Nächstes Ziel: Deutsche Meisterschaft

Olympische Spiele 2016: Traum von Mountainbiker Ramezani platzte

Mohsen Ramezani sitzt auf seinem Rennrad und fährt auf der Straße.
+
Bei den Rennen immer vorne mit dabei: Mohsen Ramezani fährt mit seinem Rad durch Rotenburgs Straßen. Er befindet sich im Training für die DM-Qualifikation.

Sieben Jahre ist es her, dass Mohsen Ramezani sich für die Olympischen Spiele qualifizierte. Doch der Traum des damaligen iranischen Mountainbikers platzte.

Rotenburg – Mohsen Ramezani hat in seinen 35 Lebensjahren bereits viele Länder bereist, Erfolge gefeiert und Niederlagen einstecken müssen. So fuhr der gebürtige Iraner Jahre lang mit seinem Mountainbike für die Nationalmannschaft seines Landes, siegte bei den Meisterschaften und meisterte gar die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Nach seiner Flucht nach Deutschland lebt und trainiert er nun hier in Rotenburg – mit dem Ziel, an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen.

Ramezani ist nicht nur selbst im Radsport aktiv, sondern verfolgt auch die Tour de France. „Vor allem den letzten Tag finde ich interessant“, sagt er und schwärmt: „Teile der originalen Strecke bin ich sogar bereits mit zwei, drei Freunden vor Jahren abgefahren. Natürlich in einem Zeitraum, in dem die Profis nicht dort waren.“ Wäre er erst vor ein paar Wochen an der Strecke gewesen, um seinem Vorbild – dem deutschen Rad-Profi Maximilian Schachmann – zuzujubeln, wäre es vergebens dort gewesen. Denn: Schachmann nahm an der diesjährigen Ausgabe der Tour nicht teil. Er legte seinen Fokus auf die Olympischen Spiele in Tokyo, bei denen er gestern im Einzelzeitrennen den 15. Platz belegte.

Ramezani stemmt sich gegen die Entscheidung

Bei den Spielen wäre Ramezani beinahe auch gestartet. Allerdings vor fünf Jahren in Rio de Janeiro. Qualifiziert hatte er sich 2014 bei einem internationalen Turnier in der Türkei. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab es jedoch für ihn und seine Kollegen zahlreiche Probleme, da dort ebenfalls ein israelisches Team an den Start ging. Aus deutscher Sicht wahrscheinlich kein Problem, war es für die iranische Regierung ein umso größeres. Denn: Zwischen den beiden Staaten herrscht seit Jahren ein politischer Streit, den in vielen Momenten auch die Sportler zu spüren bekamen.

„Zu unseren internationalen Wettkämpfen flogen immer zwei bis drei Geheimdienstler mit, um uns ständig zu kontrollieren“, verrät Ramezani. Vor dem Start in der Türkei ging es sogar so weit, dass sie die Sportler zwangen, wieder zurück in den Iran zu fliegen. Jedoch wollte der damalige Rad-Profi es nicht kampflos hinnehmen und meinte zu seinen Mannschaftskollegen: „Wir machen weiter. Wenn wir uns zusammentun, können die uns nicht zurückschicken.“ Gesagt, getan. Sie setzten sich durch und nahmen teil, sodass sich Ramezani für die Olympischen Spiele 2016 qualifizierte.

Heimlich für das erste Fahrrad gejobbt

Teilgenommen hat er dort nie. Nach seiner Wiederankunft im Iran wurde er nämlich direkt festgenommen und musste sich für sein Verhalten in der Türkei mehrfach in Verhören erklären. „Das war für mich die schmerzhafteste Zeit“, in der er „viel Angst hatte“. Am Ende wurde er zwar freigelassen, aber „ich war psychisch am Boden“, so Ramezani, der im Anschluss ein halbes Jahr Pause mit dem Radsport machte.

Zur Nationalmannschaft kehrte er nicht mehr zurück. Damit blieb es bei insgesamt fünf iranischen Meisterschaftstiteln, die er zwischen 2006 und 2014 holte. Dass er diese überhaupt gewann, ist seinem unbedingten Willen zu verdanken. Den hatte er bereits mit 15 Jahren. „Ich wusste, dass ich in der Fahrrad-Geschichte aufsteigen will“, so der optimistische Ramezani. Leicht wurde es ihm nicht gemacht. Sein Vater – Lehrer wie auch seine Mutter – wollte nicht, dass er sich ein Rad kauft, weil es zu gefährlich sei. „Im Iran gibt es keine wirklichen Radwege und man muss auf der Straße und teils sogar auf den Autobahnen fahren“, erzählt Ramezani. Dennoch begann er heimlich in einer Fahrradwerkstatt in der Nähe zu jobben, um sich Geld zu verdienen. Davon kaufte er sich sein erstes Fahrrad, das sein Vater – als er es gefunden hatte – wegschloss. Als der junge Schüler es wieder hatte, fuhr er täglich viele Kilometer. „Wenn es mal kaputt war unterwegs, musste mich mein Vater mit dem Auto abholen“, scherzt Ramezani, der nach einigen Monaten Training bis zu seinem Einstieg ins Nationalteam fünf Jahre an kleineren Wettkämpfen teilnahm – vergleichbar in Deutschland mit Landesmeisterschaften.

Qualifikationswettkampf im August

Genau an denen nimmt der heutige Rotenburger aktuell auch teil. Nicht mehr auf dem Mountainbike wie während seiner Karriere im Iran, sondern mit dem Rennrad auf der Straße. Und auch in dieser Disziplin ist er durchaus erfolgreich. Vor gut drei Wochen, am 10. Juli, ging Ramezani bei den Landesmeisterschaften Straße in Melle bei Osnabrück an den Start und gewann in der Amateurklasse. Insgesamt waren dort 19 Kontrahenten im Alter von 18 bis 35 Jahren dabei. In derselben Altersgruppe landete Fahrer des RSG Nordheide (Buchholz) bei den Landesmeisterschaften Berg in Osnabrück-Darum auf dem zweiten Platz.

Im Gegensatz zu der Zeit im Iran, in der er von dem Sport leben konnte und sogar „mehr als meine Eltern zusammen“ verdiente, bekommt er derzeit kein Geld. Auch an Sponsoren ist nicht zu denken. So muss Ramezani sich die Ausrüstung sowie die teuren Fahrradteile selbst von dem Gehalt finanzieren, das er bei seiner neuen Arbeitsstelle bei Avides im Lager erhält.

Er betreibe den Sport aber auch nicht wegen des Geldes, sondern, „weil es mir Spaß macht“, so Ramezani. Gepaart mit seinem Talent geht er am 8. August in Hannover wieder an den Start und verfolgt ein großes Ziel: „Ich möchte mich dort für die Deutschen Meisterschaften Straße im nächsten Jahr qualifizieren.“ Dafür benötigt er einen Platz unter den besten Fünf. „Da bin ich guter Dinge, dass ich das schaffe“, blickt Mohsen Ramezani voraus. Und vielleicht kommt dann 2022 zu den fünf iranischen noch ein deutscher Meisterschaftstitel hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Offensiv-Duo versteht sich blind

Offensiv-Duo versteht sich blind

Offensiv-Duo versteht sich blind
Knappik schiebt schlechte Laune

Knappik schiebt schlechte Laune

Knappik schiebt schlechte Laune
Der Tag der Premieren beim RSV

Der Tag der Premieren beim RSV

Der Tag der Premieren beim RSV
SG Westerholz/Hetzwege verliert drittes Spiel in Folge

SG Westerholz/Hetzwege verliert drittes Spiel in Folge

SG Westerholz/Hetzwege verliert drittes Spiel in Folge

Kommentare