„Wir hoffen auf eine höhere Bildung“

Aus Montenegro geflohen: Jelovac bringt die Hurricanes voran

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Neuzugang Milos Jelovac voller Motivation vor der nächsten Trainingseinheit bei den Hurricanes.

Rotenburg - Von Jessica Ginter. In den vergangen zwei Spielen hat er insgesamt stolze 64 Punkte erzielt. Er ist an seinen dunklen Haaren, der Nummer sechs auf seinem Trikot und seiner extremen Schnelligkeit zu erkennen. Doch wer ist der bislang Unbekannte? Es handelt sich um Neuzugang Milos Jelovac, der seit Juli in Deutschland lebt und neuerdings für die Oberliga-Basketballer der BG ’89 Hurricanes spielt.

Aufgrund der politischen und unsicheren Lage seien er und seine Familie aus Pljevlja, einer Stadt im Norden Montenegros, nach Deutschland geflüchtet, berichtet der 18-Jährige. „Wir hoffen hier auf bessere Lebensbedingungen und eine höhere Bildung für mich, meine 14-jährige Schwester und meinen zwölf Jahre alten Bruder“, erklärt Milos Jelovac.

In Rhade ist er mit seiner Familie untergekommen, in Zeven besucht er zur Zeit die elfte Klasse des St.-Viti-Gymnasiums und hofft, hier sein Abitur zu meistern. Über Schulleiter Christian Mattick entstand letztlich der Kontakt zu den BG ’89 Hurricanes, die auch die Vereinskosten übernehmen. Zudem holt Coach Thomas König ihn zu den Trainingseinheiten und Spielen ab.

„Im Alter von acht Jahren habe ich das erste Mal einen Basketball in der Hand gehalten und bis zum 17. Lebensjahr für meine Geburtsstadt Pljevlja gespielt“, erzählt Jelovac. Im letzten Jahr wechselte er dann zum Zweitligisten Gorstak in Kolašin, einer Kleinstadt im Zentrum Montenegros. Dort spielte der 1,88 Meter große Guard bis zum Umzug nach Deutschland. Für die Jugendnationalteams seines Heimatlandes bestritt er außerdem die U16 und U18-EM. Kurios: „Als ich meinen europäischen Trainerkurs in Kiew und der Türkei gemacht habe, hat Milos mit seiner Mannschaft an den Turnieren teilgenommen. Wir kannten uns damals aber ja noch nicht“, berichtet König. Herausgefunden haben beide das erst kürzlich.

Angst davor, nach Montenegro zurückzugehen, hat Jelovac nicht, doch: „Die politische Situation ist dort zur Zeit sehr kompliziert. Und ich weiß nicht, wie lange wir hier bleiben können, denn meine Eltern dürfen aufgrund von rechtlichen Dingen noch keine Arbeitsstelle in Deutschland annehmen.“

Vom ersten Training an fühle er sich im Team der Hurricanes sehr wohl. „Bei unserem ersten Spiel in Hannover habe ich 33 Punkte erzielt – aber nur durch die Hilfe der Teamkollegen“, betont Jelovac. Dafür und für die gute Atmosphäre in der Mannschaft sei er sehr dankbar. „Alle sind sehr aufgeschlossen und nett zu mir. Wenn ich Fragen habe, helfen sie immer weiter“, sagt er mit einem Lächeln.

Und wo sieht er sich in zehn Jahren? „Am liebsten würde ich ein professioneller und erfolgreicher Basketballspieler werden, um mit meinem Hobby Geld zu verdienen. Allerdings liegen mir die Schulfächer Mathe und Physik auch ganz gut, deshalb kann ich mir vorstellen, Ingenieur zu werden“, lacht der Montenegriner. Sein momentan größter Wunsch sei es jedoch, „zufrieden mit meinem Leben zu sein, so lange wie möglich in Deutschland bleiben zu können und zumindest hier mein Abitur zu machen“, verrät er.

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