„Ein Paar Handschuhe lassen wir immer im Koffer“

Neun Keeper in elf Spielen – Bötersens kurioser Rekord

Drei von neun – Marvin Klindworth, Sebastian Hastedt und Georg Wagner (v.l.) sind längst noch nicht alle Keeper, die schon für Bötersen diese Saison im Tor gestanden haben, aber diejenigen, die Dienstag am Training teilnahmen. - Foto: Woelki
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Drei von neun – Marvin Klindworth, Sebastian Hastedt und Georg Wagner (v.l.) sind längst noch nicht alle Keeper, die schon für Bötersen diese Saison im Tor gestanden haben, aber diejenigen, die Dienstag am Training teilnahmen.

Bötersen - Von Matthias Freese. Auf den ersten Blick sieht es nach einem Überangebot aus – nicht nach Notstand! Doch tatsächlich hat der TSV Bötersen/Höperhöfen, Schlusslicht der 2. Fußball-Kreisklasse Süd, ein Torwart-Problem. In den bisher elf ausgetragenen Punktspielen setzte Trainer Andreas Kieselbach bereits zwangsläufig neun unterschiedliche Schlussmänner ein! Damit dürfte der Club zumindest einen der ungewöhnlichsten Rekorde aufstellen. Im Kreis womöglich einen für die Ewigkeit.

„Ein Paar Torwart-Handschuhe lassen wir immer im Koffer“, betont Kieselbach und lacht. Schließlich wusste er zuletzt nie, wer am Sonntag ins Tor muss – und ob derjenige überhaupt im Besitz dieser unentbehrlichen Utensilien ist. Längst waren nicht alle, die sich bei Bötersen in dieser Spielserie schon zwischen die Pfosten gestellt haben, auch gelernte Keeper.

Das große Wechselspielchen begann in der vierten Partie. Nachdem Stürmer Marvin Klindworth bereits zum Saisonauftakt ausgeholfen hatte, zog sich Stammkraft Henrik Schulz gegen den SSV Wittorf einen Kreuzband- und Meniskusriss zu. In der 61. Minute wechselte deshalb Mittelfeldspieler Philip Mühleweg ins Tor – er blieb ohne Gegentreffer, das Team drehte sogar das Spiel und siegte mit 3:2. Wegen anhaltender Leistenprobleme war Mühleweg jedoch kein Kandidat auf Dauer.

Da es in Bötersen keine Zweite gibt, halfen schon vier Altherrenkicker aus – zweimal Arne Kapp, je einmal Henrik Klee, Oliver Henke (die Nummer eins bei den Oldies) und Benjamin Stechern. „Kapp, Henke und Klee kannte ich vorher gar nicht. Die habe ich das erste Mal beim Spiel gesehen“, gesteht Kieselbach. „Aber das rechne ich den Altherren hoch an.“ Nur gegen die SG Unterstedt II war eine „Suchaktion“ nicht nötig. Das Spiel schenkte Bötersen kampflos her.

Auch Feldspieler Georg Wagner versuchte sich bereits im Kasten, zuletzt war Sebastian Hastedt beim 0:4 im Auswärtsspiel gegen den SV Jeersdorf an der Reihe. Der Stürmer war nach zwei Kreuzbandrissen erst im Sommer wieder eingestiegen und könnte jetzt sogar zur längerfristigen Lösung avancieren. „Das hat er von sich aus angeboten. Er hat in Jeersdorf auch tadellos gehalten – und wenn der Schuh im Feld nicht drückt, lasse ich ihn drin“, sagt Kieselbach und betont: „Keinen der Keeper traf bisher eine Schuld. Da war nicht ein krasser Fehler bei.“

Trotzdem wird natürlich weiter nach einem „echten“ Torsteher Ausschau gehalten. „Die Jungs machen sich schon Gedanken, ob irgendwo einer auf der Bank sitzt“, verrät der Trainer. Kapitän Simon Jaugstetter ist dabei besonders rührig. „Ihm ist es auch zu verdanken, dass wir bisher immer einen im Tor hatten“, weiß Kieselbach und muss schon selbst über den Torwart-„Verschleiß“ lachen: „Ich mache es jetzt mehr als 20 Jahre an der Außenlinie. Wenn ich auf drei Torhüter in einer Saison gekommen bin, war das schon viel. Aber neun nach nicht mal dem Ende der Hinrunde – das ist schon ein Novum.“

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