St. Paulis Cheftrainer Roland Vrabec spricht im Interview über sein Team und die Möglichkeiten

„Die Gier nach mehr haben“

+
Nach dem Gespräch noch kurz an der Taktiktafel: St. Paulis Cheftrainer Roland Vrabec (l.) und RK-Sportredakteur Matthias Freese.

Hamburg - Von Matthias Freese. Die Vorbereitungszeit ist ganz schön stressig – freie Tage sind da selten. Das ist auch bei Roland Vrabec und seinem FC St. Pauli so. Für den Coach des Fußball-Zweitligisten geht es schließlich darum, ein Team zu formen, das möglichst vorne mitspielt. Im Vorfeld des Freundschaftsspiels beim Rotenburger SV (Sonntag, 16 Uhr) nahm sich der 40-Jährige trotzdem die Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung und plauderte unter anderem über den Torhunger, personelle Veränderungen und die Rotation.

Herr Vrabec, wie würden Sie jemanden, der den deutschen Fußball nicht kennt, den FC St. Pauli beschreiben?

Roland Vrabec: Der FC St. Pauli wird ja oft als der etwas andere Verein bezeichnet. Die hohe Identifikation mit dem Club macht ihn so besonders. Es hängt viel von den Fanszene ab, die einzigartig ist, den Verein lebt und das auch von den Spielern verlangt. Du musst diesen Verein aufsaugen.

Sie sind seit dem 18. Juni wieder im Training. Wie lief die Vorbereitung bisher?

Vrabec: Es ist erst einmal sehr positiv, dass wir bis auf drei, vier leicht angeschlagene Spieler verletzungsfrei sind, sich alle Spieler 100-prozentig im Training einbringen und sich einen Stammplatz erobern wollen. Ein großer Konkurrenzkampf ist jetzt schon spürbar. Und in den ersten vier Spielen ist es schon sehr gut gelaufen. Man sollte es nicht zu hoch bewerten, aber wir haben da 51 Tore erzielt. Das ist eine ordentliche Quote und zeigt, dass wir hungrig sind.

Ein Indiz, dass Sie besonders an der Offensive arbeiten?

Vrabec: Wir legen den Fokus nicht nur auf den Offensivbereich, sondern auch auf die Defensive. Entscheidend ist, dass wir die richtige Mentalität haben – auch in den Testspielen. Wichtig ist, dass man sich nicht nach einer 8:0-Führung zufrieden gibt, sondern Gier nach mehr hat.

Letzte Saison hat St. Pauli lange an den Aufstiegsrängen geschnuppert. Woran lag es, dass Sie abreißen lassen mussten? Am Sturm?

Vrabec: Wir haben zu wenig Tore geschossen für den Aufwand, den wir betrieben haben und mit 49 auch zu viele kassiert – insbesondere nach Standards.

Und dann war da ja auch diese Heimschwäche…

Vrabec: Die Heimschwäche ist die Folge davon. Wir haben es zu Hause oft nicht verstanden, in Führung zu gehen und haben zu lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Wenn die anderen dann führen, stehen die meisten am Millerntor sehr tief drin.

Lautet denn die Zielsetzung in diesem Jahr Aufstieg?

Vrabec: Das erste Ziel ist, es besser zu machen als im letzten Jahr. Mit Platz acht sind wir nicht zufrieden, das spiegelt auch nicht den Verlauf der Saison richtig wider. Wir haben die Qualität, besser abzuschneiden. In der zweiten Liga haben diese Saison aber unheimlich viele das Ziel, in die Aufstiegsränge zu kommen, mindestens acht, neun Teams spekulieren darauf. Wir gehören sicher zu den Teams, aber da entscheiden nachher Kleinigkeiten.

Ist St. Pauli allein von seinen finanziellen Voraussetzungen her vielleicht besser in Liga zwei aufgehoben?

Vrabec: Paderborn hat doch gezeigt, dass es anders geht. Vom Etat liegen wir in der zweiten Liga zwischen Platz acht und zehn. Das zeigt, dass es Mannschaften mit deutlich mehr Möglichkeiten gibt, deshalb können wir nicht offensiv formulieren, dass unser Anspruch der Aufstieg ist. Besser zweite Liga als erste Liga – das würde ich aber nicht unterschreiben. Der Anreiz, sportlich in der ersten Liga dabei zu sein, ist sehr groß.

Und wie sollen die personellen Verluste kompensiert werden?

Vrabec: Ich denke schon, dass wir es gut kompensieren. Fin Bartels ist sportlich ein großer Verlust. Fabian Boll war fast die ganze Saison verletzt, Kevin Schindler und Florian Mohr haben auch nicht ständig gespielt. Wir haben also letztlich nur einen Stammspieler verloren und drei Neue (Lasse Sobiech, Michael Görlitz, Daniel Bubballa, Anm. d. Red.) bekommen, die den Anspruch formulieren, Stammspieler zu sein. Wir sind auch weiter auf der Suche nach einem Stürmer. Dann wären wir gut aufgestellt.

Ihnen wird nachgesagt, dass Sie ein Freund der Rotation sind. Stimmt das?

Vrabec: Ich bin nicht unbedingt ein Freund der Rotation, ich möchte aber mein ganzes Personal nutzen, wenn ich die Gelegenheit habe.

St. Pauli ist Ihre erste Station als hauptverantwortlicher Coach im Profibereich. Wie sehr mussten Sie sich eigentlich umstellen?

Vrabec: Ich war ja hier auch schon Co-Trainer, hatte also fünf Monate Anlaufzeit und konnte alles kennenlernen. Da war der Einstieg relativ einfach.

Und im Umgang mit der Öffentlichkeit, den Medien?

Vrabec: Da musste ich schon erstmal das Geschäft kennenlernen, gucken, wie weit man gehen kann, was man besser nicht sagt. Aber das fällt mir nicht schwer.

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

Meistgelesene Artikel

Schmitz angelt sich Fadiga und Kösling und feiert Turniersieg

Schmitz angelt sich Fadiga und Kösling und feiert Turniersieg

Alles fix: Freigabe für Toni Fahrner

Alles fix: Freigabe für Toni Fahrner

Hurricanes am Abgrund - frühe Fouls frustrieren Young

Hurricanes am Abgrund - frühe Fouls frustrieren Young

Spitzenspiel in der Verbandsliga: Muche bleibt zurückhaltend

Spitzenspiel in der Verbandsliga: Muche bleibt zurückhaltend

Kommentare