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NFV würdigt nachhaltigen VfL Sittensen

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Mitglieder des VfL Sittensen sowie NFV-Präsident Günter Distelrath stehen auf einer Bühne nebeneinander.
Glückliche Gewinner: Mitglieder des VfL Sittensen nehmen die nachhaltige Auszeichnung unter anderem von NFV-Präsident Günter Distelrath (r.) entgegen. © Lars Kaletta

Der VfL Sittensen hat mit seinem „Mosaik“-Projekt den ersten Nachhaltigkeitspreis des Niedersächsischen Fußballverbandes gewonnen.

Sittensen - Bei einer Veranstaltung im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen hat der Niedersächsische Fußballverband den Gewinner für seinen ersten Nachhaltigkeitspreis geehrt. Wie der Verband mitteilt, hat der VfL Sittensen sich mit seinem Projekt „Mosaik“ durchgesetzt. Dafür erhielt der Verein aus dem Rotenburger Nordkreis ein Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro sowie eine Ladestation für Elektroautos der Marke Elli (Volkswagen Group Charging GmbH) im Wert von 2 500 Euro. Platz zwei belegte der SC Hainberg mit seinem Projekt „Ferienwelten“ vor dem TSV Wennigsen, der sich mit dem Projekt „Kinderschutz“ beworben hatte. Beide erhielten eine 2 500 Euro-Prämie, die zweckgebunden für das jeweils prämierte nachhaltige Engagement eingesetzt werden muss. Für die Hainberger gibt es obendrein ebenfalls noch die Elli-Ladestation.

„Jeder hat ein Gefühl dafür entwickeln können, vor welchen Schwierigkeiten die Jury angesichts der beeindruckenden Bewerbungen stand“, schilderte NFV-Präsident Günter Distelrath die Qual der Wahl, die die elf Preisrichter bei der Ermittlung der Sieger des in Deutschland bisher einzigartigen Wettbewerbs hatten. 41 Vereine hatten mit ihren Bewerbungen das vielfältige nachhaltige Handeln widergespiegelt, mit dem sie in Bereichen wie Jugendförderung, Soziales und Umwelt aktiv werden. Was haben das Oi-Stadion in Tokio, in dem 2020 die olympischen Hockeywettbewerbe ausgetragen wurden, und der Sportplatz des VfL Sittensen gemeinsam? Einen weltweit bisher einzigartigen Kunstrasen, bei dessen Bau größter Wert auf die weitgehende Vermeidung von Mikroplastikemission gelegt wurde, wie Sittensens Vorsitzender, Egbert Haneke, bei der Siegerehrung berichtete.

Das „magische Dreieck der Nachhaltigkeit“

Die künstlichen Grashalme bestehen aus Polyethylen, das aus Zuckerrohr gewonnen wird, und auch der Granulat-Unterbau besteht aus umweltfreundlichen Stoffen. Das „magische Dreieck der Nachhaltigkeit“ wird laut Haneke im Sittensener Projekt „Mosaik“ durch die „Ballschule Balluten“ ergänzt, die auf eine umfassende motorische und altersgerechte Ausbildung von Kindern setzt, bei der die Entwicklungsgemäßheit, Vielseitigkeit, ein spielerisch unangeleitetes Lernen und Freudbetontheit im Vordergrund stehen. Schließlich gründete der Verein mit regionalen Partnern aus der Wirtschaft einen Freundeskreis des Jugendfußballs, um eine zuverlässige ökonomische Seite seines Projektes verstetigen zu können.

Bei der Gründung des SC Hainberg im Jahr 1980 wurde laut dem Vorsitzenden Jörg Lohse gesagt, dass den Verein kein Mensch brauche. Längst aber ist man sich in Göttingen darüber im Klaren, welchen Wert der Club für die Stadt besitzt. So rückten die Hainberger im vergangenen Jahr mit ihrem Projekt „Ferienwelten“ Kinder aus sozialen Brennpunkten und Geflüchteten-Unterkünften in den Mittelpunkt, die sich in sechs einwöchigen Ferienfreizeiten unter dem Motto „Sport, Natur und Bildung“ austobten. Betreut wurde das Projekt unter anderem von Teamer Lukas Lukas, einem 26-jährigen Namibier, der 2019 nach Deutschland gekommen war und beim Verein eine Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann absolviert. Für Lukas ist klar: „Der SC Hainberg, das ist jetzt meine Heimat.“

FIFA-Schiedsrichterin und Weltmeister in der Wettbewerbsjury

In filmischen Kurzportraits, erstellt von NFV-Social-Media-Redakteur Niclas Janßen, stellt der NFV die Siegerprojekte vor. So auch den „Kinderschutz“, der dem TSV Wennigsen am Herzen liegt. Ein eigens dafür gegründetes Team setzt sich neben dem Kampf gegen sexualisierte Gewalt auch für die Verhinderung von Mobbing und Gewalt auf der einen Seite, aber auch für den Schutz der ehrenamtlichen Trainer und Betreuer ein. Der Fahrplan für das vergangene Jahr sah die Entwicklung eines Leitbildes und eines Verhaltenskodexes wie auch die Erstellung eines Vereinskonzeptes zur Prüfung des erweiterten Führungszeugnisses vor. Festgelegt wurden zudem Interventionsleitlinien für den Fall eines Falles. Den hat es in Wennigsen inzwischen bereits gegeben. Die Beschwerde gegen einen Trainer erwies sich aber als unbegründet, weil kein Fehlverhalten vorgelegen habe. „Wir sind aber gewappnet“, sagte sich Fußball-Jugendleiter Martin Röhl.

Neben Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, Weltmeister Pierre Littbarski oder Nationaltorhüterin Almuth Schult gehörten auch FIFA-Schiedsrichterin Riem Hussein und Frank Schmidt, Vorsitzender des NFV-Ausschusses für gesellschaftliche Verantwortung, zur Wettbewerbsjury. In einer Talkrunde mit NFV-Pressesprecher Manfred Finger äußerten sich beide zu den Themen Mitgliederrückgang, Schiedsrichtermangel und Biokost und stellten ihren Beitrag zum Umweltschutz vor. So läuft die Buchführung von Hussein in ihrer Bad Harzburger Apotheke komplett papierlos, auf die Ausgabe von Plastiktüten wird verzichtet und das Botenfahrzeug fährt elektrisch. Die Anreise zu Spielen erfolgte in Vor-Covid 19-Zeiten per Zug. Frank Schmidt tut „eigentlich viel zu wenig“. Er fährt zum Dienst per Rad und dreht „zum Leidwesen meiner Frau die Heizung häufig runter“.

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