DFB-Fußball-Heldin aus Nartum

Janne Rosebrock engagiert sich zugleich als Spielerin, Trainerin, Obfrau

Janne Rosebrock kniet auf dem Fußballplatz in Nartum vor einem Mini-Tor und hält einen Ball in den Händen.
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Alles im Griff: Janne Rosebrock organisiert die Mannschaft nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz.

2018 wurde Janne Rosebrock für ihren ehrenamtlichen Einsatz beim Heimatverein geehrt. Die 25-Jährige trainiert, spielt und organisiert bei der SG Nartum.

Nartum – Der TuS Nartum ist für Janne Rosebrock eine Herzenssache. Die 25-jährige Fußballerin bringt sich schon seit vielen Jahren in ihrem Heimatverein ein, feierte als Mädchentrainerin Erfolge, zählt bei den Bezirksliga-Frauen der SG Nartum/Horstedt zu den Leistungsträgerinnen und ist zudem im Vorstand aktiv. Der NFV-Kreis Rotenburg würdigte ihr großes Engagement bereits 2018 mit dem Ehrenamtspreis. Damit ist sie die erste Frau in der Region, die als DFB-Fußball-Heldin ausgezeichnet wurde.

„Janne hat das Gen ihrer Eltern Corinna und Lars in sich. Die ist, wie ihre ganze Familie, verrückt nach Sport und Fußball. Die Wahl zur Fußball-Heldin fiel damals eindeutig aus“, sagt Uwe Schradick, der den Preis seinerzeit überreichte. Der Kreis-Vorsitzende und Ehrenamtsbeauftragte unterstützte die 25-Jährige selbst als Betreuer bei der Nachwuchsarbeit.

„Die Aufgabe war für sie Neuland, doch die Kids waren immer begeistert vom Training“, erinnert sich Schradick. Damit begann Janne Rosebrock neben dem eigenen Fußball eine zweite Karriere. „Ich ging noch zum Konfus, als Uwe mich animierte, die E-Juniorinnen zu übernehmen“, erzählt die 25-Jährige, die Unterstützung von drei Freundinnen bekam.

Ihr Engagement wurde zur Erfolgsgeschichte. „Ich habe die Mannschaft durchgängig bis zur B-Jugend betreut. Davon profitieren wir bei den Damen immer noch, konnten sogar eine Reserve in den Spielbetrieb schicken. Ich spiele mit Talenten wie Christina Ruschmeyer oder Nele Schradick, die ich lange trainiert habe“, sagt Rosebrock.

Den Ball stets am Fuß: Janne Rosebrock, Offensivspielerin der SG Nartum/Horstedt, stellt die gegnerische Verteidigung vor einige schwere Aufgaben.

Die eigenen Fußballschuhe schnürte sie bereits mit sechs Jahren, spielte in einer gemischten Mannschaft der JSG Elsli, die vom Nartumer Volker Baske trainiert wurde. Später wechselte sie zu den D-Mädchen des TuS Nartum und durfte endlich offensiver agieren. Dort war es Trainerin Claudia Kohlmann, die für einen weiteren Schritt in der Entwicklung sorgte. „Janne war sehr begabt und hatte immer Bock auf Fußball. In den Spielen war sie bissig, hatte ein gutes Durchsetzungsvermögen und wusste spielerisch zu gefallen“, so Kohlmann.

Nach dem Ende der B-Juniorenzeit brach für die Stürmerin eine neue Ära bei den Damen der SG Nartum/Horstedt an. Doch bevor sie die gegnerischen Abwehrreihen richtig aufmischen konnte, kam erst mal eine Vollbremsung in Form eines Kreuzbandrisses. „Ich war bereits raus, als meine Damen-Karriere noch nicht einmal richtig begonnen hatte“, berichtet Janne Rosebrock.

Die Operation verlief nicht gut, sie fiel fast drei Jahre aus. „Ich habe irgendwann ans Aufhören gedacht. Dann machte mir ein zweiter Eingriff Hoffnung, ich wollte es noch einmal versuchen“, so Rosebrock. Ihr Comeback feierte sie mit 20 Jahren. Dabei hatte sie in Stephan Hartwig einen Trainer, der sie durch viel Einfühlungsvermögen aufbaute. „Ich erhielt zunächst kurze Spielzeiten von 10 oder 15 Minuten. Das gab mir Sicherheit. Die Trainingsarbeit unter ,Harry‘ hat bei allen Spielerinnen nochmals einen Schub in technisch und taktischer Hinsicht gebracht. Er legte auch viel Wert darauf, dass ich mich im Kopfballspiel verbesserte. Wir waren körperlich schon mega fit, mussten viel rennen. Doch das war der Schlüssel zum Erfolg für den Aufstieg 2019 in die Landesliga“, glaubt Janne Rosebrock.

„Vielseitig einsetzbar“ und „spielintelligent“

Und auch Coach Hartwig weiß sehr wohl zu schätzen, was er während seiner Dienstzeit an seiner Vorzeige-Spielerin hatte. „Janne steckt viel Herzblut in den Verein und ins Team. Ich glaube, das ist der Mannschaft gar nicht so bewusst. Es war schön zu sehen, dass sie nach ihrer sportlichen Rückkehr am ersten Tag wieder ein Teil des Teams war. Sie ist so vielseitig einsetzbar, hat eine gute Schusstechnik, ist spielintelligent, das macht sie enorm wertvoll. Die kennt jeden in Nartum und hat mich in vielen administrativen Dingen unterstützt. Sie war für mich der wichtigste Ansprechpartner“, lobt Hartwig.

In die gleiche Kerbe schlägt Lisa Itzek, Torfrau der Reservemannschaft und enge Vertraute. „Janne und ich kennen uns seit einer Ewigkeit, sind gute Freundinnen. Wir machen ehrenamtliche Dinge und haben das Amt der Fußball-Obfrau übernommen. Dass sie unsere Zweite trainiert, ist super angekommen und hat für richtigen Schwung gesorgt. Es ist schon beeindruckend, wie sehr sie sich in den Verein einbringt, und einen hohen zeitlichen Aufwand betreibt. Was ich besonders an ihr schätze, ist ihre Objektivität und Neutralität. Das ist im Frauenfußball nicht die Regel“, so Itzek.

So war es eine Herzensangelegenheit der 26-jährigen Torfrau, ihre langjährige Weggefährtin für die Fußball-Heldin vorzuschlagen. „Ich habe eine Bewerbung eingereicht und die wurde positiv beschieden. Wir benutzen ein gemeinsames TuS-Postfach, da musste ich schon aufpassen, dass die Sache geheim blieb“, erzählt Lisa Itzek schmunzelnd.

Die Auszeichnung wurde zum Volltreffer. „Ich bin nicht der Typ, der unbedingt im Mittelpunkt stehen muss und erwarte nicht viel für das, was man leistet. Doch die Ehrung war schon eine große Anerkennung“, sagt Janne Rosebrock, die sich im Mai 2019 zu einer fünftägigen Bildungsreise per Bus auf den Weg nach Barcelona machte. „Das Programm war cool und hatte viele spannende Inhalte. Wir haben unter anderem Tagesausflüge gemacht, unterschiedliche Trainingseinheiten erlebt und interessante Vorträge gehört. Da stellten sich Trainer Manuel Baum und Schiedsrichter Knut Kircher in einer Podiumsdiskussion den Fragen“, erinnert sich Rosebrock, die zudem eine spätere Einladung zu einem Bundesligaspiel des VfL Wolfsburg mit Hotelübernachtung erhielt.

Nachwuchs für den FSV Hesedorf/Nartum

„Ich war damals sehr glücklich darüber, dass Janne nach ihrer schweren Verletzung wieder zurückgekehrt ist. Sie zählt zu den Leuten, die hinter dem Verein stehen, sich unglaublich engagieren und total loyal sind. Die hat so viele Ideen, reißt alle mit“, so Claudia Kohlmann, die gerne an Unternehmungen der Kickerinnen, wie zum Beispiel der von Rosebrock erdachten Pizza-Tour, teilnimmt. „Die Veranstaltung ist immer im September. Wir machen statt einer Kohl- eine Pizzatour. Das fängt mit einem Spaziergang von Winkeldorf nach Nartum an. Dort essen wir mit gut 35 Spielerinnen und lassen uns dann zur Beach-Party nach Steinfeld fahren. Die Unternehmungen sorgen für einen großen Zusammenhalt. Das schätze ich sehr und es motiviert mich stets aufs Neue. Wir verstehen uns zudem super mit den Fußballern, feierten 2018 gemeinsam unsere Meisterschaften“, so der Werder-Fan.

Dass die Saison abgebrochen wurde, findet die Stürmerin schon schade, ist allerdings für sie kein Weltuntergang. „Ich denke, dass andere Sachen wie zum Beispiel Schulen, Kindertagesstätten oder Krankenhäuser eine deutlich höhere Priorität haben. Da gehört der Fußball für mich in der Rangliste weit nach unten“, sagt Rosebrock.

Die Stürmerin könnte aktuell ihr Hobby eh‘ nicht ausüben. Denn: „Ja, die FSV Hesedorf/Nartum erhält Nachwuchs – es wird ein Junge“, verrät Janne Rosebrock, die mit ihrem Partner Jannes Otten in Nartum wohnt und sich nun sehr auf ihre kleine Familie freut.

Von Manfred Krause

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