Zwei Mal Rot

Rotenburgs Toptorjäger muss beim 15:18 gegen Aurich 30 Minuten lang zuschauen

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Das tat richtig weh: Luka Bruns versucht durch den Mittelblock mit Tim Stapenhorst (3.v.l.) und Jannes Hertlein (r.) zu kommen und wird in die Zange genommen.

Rotenburg - Von Vincent Wuttke. Am Ende sangen sie lautstark: „Hier regiert der OHV“, skandierten die rund 50 mitgereisten Fans des OHV Aurich. Sie waren in zwei großen Reisebussen aus Ostfriesland an die Wümme gereist, um den Auftritt ihres ungeschlagenen Spitzenreiters in der Handball-Oberliga gegen den TuS Rotenburg zu sehen. Die Hausherren probten den Aufstand gegen den Drittliga-Absteiger und hielten in der sehr körperbetont geführten Partien stark mit. Am Ende musste sich Rotenburg trotz des bärenstarken Keepers Yannick Kelm, der unter anderem vier Siebenmeter parierte, aber mit 15:18 (7:9) geschlagen geben.

Vor den Augen der rund 350 Zuschauer ging es auf der Platte rustikal zu. „Ich fand auch, dass es sehr hart war“, meinte Rotenburgs Coach Nils Muche. „Mich hat es aber gewundert, dass Aurichs Trainer so über die Härte gejault hat“, wies er auf die „Einschläge“ auf beiden Seiten hin. Immerhin lag der Gast mit 8:6 bei den Strafminuten vorne. Muches Gegenüber Arek Blacha war alles andere als begeistert von der Partie. Er war sogar richtig erbost: „Das ist für mich Antihandball gewesen von Rotenburg. Vor allem war schlimm, dass sie die Außen im Sprung hart angegangen sind. Ich habe oft gesehen, dass sich Spieler da schwer verletzt haben.“

Tatsächlich musste in der ersten Halbzeit sogar der Krankenwagen vor der Pestalozzihalle vorfahren. Bei seinem 4:5 erwischte Sören Heyber Gegenspieler Kevin Wendtland, der sich eine schwere Schulterverletzung zuzog (11.). Für Aurichs Abwehrchef ging es in das Rotenburger Krankenhaus. „Das wird wohl lange dauern, bis er wieder spielen kann“, so Blacha. 

Auch auf der Gegenseite gab es zwischenzeitlich einen Ausfall. Bereits in der dritten Minute attackierte der Ostfriese Jannes Hertlein den im Rückraum hochsteigenden Lukas Misere übel. Der landete deshalb schmerzhaft auf dem Kopf, übergab sich zwischenzeitlich in der Kabine und saß 30 Minuten lang unter seinem Handtuch verborgen auf der Bank. 

Michel Misere (am Ball) traf häufig auf Sven Seidler. Der Auricher verteidigte in der zweiten Hälfte nur noch mit dem rechten Arm, weil der linke zu sehr schmerzte.

Für die Aktion bekam übrigens Jonas Schweigert von den Unparteiischen Sebastian Heins und Frank Lüloff (TSV Bremervörde) die Rote Karte. „Das war der falsche Mann“, bestätigte Blacha. Wenig später glichen die Gastgeber bei den Platzverweisen aus. Sascha Nijland setzte bei einem Tempogegenstoß zu energisch gegen Oliver Staszewski nach, konnte das 6:8 aber nicht verhindern und musste auf der Tribüne Platz nehmen (24.). „Ich fasse ihn von vorne an. Für mich ist das kein Rot“, fand der Linkshänder.

Seine Teamkollegen kämpften auch ohne ihren Torjäger Misere aufopferungsvoll. Allerdings fehlte es komplett an den sonst so häufigen Gegenstoßtoren. „Es waren alle willig, aber irgendwie wollten die Beine nicht bei allen“, fand Muche. Stattdessen mussten sich seine Mannen immer wieder aufwendig den Weg durch die starke 6:0-Deckung suchen und blieben häufig hängen.

Lange Zeit gab Jens Koch als Spielmacher den Ton an und hatte durchaus gute Ideen. So verkürzte erst Johann Knodel auf 6:7, wenig später traf Luka Bruns zum 7:8 (27.). Allerdings schafften die Kreisstädter nach dem 2:2 nie wieder den Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel bog Aurich auf die Siegerstraße ein. Christoph Groß erhöhte per Doppelpack auf 15:10 (45.). Muche machte nun Bruns zum Spielmacher – mit Erfolg. Mehr als das 15:18 war aber nicht drin. „Ein komisches Ergebnis“, merkte Blacha an.

Das lag vor allem an den starken Keepern. Bei Rotenburg entschärfte Kelm unter anderem gleich vier Siebenmeter gegen Josip Crnic (7./31.), Staszewski (28.) und Paul Jordan (58.). Sein Gegenüber Edgars Kuksa, lettischer Nationaltorwart, war aber ebenso stark und parierte zahlreiche Versuche aus dem Rückraum.

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