sympathien. Trotzdem hat man gerade in den letzten Wochen gesehen, dass vieles nicht umgesetzt wird, was die Funktionäre der Liga wollen. Es war richtig, die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu spielen und jetzt auch erst moderat mit Zuschauerinnen und Zuschauern anzufangen. Da gab es viele Stimmen im Fußball, die mehr wollten.

Wo bleibt bei dieser Taskforce der Amateurfußball? Auf der Strecke?

Es geht ganz bewusst um den Profifußball in der Aufgabenstellung durch das Präsidium der DFL. Allerdings ist die gesellschaftliche Verankerung des Profifußballs einer der sieben Schwerpunkte. Und da bin ich sehr klar: Ohne einen starken Amateurfußball wird die gesellschaftliche Verankerung des Profifußballs abnehmen. Das eine geht nicht ohne das andere.

Kann eine Taskforce, die es im Fußball ja schon öfter gab, überhaupt etwas bewirken – oder ist sie nur der Versuch, Durchlässigkeit und Beratungsbereitschaft vorzuspielen?

Ich gehe da nicht aus Langweile rein. Ich will jetzt was erreichen. Wer mich kennt, weiß, dass das immer mein Antrieb ist.

Was versprechen Sie sich konkret von dieser großen, populären und illustren Runde der Taskforce-Teilnehmer?

Ich würde gerne helfen, dass mein Lieblingssport für viele Fans attraktiv bleibt.

Von Matthias Freese

Rubriklistenbild: © Freese

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