Derby-Talk

Rotenburgs Michel Müller: „Mit euch ist es ein Prestigeduell“

Vincent Wuttke (v.l.) und Yannik Malende stehen im Flur und halten das grüne Unterstedt-Trikot vor ihrem Körper, daneben steht Michel Müller und hält das weinrote Dress des Rotenburger SV II.
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Im Haus vereint, in den Farben getrennt: Während Vincent Wuttke (v.l.) und Yannik Malende das grüne Unterstedt-Trikot tragen, läuft Michel Müller im weinroten Dress des Rotenburger SV II auf.

Rotenburgs Michel Müller sowie Unterstedts Yannik Malende und Vincent Wuttke wohnen im selben Haus. Vor dem Derby haben sie sich mal zusammengesetzt.

Rotenburg – Wenn am Sonntag (14 Uhr auf dem Ahe-Sportplatz) das Stadtderby zwischen dem Rotenburger SV II und der SG Unterstedt in der Fußball-Kreisliga angepfiffen wird, dann brauchen drei Beteiligte keine Motivationsspritzen mehr. Denn: Rotenburgs Spielertrainer Michel Müller sowie die Unterstedter Yannik Malende und Vincent Wuttke wohnen alle in der Kreisstadt unter einem Dach. Die Balkone von Malende und von Wuttke liegen direkt über der Terrasse von Müller. Für sie ist es deshalb das Prestigeduell der Saison. Vor der Partie trafen sich die drei zum Derby-Talk.

Sticker auf Müllers Briefkasten

Vincent Wuttke: Hey Michel, man munkelt, dass du Unterstedt-Fan geworden bist. Oder was bedeutet der Sticker auf deinem Briefkasten?

Michel Müller: Ich denke, dass sich da ein Nachbar einen Spaß erlaubt hat. Das wird aber der einzige Spaß für ihn diese Woche sein.

Personalsituationen

Wuttke: Ich denke, dass ihr am Sonntag ein grün-weißes Wunder erleben werdet, weil wir unser bestes Spiel seit Langem bestreiten werden…

Müller: Ihr werdet ja offenbar alle Mann an Bord haben und top motiviert sein. Aber wir müssen uns vor euch trotzdem nicht verstecken. Ihr seid der Favorit, obwohl die Tabelle etwas anderes sagt. Wir versuchen, euch zu ärgern und gegenzuhalten.

Wuttke: Professionelle Antwort. Ihr steht auf Platz fünf und wir auf Rang sechs. Vergiss das nicht. ,Malle’, wer ist für dich Favorit?

Yannik Malende: Personell würde ich sagen, dass wir Favorit sind. Bei uns sind endlich alle wieder fit. Das ist für euch natürlich Pech, Michel.

Wuttke: Das heißt aber auch, dass wir keine Ausreden mehr haben ab sofort.

Malende: Wir sind erfahrener mit Hannes Kettenburg, Nisar Atris, Kay Slominski, Tobias Delventhal und mir zum Beispiel. Wir haben aber nicht unsere beste Phase und wir sind alle überrascht, dass es bei Rotenburg so gut läuft.

Wuttke: Es gibt sogar kaum Leihgaben aus der ersten Herren – muss man dazu auch noch sagen.

Müller: Ja mehr als zwei oder maximal drei hatten wir nicht. Letztes Jahr waren es eher noch fünf oder sechs oder sieben Aushilfen. Ich hatte ein wenig Angst, dass die Jungs über Wochen nur auf das Derby hinfiebern und die eigentlich wichtigeren Spiele zuvor verhauen. Aber das haben sie zuletzt mit zwei Siegen super gemacht.

Wuttke: Ja siehst du. Dann dürfen sie auch jetzt mal wieder verlieren.

Müller: Das dürfen sie grundsätzlich. Wir stehen ja auch bei einer Pleite super da.

Wuttke: Holst du gegen uns auch welche runter?

Müller: Ich bin überzeugt vom Kader und die Erste hat selbst ein wichtiges Spiel. Was dann noch passiert, wird nicht verraten. (schmunzelt)

Malende und das Training

Wuttke: ,Malle’ hat übrigens schon am Dienstag eine flammende Motivationsrede in die Teamgruppe geschickt. Der Junge ist heiß, würde ich sagen.

Müller: Schön, aber dann kommt er danach dreimal nicht zum Training. (lacht)

Malende: Nein, nein. Diese Woche habe ich mir extra freigenommen. Ich war zweimal beim Training und beim Spiel bin ich auch da.

Müller: Freut mich, dich auf dem Platz wieder zu sehen. Wir haben ja in der Landesliga beim RSV oft zusammengespielt. Aber so gut wir uns hier alle privat verstehen, wird es auf dem Rasen nicht sein. Da geht es zur Sache.

Wuttke: Dürfen wir dich also auch mal Umgrätschen?

Müller: Natürlich. Das gehört dazu. Ich freue mich ja auf die rassigen Zweikämpfe und ein hektisches Spiel. Je länger es 0:0 steht, desto besser für uns. Ihr werdet dann hoffentlich nervös.

Gründe des RSV II-Erfolges

Wuttke: Liegt die gute Saison vom RSV II dann an der Mannschaft oder am Trainer?

Müller: An der Mannschaft. Wir haben in kurzer Zeit einen guten Kader zusammengestellt. Wir waren eh von Anfang an fußballerisch von den Jungs überzeugt. Aber ihr wisst selbst, wie es ist, aus der Jugend zu den Herren hochzukommen und dann gegen 35-jährige Innenverteidiger zu spielen. Aber die Jungs haben es die letzten Wochen super gemacht.

Malende: Der Vorteil ist, dass Michel eine eingeschworene Mannschaft hat und ja quasi die ganze U 19 hochgezogen hat. Es sind viele beim Training, wie ich das von dir so mitbekomme. Der RSV ist relativ unerfahren, hat aber mit Michel ja einen guten Trainer. Man sieht es ja an den Ergebnissen, dass ihr Spiele auch mal mit 0:7 oder 0:8 verlieren könnt. Da fehlt es an Erfahrung. Sonst scheint ihr viel richtig zu machen.

Müllers Einsatzgarantie

Malende: Ich bin auch übrigens gespannt, wo Michel spielt. Sag doch mal.

Wuttke: Hat der Spielertrainer bei den Partien eigentlich eine Einsatzgarantie, egal wie der Fitnessstand ist und die Trainingsleistung war?

Müller: Nein natürlich nicht. Ich denke aber, dass ich der Mannschaft sehr gut weiterhelfen kann, wenn ich fit sein sollte. Wo, sage ich euch doch nicht.

Taktikspielereien

Wuttke: Michel, willst du jetzt unsere Taktik wissen? ,Malle’ hat gesagt, du nervst ihn seit Tagen mit Fragen.

Malende: Ja, er will die ganze Zeit wissen, ob wir eine neue Taktik spielen oder sonst neue Ideen haben. Aber das hätten wir schon vorher lange gemacht, wenn es eine Alternative zur aktuellen Formation geben würde.

Müller: Wir werden gut vorbereitet sein. Wir wissen genau, was auf uns zukommt.

Malende: Ich bin auch gespannt, was Michel aus dem Hut zaubern wird. Der Junge ist schon seit zwei Wochen nervös und probt da unten an seiner Taktiktafel.

Wuttke: Ach Quatsch. Kann man da schon was sehen? Darf ich mal runter gehen?

Müller: Ich mache mir tatsächlich ein, zwei Tage vorher Gedanken. Aber Jetzt erkennt man da noch nichts auf meinem Blackboard.

Unterstedt gegen RSV II – das wichtigste Derby?

Wuttke: Ist es eigentlich dein wichtigstes Spiel in dieser Saison?

Müller: Ich muss ehrlich sagen, dass der Sieg gegen Stemmen am wichtigsten war. Als gebürtiger Finteler will man gegen die gewinnen. Aber mit euch ist es schon ein Prestigeduell. Und Unterstedt ist ja eine halbe zweite Herren von Rotenburg mittlerweile. Und es ist das Kreis-Derby Nummer eins und wer da nicht motiviert ist, ist falsch. Mich haben schon unzählige Leute angesprochen, dass sie zuschauen wollen. Ich hoffe, wir können im Stadion spielen.

Malende und sein Ex-Club

Wuttke: ,Malle’, du bist auch richtig heiß als Ex-Rotenburger, oder?

Malende: Für mich kommt nur gewinnen in Frage, kein Zweifel. Es ist ja nicht nur ein Spiel gegen meinen Ex-Verein, sondern ein internes Nachbarschaftsduell. Ich habe keinen Bock mir von Michel weiter etwas anzuhören.

Wuttke: Michel meinte, dass du nicht reagiert hast, als er dir die Tabelle geschickt hat.

Müller: Warum eigentlich nicht? (lacht)

Malende: Weil es etwas nervt. (schmunzelt) Ich habe keine Lust, dass Michel mir die nächsten Wochen immer sagt, dass sie vor uns stehen.

Müller: Vor drei Wochen haben wir noch unten auf der Terrasse gesessen und gesagt, dass es geil wäre, punktgleich ins Derby zu gehen. Jetzt ist es ja leider nichts geworden für euch und wir zwei Punkte vor euch. (schmunzelt)

Party des Derby-Siegers? Und Müllers Musik

Wuttke: Würdest du dich hausintern eigentlich sehr für einen Sieg im Derby feiern und das raushängen lassen, Michel?

Müller: Also wenn wir einen Derbysieg holen sollten, wird hier etwas abgehen. Dann haben wir das Saisonziel fast erreicht und sind quasi in der Aufstiegsrunde. Auch wenn es rechnerisch noch nicht zu 100 Prozent sicher wäre.

Wuttke: Muss der Verlierer von Sonntag etwas machen?

Malende: Das könnte man sich in der Tat mal überlegen.

Wuttke: Ich möchte fünf Wochen Musikverbot für Michel am Abend!

Müller: Das ist gute Musik.

Malende: Ich vermisse das bei uns sogar in der Kabine. Anfangs war ich da gar kein Fan von. Damals beim RSV kam das mit Helene Fischer und anderen Schlager-Hits auf. Da hat man vor dem Spiel schon richtig mitgesungen. Bei uns ist das ja eher so amerikanischer Rap. Da nickt man höchstens mit.

Müller: Mittlerweile sind die Flippers bei uns ganz hoch im Kurs – aber nach dem Spiel. Ich mache mich mit Schlager aber schon mittags vor den Partien warm.

Malende: Auf jeden Fall. Es kann losgehen. Auch mein Vater hat sich angekündigt.

Müller: Letztens hat er mir noch gesagt, dass er sich Unterstedt nicht mehr angucken kann. (lacht)

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