Brasilianer Jair Baller denkt über eine Rückkehr nach Deutschland nach

„Das Niveau habe ich noch“

Ziemlich genau elf Jahre ist dieses Bild alt. Es zeigt Jair Baller in einem seiner letzten Spiele im RSV-Trikot. Anschließend ging es für ihn zum TSV Ottersberg und noch zum FC Oberneuland. Foto: Freese

Rotenburg - Von Matthias Freese. Über Langeweile kann Jair Baller normalerweise nicht klagen. Doch momentan hat der Brasilianer, der Anfang 2006 als 18-Jähriger beim Rotenburger SV landete und später auch beim Wümmerivalen TSV Ottersberg sowie in der Regionalliga für den FC Oberneuland kickte, „sehr viel Zeit und nichts zu tun. Auch in Brasilien gibt es weniger Arbeit wegen der Corona-Krise. Im Fußball ist alles komplett dicht“, erzählt er. Baller ist in Chapéco im Süden seines Heimatlandes für die Agentur Teamplayer tätig – „immer auf der Suche nach guten Spielern“.

In einem so großen Land wie Brasilien mit fast 220 Millionen Einwohnern gibt es davon genügend. „Im Fernsehen schauen viele Leute die Bundesliga. Europa ist der Traum eines jeden jungen Spielers – und speziell Deutschland“, weiß Baller aus eigener Erfahrung. Dreieinhalb Jahre spielte der Linksverteidiger mit Offensivdrang für den RSV, wurde einer der Publikumslieblinge, schaffte unter Trainer Frank Stresing das Double und den Sprung in die Oberliga. Für Oberneuland lief er sogar in der Regionalliga und im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg (0:1) auf.

Für den Profifußball sollte es aber nicht ganz reichen, Ende 2012 brach er seine Zelte beim TSV Ottersberg wegen anhaltender Knieprobleme ab. Zurück in der Heimat versuchte es Baller noch bei Passo Fundo in der ersten Liga des Bundesstaates Rio Grande do Sul. „Auch heute spiele ich noch, aber nicht in einer Liga, sondern nur aus Spaß, nur am Wochenende. Wir haben ein gutes Niveau, vielleicht Landesliga oder Oberliga. Und ich habe keine Knieprobleme mehr. Ich fühle mich körperlich fit“, erzählt der 32-Jährige.

So ist er in letzter Zeit wieder ins Grübeln gekommen: „Ich stelle mir die Frage, ob ich noch mal in Deutschland spielen sollte. Ich bin zwar nicht mehr 18, aber das Niveau für die Oberliga habe ich noch. Da muss man es sich überlegen“, verrät Baller. Den einen oder andere Kontakt gibt es bereits. Allerdings nicht zum RSV, wenngleich er gesteht: „Das wäre schon eine Sache, nach 15 Jahren zurückzukehren. Das war damals meine erste Station in Deutschland, schon deshalb wird Rotenburg immer speziell für mich sein. Ich habe aber gar keine Ahnung, wer da jetzt verantwortlich ist.“

Der Kontakt in die Kreisstadt ist mittlerweile abgerissen. „Leider“, sagt er. Auch bei seinem letzten Deutschland-Besuch 2015 kam es zu keinem Wiedersehen mit alten Weggefährten. „Ich habe

„Immer auf der Suche nach guten Spielern“

2016 mal mit Henri Ohlmann (langjähriges Vorstandsmitglied des RSV, Anm. d. Red.) wegen eines Spielers geschrieben, seitdem nicht mehr.“ Mit Mario Haltermann, einst im Management des TSV Ottersberg, und Werder-Legende Ailton tausche er sich noch regelmäßig aus, ab und an auch mit Ex-Profi Sören Seidel, seinem früheren Mitspieler, der ebenfalls als Spielerberater tätig ist. „Vor drei, vier Jahren habe ich mal versucht, Cássio, den Torwart von Corinthians, über Sören zu Werder zu bringen. Es hat aber nicht geklappt.“ Ansonsten kann er nur Positives über seinen Job berichten: „Wir haben Jungs von sieben bis zu 20 Jahren, auch mit Profis arbeiten wir. Es läuft gut.“ Zumindest, bis das Coronavirus auch in Brasilien ausbrach. „Supermärkte und Apotheken haben auf, aber sonst ist alles dicht. Wir haben sehr viele Tote.“

In solchen Zeiten denkt Jair Baller nicht nur oft an seine vor anderthalb Jahren an Krebs gestorbene Mutter, sondern auch an seine Zeit „in Deutschland. Speziell in Rotenburg erinnere ich mich an Willi Schindowski, der damals wie ein Vater für mich war und an die Nalesinskis, wo ich gewohnt habe.“

Was die Zukunft bringt, kann er nicht sagen: „Aber es ist auf jeden Fall etwas mit Fußball. Das ist einfach meine Traumarbeit – ob mit Spielern zu arbeiten oder selbst noch einmal zu spielen.“

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