Auf dem Unterstedter Sportplatz

Polizeieinsatz statt Torschuss – in Zeiten von Corona

Mit Bagger und Spaten beackern am Sonntag einige Spieler der SG Unterstedt den Sportplatz. Fotos: Freese
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Mit Bagger und Spaten beackern am Sonntag einige Spieler der SG Unterstedt den Sportplatz.

Unterstedt - Es könnte langweiliger sein. Hier, auf dem Sportplatz der SG Unterstedt an den Buschenstücken, wo pünktlich um 15 Uhr eigentlich der Anpfiff ertönen sollte und sich normalerweise die Gastgeber im Verfolgerduell der Fußball-Kreisliga mit dem Bremervörder SC duellieren würden, herrscht trotz Coronavirus und Spielabsage keine gähnende Leere. Zuschauer sind nicht vor Ort. Und so verpassen sie bei bestem Fußballwetter – 16 Grad, bewölkt, aber trocken – einen Polizeieinsatz und schwitzende Männer, die echte Knochenarbeit abliefern.

Noch vor dem „Anpfiff“ herrscht große Aufregung hinter dem Tor. Besser gesagt vor dem Umkleidegebäude. Was zunächst wie ein Fehlschuss beim Aufwärmen aussieht, entpuppt sich als Straftat. Unbekannte haben über Nacht die Scheibe zur Schiedsrichterkabine mit einem Stein eingeworfen. Die Polizei ist vor Ort. „Hier ist nichts weggekommen“, gibt Hannes Kettenburg, der zweite Vorsitzende, Entwarnung. Mit einer Einschränkung: Die Schaufensterpuppe im Nebenraum ist nackt, das ihr angezogene Werder-Trikot von Fallou Diagne, einem ehemaligen Drittliga-Spieler, fehlt. Zusammen mit Bürgermeister Uwe Lüttjohann fegt Kettenburg die Glassplitter zusammen.

Rund 100 Meter weiter haben vier junge Männer andere Sorgen. Sie kämpfen mit hartnäckigen Baumwurzeln im Erdreich. Stürmer Sebastian Lauridsen ist in seinem Element. Er wühlt und gräbt, allerdings nicht durch den Strafraum, sondern zwischen beiden Sportplätzen mit dem Minibagger. Theo Kettenburg, Jonathan Orth sowie Zweite-Herren-Spieler Felix Jahn sind eher Filigrantechniker – sie arbeiten mit dem Spaten. „So hast du zumindest was zu tun“, sagt Lauridsen. „Was sollen wir sonst den ganzen Tag machen“, fragt Theo Kettenburg. Der Arbeitsdienst im kleinen Kreis trifft die Vorbereitungen für den Unterstand, der bald Getränkeverkauf und Trainingsgeräte beherbergen soll. Auf dem Hauptplatz dreht derweil Eike Fischer mit dem Aufsitzmäher seine Runden. Nach Ostern soll der beantragte Mähroboter seinen Dienst aufnehmen, wie Hannes Kettenburg verrät.

„Volltreffer“: Die Scheibe der Schiedsrichterkabine.

Ohnehin macht der Mittelfeldspieler des Kreisliga-Sechsten fast mehr Meter als in gewöhnlichen 90 Spielminuten – wenn auch mit Hilfe seiner knatternden Schwalbe, mit der er zwischen kaputter Scheibe und Bagger-Quartett hin- und herdüst.

Ein Trio, das sich zunächst noch auf dem Basketballfeld vor dem Vereinsheim vergnügt hat, ist mittlerweile auf den zweiten Fußballplatz umgezogen. Dort absolviert auch ein Vater mit seinem Sohn im Outfit des JFV Rotenburg eine Individualeinheit.

Böse Überraschung: Hannes Kettenburg (r.) und Bürgermeister Uwe Lüttjohann fegen die Scherben zusammen.

Halbzeit: Der „Imbiss“ ist nicht geöffnet, die 150 georderten Bratwürste mussten storniert werden. Wie gut, wenn im Auto noch eine gefüllte Brötchentüte liegt. So weit ist es bei Lauridsen und Co. noch nicht. Sie machen erst etwas später eine kurze Trinkpause. Hannes Kettenburg bringt ihnen eine Kiste mit Kaltgetränken. Dann wird weiter geschuftet. Auch eine Art Trainingseinheit.

Bürgermeister Lüttjohann ist zurück – er parkt seinen weißen Lieferwagen vor dem Umkleidetrakt und schließt das beschädigte Fenster provisorisch mit einer Spanplatte. Ganz schön was los auf dem Sportplatz in Unterstedt – 90 Minuten Fußball sind da mitunter langweiliger.

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