Vereinsführung räumte gestern Abend ein, dass Oberliga-Existenz massiv gefährdet ist

Muss Heeslingen in die Insolvenz?

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Geben die Hoffnung noch nicht auf, schließen eine Insolvenz des TuS Heeslingen aber auch nicht mehr aus: Die beiden Beiratsmitglieder Bernd Meyer (l.) und Steffen Lahde.

Heeslingen - Von Mareike Ludwig und Matthias Freese.  Welche Zukunft hat der TuS Heeslingen? Geht der Fußball-Oberligist aufgrund der Steuer-Affäre möglicherweise in die Insolvenz oder kann er sich mit der Finanzbehörde doch noch einigen?

Gestern Abend hatte der Vorstand zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gebeten. Konkrete Zahlen wollte die Clubführung da zwar nicht nennen, doch bestätigte sie, dass sie die derzeitigen Forderungen nicht bewerkstelligen kann. Ein Abstieg in die Landesliga ist kein Tabu mehr.

Fakt ist: Weder das Steuerverfahren (im Raum stehen angebliche, aber vom Verein nie bestätigte Forderungen des Finanzamtes in Höhe von 380 000 Euro) noch das Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen die Vereinsverantwortlichen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sind bisher abgeschlossen. „Die Ermittlungen dauern an“, betonte Kai-Thomas Breas, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stade gestern auf Nachfrage.

Bernd Meyer und Steffen Lahde, beide im Beirat des TuS Heeslingen für die Finanzen zuständig, waren vor fast 150 Mitgliedern gestern spürbar um Aufklärung bemüht. Sie berichteten, dass der Verein ein Darlehen in Zusammenhang mit dem Tribünenbau von 80 000 Euro aufgenommen hätte, aufgrund des Steuerverfahrens allerdings keinen Zuschuss vom Landessportbund mehr erhalten würde. Und sie erklärten, warum die Gespräche mit dem Finanzamt bisher zu keiner Einigung geführt hätten und die Angebotssumme von der Behörde abgelehnt worden sei. Lahde: „Gebremst hat uns die Rentenversicherung.“ So würde es um Steuer- und Sozialabgaben rückwirkend für die Jahre 2001 bis 2011 gehen. „Und als ich die Summe gehört habe, bin ich vom Stuhl gefallen“, gestand Lahde. Er räumte allerdings auch ein, dass im Rahmen der Steuerfahndung Verträge bei Spielern gefunden worden seien, „die belegen, dass sie Angestellte des Vereins sind. Das kann man jetzt nicht wegreden.“ Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Lohnsteuerhinterziehung und nicht abgeführter Sozialversicherungsbeiträge. Auch manch Spieler soll übrigens einige tausend Euro nachzahlen.

Wie geht es nun weiter? „Wir müssen der Realität ins Auge schauen. Die Spieler sind zwar sehr kompromissbereit, aber das Oberliga-Spielrecht ist massiv gefährdet“, gesteht Steffen Lahde. Das liegt daran, dass es aufgrund des laufenden Verfahrens kaum möglich sei, bis zum 31. März (bis dahin muss die Oberliga-Lizenz beantragt werden) die Wirtschaftlichkeit des Vereins darzustellen. Auch die Gründung eines neuen Vereins und die Spielrechtsübertragung wären auf die Schnelle nicht umsetzbar.

„Unser erstes Ziel ist nach wie vor, uns mit dem Finanzamt zu einigen“, betonte Lahde. Zu einem weiteren Meeting mit der Behörde soll deshalb auch Hauptsponsor Hans-Peter Fricke den Vorstand begleiten. „Aber wenn es nicht anders geht, müssen wir die Insolvenz beantragen“, schloss Lahde diese Variante nicht mehr aus. Heeslingen stünde dann in einer Reihe mit prominenten Clubs wie Kickers Emden, Eintracht Nordhorn oder dem Lüneburger SK.

Und Heeslingen ist nicht der einzige Club, der aktuell um die Zukunft bangt. Dem Ex-Oberligisten VSK Osterholz-Scharmbeck ergeht es ähnlich – neben der Finanzbehörde liegt seine Akte ebenfalls bei der Staatsanwaltschaft Stade. Auch der SV Holthausen/Biene steckt ziemlich in der Klemme und hat sich noch nicht entschieden, ob er angesichts seiner Steuergeschichte für die nächste Saison noch für die Oberliga meldet. Der Klassenerhalt soll sportlich jedoch angestrebt werden, auch wenn bislang erst zwölf Spieler für die Rückrunde zugesagt haben.

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