Mori Fofani hat eine zweijährige Odyssee hinter sich und kickt beim MTV Jeddingen

„Ich möchte hierbleiben!“

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Mori Fofani fühlt sich beim MTV Jeddingen wohl – dort gehört er zum Kreisliga-Kader.

Jeddingen - Von Vincent Wuttke. Mori Fofani weiß nicht, wann er geboren wurde. Sein Alter kann er nur schätzen: „Ungefähr 20“, sagt er. Seine Leidenschaft ist der Fußball – und so hat sich der Ivorer der Kreisliga-Mannschaft des MTV Jeddingen angeschlossen. Mit acht anderen Flüchtlingen wohnt er in Sankt Pauli, einem kleinen Dorf, vier Kilometer von Jeddingen entfernt. Sein Weg dahin war jedoch ein langer und steiniger.

2013 fasst Fofani daheim in der Elfenbeinküste einen folgenreichen Entschluss: Er will seine Heimat verlassen. Er steigt mit einem Freund in einen Bus – ohne klares Ziel vor Augen. „Ich wollte einfach nur eine ruhige Ecke finden und hatte kein Land als Ziel.“ Er berichtet davon, dass seine Mutter bei einer Bombenexplosion getötet wurde und sein Vater in bürgerkriegsähnliche Kämpfe verwickelt war. Als dieser ihn dort mit hineinziehen will, lehnt Mori Fofani ab. Es gibt nur noch Streit, er haut ab.

Aus der Elfenbeinküste geht es in das nördliche Nachbarland Burkina Faso, von dort über Niger immer weiter Richtung Europa. In Libyen gerät Fofani an die falschen Leute, wird längere Zeit gefangen gehalten und quasi versklavt. Schließlich schafft er doch den Sprung auf ein Schiff und erreicht Europa. „In Italien war es aber kein bisschen besser als in Afrika“, erzählt Fofani. Fast zwei Jahre nach dem Beginn seiner Reise kommt er Anfang des Jahres in Deutschland an.

Auf der Suche nach Beschäftigung landet er im Juni mit fünf anderen Flüchtlingen auf dem Sportplatz des MTV Jeddingen und wird auf das Training einer Jugendmannschaft aufmerksam. „Er dachte, dass er dort mitspielen könnte“, schmunzelt Jeddingens Co-Trainer Markus Schwarz rückblickend. Doch Torben Heldberg, der Trainer des Jugendteams, ist gleichzeitig Kapitän der ersten Herren und nimmt ihn kurzerhand mit zum Training der Kreisliga-Mannschaft. Fofani bleibt trotz der harten Einheiten dabei. „Das Training ist nicht schlimm, es macht mir Spaß“, verrät der Afrikaner. Und weil er sich engagiert zeigt, entscheiden sich die Trainer Joachim Kroll und Markus Schwarz, einen Spielerpass zu beantragen. „Große Probleme gab es bei der Sache nicht. Es hat nur etwas länger gedauert. Normalerweise dauert es zwei bis drei Tage, um einen Pass zu beantragen. Bei Mori waren es drei Wochen“, erzählt Schwarz.

In der Kreisliga kam Fofani zwar noch nicht zum Einsatz, aber auf der Bank saß er schon häufiger. Und im Kreispokal gegen den TuS Hemslingen/Söhlingen durfte er von Beginn an zeigen, was er kann. „Ich bin sehr zufrieden und habe sehr gut geschlafen“, sagt er. Auch in der Liga wird er demnächst auflaufen. „Er wird seine Chance bekommen, auch wenn er taktisch noch nicht auf der Höhe ist“, verspricht Kroll.

Auch wenn in der Mannschaft nur Stefan Göhring und Torben Heldberg Französisch sprechen und Fofani kein Englisch kann, kommt er mit seinen Teamkollegen gut klar. „Er versucht, viel mit anderen zu kommunizieren und auf seine Mitspieler zuzugehen“, lobt Schwarz. „Ich fühle mich hier sehr wohl, die Leute haben mich gut aufgenommen“, betont Fofani und fügt auf Deutsch an: „Ich möchte hierbleiben!“ Deshalb besuchte er bereits eine Sprachschule in Verden. Doch da die Teilnehmerzahl sank, wurde der Kurs eingestellt. Aktuell lernt er mit seiner Nachbarin. „Die Sprache ist sehr interessant, aber auch schwierig“, sagt Fofani wieder auf Deutsch.

Auch wenn er die Kälte nicht gewohnt ist, ist er auf den Winter gespannt. „Ich freue mich auf den Schnee. Den habe ich früher nur selten auf Bildern gesehen.“ Und auch auf einen Beruf hofft er. „Ich war in der Elfenbeinküste Schneider. Aber ich bin auch für alle anderen Aufgaben bereit.“

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