RSV-Coach Tim Ebersbach über die aktuelle Situation und seine Wünsche

„Nicht mehr Absteiger Nummer eins“

Skeptischer Blick: Tim Ebersbach rechnet nicht mit einem schnellen Restart.
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Skeptischer Blick: Tim Ebersbach rechnet nicht mit einem schnellen Restart.

Rotenburg – Die Planung der restlichen Fußball-Saison macht es für die Trainer nicht gerade leicht. Wie geht Tim Ebersbach vom Rotenburger SV mit der Situation um? Wann erwartet der 40-Jährige den Restart in der Oberliga – und was tut sich personell trotz des Lockdowns noch? Wir haben beim Coach nachgefragt.

Es geht auch ohne Fußball – oder doch nicht?

Also ich habe schon Bock darauf, dass es wieder losgeht.

Aber eine Planung ist derzeit ja kaum möglich, wie ist das bei Ihnen, wie läuft das mit den Trainingseinheiten ab?

Ich bin noch total abwartend und kann nur alles vorbereiten für den Tag X. Wir hatten den Jungs einen Blockplan mitgeben und acht Einheiten mit Lauf- und Stabiübungen bis Weihnachten vorgegeben, um dann in die Pause zu gehen. Ich halte es für total unrealistisch, dass es schon bald wieder losgeht. Die Behörden müssten ja erst mal mitspielen, dass wir auf eine öffentliche Einrichtung kommen. Das Schwierige ist: Klar kann man die Jungs wieder individuell losschicken, aber für den Kopf ist das ganz schwer, wenn die Zeit zu lange ist, wenn du acht oder neun Wochen hast. Ich möchte sie nicht zu lange nur laufen lassen.

Wie lange Vorbereitungszeit benötigen Sie denn, wenn der Verband sagen würde: Dann und dann starten wir wieder?

Ich finde schon, dass man mindestens drei bis vier Wochen Vorbereitung braucht, ehe es wieder losgeht. Gerade unsere älteren Spieler brauchen den Trainingsbetrieb nach dieser langen Pause. Das haben wir ja auch im Sommer gemerkt. Ich fürchte aber, dass da keine Rücksicht genommen wird auf die Spieler und Verletzungen.

Wann rechnen Sie denn damit, wieder auf die Plätze zu können?

Der Februar wäre noch sehr optimistisch. Die Spiele sind für uns noch weiter weg, definitiv nicht vor März. Wir sollten froh sein, wenn wir zum 1. März überhaupt wieder zum Trainieren auf die Anlage kommen. Letztlich ist alles ja noch spekulativ, auch die Frage der Wechselfrist scheint ja noch nicht ganz geklärt zu sein. Wir hoffen, dass das Datum des Wechselfensters noch angepasst wird.

Auch der Spielmodus steht noch nicht fest. Wären Sie eher für oder gegen die Auf- und Abstiegsrunde?

Ich finde es eigentlich ganz charmant, dass man auch wenigstens gegen die andere Staffel spielt. Es sind natürlich weite Fahrten und die andere Staffel ist sehr ausgeglichen, die Mannschaften unten haben dort im Durchschnitt mehr Punkte, die werden also mit einem Vorsprung starten. Wenn du bis in den April rein nicht spielen kannst, kann es aber ohnehin nur eine Verlängerung geben. Oder ein Annullieren, aber das spielt ja scheinbar keine Rolle in den Gedanken, das taucht jetzt als Variante gar nicht auf. Oder aber, du spielst diese Saison in der neuen Serie komplett zu Ende. Wie sollen wir sonst alles womöglich von April bis Juni, Juli durchkriegen? Dass wir die eine oder andere englische Woche haben, ist ja okay. Aber wir kriegen es beruflich nicht hin, auf einem Mittwoch mal eben nach Göttingen zu fahren. Du kannst eine Saison nicht in sechs Wochen zu Ende spielen. Da leiden der faire Wettkampf und die Gesundheit der Spieler drunter. Und was mich ärgert: Dass man einfach sechs, sieben Vereine absteigen lässt. Das finde ich total unfair. Das war ganz anders angekündigt worden. Da hängen bei manchen Vereinen riesige Summen dran. Wenn man sich umhört, wäre für andere Vereine ein Abstieg finanziell ein Desaster.

Auch der RSV läuft Gefahr, dann wieder abzusteigen.

Unter normalen Bedingungen hätten wir gute Karten, vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Finanziell ist bei uns aber alles gebettet und von Landesliga oder Oberliga unabhängig. Wir versuchen, zweigleisig zu fahren. Aber es ist ein krasser Unterschied in den Überlegungen zwischen Oberliga und Landesliga. Die Oberliga hat einfach an Professionalität und Know-how gewonnen. Da ist schon echt Power reingekommen.

Trotzdem haben Sie sich da gut behauptet ...

Wir sind bei anderen Trainern nicht mehr der Absteiger Nummer eins, einige trauen uns den Klassenerhalt mittlerweile zu. Wenn man den Spielplan sieht und es auf weniger Spiele hinausläuft, wird es bei sechs Absteigern natürlich schwierig. Wir haben aber die Qualität, um Nadelstiche zu setzen. Wir sind keine Mannschaft, die sich auf Biegen und Brechen hinten reingestellt und die Pille nach vorne gehauen hat. Dafür ist die Liga auch zu stark, um sich nur reinzustellen. Klar sind wir immer noch der Außenseiter, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Wo sehen Sie den größten Unterschied zur Landesliga?

Der große Unterschied ist die individuelle Qualität und die Erfahrung. Es ist ja ein ganz anderer Fußball in der Oberliga. Da gibt es keine schwachen Gegner und Gegenspieler. Trotz guter Leistungen haben wir nicht so gut gepunktet, weil eben oft die Unterschiedspieler die Punkte holen. Das müssen wir uns eingestehen, wir haben noch nicht die individuelle Qualität wie andere und sind ja von der ersten Elf her deutlich jünger als die Gegner. Ich habe kürzlich mit Björn Müller (Torwarttrainer des Heeslinger SC, Anm. d. Red.) gesprochen. Der war sehr positiv angetan von uns, sagt aber auch: Was uns fehlt, ist ein Stürmer, der seine zehn bis 15 Dinger pro Saison macht. Wir müssen aber auch fragen: Wo kommen wir her? Lohne verpflichtet Spieler aus der Regionalliga oder den Leistungszentren – wir aus der Region oder von unterklassigeren Vereinen.

Klingt aber auch etwas nach Understatement.

Dass es so gut läuft, ist eine positive Erkenntnis. Von der individuellen Qualität ist das der stärkste Kader in meiner Amtszeit. Wir haben richtig gute Neuzugänge dazubekommen, viele haben positiv eingeschlagen. Die anderen Teams vor uns haben aber alle ihre Torjäger. Das Reizvolle in Rotenburg ist dafür, unsere jungen Spieler zu entwickeln. Ich glaube schon, dass es bei uns Jungs gibt, die dieses Potenzial mitbringen. Ein Arthur Bossert, Jan Friesen, Noel Lohmann oder Marcello Muniz – die sollen sich nicht damit zufriedengeben, dass sie gute Spieler in der Landesliga sind, sondern das Ziel haben, in der Oberliga zweistellig zu treffen. Wenn ein Außenstürmer auf sechs, sieben Tore und sechs, sieben Vorlagen kommt, ist das schon ein guter Wert. Und zumindest sehe ich bei allen unseren Offensivspielern das Potenzial.

Und mit Björn Hakansson kommt ja einer neu dazu, der immerhin Regionalligaerfahrung mitbringt.

Ja, dass der FC Oberneuland jetzt Regionalliga spielt, hilft uns schon, weil da mal einer für uns abfällt.

Wird es weitere neue Gesichter im Winter geben?

Wir werden uns definitiv um Verstärkungen bemühen. Mit Björn haben wir ja schon einen, bei dem klar ist, dass er ein Gerüstspieler wird. Wenn wir noch andere dazuholen, dann nur welche, von denen man sich eine Verstärkung erhofft. Wenn noch mal ein richtig Guter vom Himmel fällt, werden wir Ja sagen.

Auch wenn wir nicht bei „Wünsch‘ dir was“ sind: Wie viele Neue hätten Sie denn gerne?

Wenn es eine Wunschzahl gäbe, wäre ich bei drei weiteren Spielern neben Hakansson. Für ganz hinten und vorne könnten wir schon einen Erfahrenen gebrauchen, gerne auch noch einen Torwart.

Weil Fabiano Curia als Nummer eins ausgestiegen ist ...

Ja. Wir halten schon große Stücke auf Tom Knaak, wir würden aber schon gerne mit drei Torhütern arbeiten.

Karol Karpus hat den RSV Richtung Polen verlassen. Dafür stößt Yannik Funck nach seiner Meisterprüfung in der Defensive wieder dazu ...

Ich halte sehr viel von ihm, man muss aber auch sagen, dass er so lange nicht gespielt hat, dass es schon anspruchsvoll ist, ihn rechtzeitig fit zu kriegen. Aber grundsätzlich passt Funck besser zur Oberliga als zur Landesliga.

Wie groß ist der Druck, die Liga zu halten?

Der Druck kommt nicht von der Vereinsführung, der Druck ist unser eigener Anspruch. Es ist unser Ehrgeiz, das zu schaffen. Und ich denke, der Klassenerhalt wäre höher zu stellen als die Meisterschaft in der Landesliga.

Und wenn es dann doch nicht damit klappt?

Wir sind sehr optimistisch, dass die Mannschaft den Weg mitgeht und wir auch bei einem Abstieg nicht eine so große Rolle rückwärts machen müssen. Es ist unser Ziel, mit Beginn der Vorbereitung in die Gespräche zu gehen und 70 bis 80 Prozent zu halten, um sich im Sommer punktuell zu verstärken.

Von Matthias Freese

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