Reichlich große Momente

Ottersberger Kammerorchester überzeugt in der Kreismusikschule

Nach nur fünf Proben eine eingepielte Truppe: Das Ottersberger Kammerorchester und ihr Solist für die drei Winterkonzerte Tilmann Purrucker. - Foto: Heyne
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Nach nur fünf Proben eine eingepielte Truppe: Das Ottersberger Kammerorchester und ihr Solist für die drei Winterkonzerte Tilmann Purrucker.

Rotenburg - Musik wird in der Kreismusikschule (KMS) jeden Tag gemacht – dass dort wie am Freitagabend ein Kammerorchester gastiert, hat eher Seltenheitswert. Und so freute sich KMS-Leiter Gert Lueken über „das besondere Konzert“ des Ottersberger Kammerorchesters unter Leitung von Clive Ford.

Damit hatte er gleich in mehrfacher Hinsicht recht: Nicht nur, dass die regelmäßigen Auftritte der rund zwei Dutzend ambitionierten Hobbymusiker in der Wümmestadt im Rahmen der „Winterkonzerte“ eigentlich immer ein musikalischer Leckerbissen sind. 

Auch der Solist, den sie sich dieses Mal eingeladen hatten, ließ sich mit Fug und recht als außergewöhnlich bezeichnen. Nicht nur, weil zum ersten Mal eine Gitarre den Solopart übernahm. Sondern auch, weil der unlängst in den Ruhestand verabschiedete KMS-Leiter Tilmann Purrucker quasi ein Heimspiel absolvierte, auch wenn Ford in seiner charmanten Moderation frotzelte: „Ein junger Mensch, der jahrelang hier geübt hat“. 

Die Zeit seit seiner Pensionierung hatte der versierte Saitenakrobat offenbar gut genutzt: Bei Vivaldis Konzert in D-Dur, ursprünglich für Orchester und Mandoline komponiert, perlten die Läufe nur so; in den schnelleren Allegri hatte seine Begleitung mitunter Mühe, im Tempo mitzuhalten. Besonders der langsamere zweite Satz geriet zum Genuss mit verspielten solistischen Melodien über einem zarten Streicherteppich.

Die Ottersberger taten gut daran, ihm eine Solo-Zugabe einzuräumen: Die Bach-Bearbeitung von „Jesu du meine Freude“ (oder, wie eine Besucherin bemerkte, die „Buten-un-Binnen-Melodie“), gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Filigran unter Auslotung des Decrescendos bis zur Stille, ließen sich auch viele der Musiker mit geschlossenen Augen verzücken.

Aber auch ohne Solist konnten die Gäste überzeugen: Hummel, Schubert, Grieg und Hoffmann – eigentlich ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass die Hobbymusiker gleich zwei abendfüllende Programme pro Jahr auflegen, für die Proben der gewichtigen Werke also nur vier bis fünf Monate Zeit bleibt. 

Da verzieh man gern die ein oder andere unpräzise Intonation oder ein fehlendes Unisono, gab es doch reichlich große Momente. Etwa bei Griegs nordischen Weisen, so sacht hingehaucht, dass man neben der kargen, schneebedeckten Landschaft fast die Elfen flirren hören mochte. Für Abwechslung sorgte ein Bläserensemble mit klugen Arrangements zweier Volkslieder von Gordon Jacob. Überhaupt waren es die Bläser, (überzeugend an der Oboe Günter Lampe, ehemaliger Rotenburger Schulleiter und an der Klarinette Sascha Baumann, ebenfalls Rotenburger), die mit sensiblem Spiel Akzente setzten.

Das fulminante Finale stammte von E.T.A. Hoffmann. Sonst eher als Schriftsteller bekannt, hatte er eine Sinfonie zu Papier gebracht – und reichlich Einflüsse verarbeitet, von Mozart über Rossini bis zu „Bunt sind schon die Wälder“. Kurios: Seine Abwandlung des „Happy Birthday“-Themas erklang in Moll, wobei die Musiker die Herausforderung rhythmischer Verschiebungen erstaunlich souverän meisterten.

Wer nach fast zwei Stunden noch nicht genug hatte: Mit einer eigenen Bearbeitung des „Miss Marple“-Themas durch den ersten Geiger Till Eversmeier (nun zur Abwechslung am E-Cembalo zu erleben) bescherten die Ottersberger den rund 100 Zuschauern zum Abschluss eine Portion gute Laune. - hey

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