Früher Drewes-Platzverweis – RSV hält trotzdem ein 0:0 gegen Oldenburg

„Mit elf kann ja jeder“

Im Trainingsanzug: Die zweite Halbzeit verfolgte Christoph Drewes (links neben Betreuer Jörg Matthies) hinter der Bande, direkt neben der Bank des Rotenburger SV.
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Im Trainingsanzug: Die zweite Halbzeit verfolgte Christoph Drewes (links neben Betreuer Jörg Matthies) hinter der Bande, direkt neben der Bank des Rotenburger SV.

Rotenburg – Christoph Drewes wusste genau, dass er Mist gebaut hatte. „Das war ein kurzer Auftritt und unglücklich für den Spielverlauf“, ärgerte sich der Innenverteidiger des Rotenburger SV. Mit seiner Gelb-Roten Karte in der 16. Minute hatte er seine Kollegen im Heimspiel gegen den Ex-Regionalligisten VfL Oldenburg in die Bredouille gebracht. Doch anscheinend kommt der Aufsteiger in der Fußball-Oberliga ganz gut damit klar, längere Zeit in Unterzahl spielen zu müssen. Das war schon eine Woche zuvor beim FC Hagen/Uthlede so, als es Tim Potratz erwischt hatte. Und auch dieses Mal stand die Defensive, trotz des Verlustes ihres Abwehrchefs, sicher. Sie war der Garant für ein erneutes 0:0. Der dritte Zähler in der fünften Partie.

Nach dem Abpfiff scherzten die Kollegen: „Wenn du siehst, was schon zu zehnt möglich ist ...“, stellte Innenverteidiger Karol Karpus im Zwiegespräch mit Fabiano Curia fest. Der beim Aufwärmen erneut mit Oberschenkelproblemen ausgefallene Keeper entgegnete: „Eigentlich musst du gleich einen weglassen.“ Torwarttrainer Lars Neugebauer hatte so ein Ergebnis wohl schon erahnt, als er beim Gang in die Halbzeitpause bemerkte: „Mit elf kann ja jeder!“

Zunächst waren jedoch alle wenig amüsiert, als sich Drewes mit einer überflüssigen Grätsche an der Seitenlinie gegen Vafing Jabateh, aus dem Spiel nahm. „Da komme ich zu spät, das sieht blöd aus. Dass der Schiedsrichter da Gelb-Rot gibt, kann ich verstehen“, räumte der 33-Jährige ein. „Ich habe es aber nicht mit Absicht gemacht.“ Coach Tim Ebersbach übte dennoch Kritik an seinem spielenden Co-Trainer: „So ein Ding darf einem erfahrenen Spieler nicht passieren, das war für uns eine Vollkatastrophe. Das bedeutete 75 Minuten noch mehr laufen.“

Bei der ersten Gelben Karte hatte sich ein Vorteil des RSV in einen Nachteil umgekehrt. Stefan Denker hatte einen Freistoß ausgeführt, Lennart Blömer sich diesem nicht ganz regelkonform in den Weg gestellt und ihn abgeblockt. In der Folge sprang Drewes der Ball an die Hand – dann verhinderte er auch noch, dass die Oldenburger ihrerseits schnell weiterspielen konnten (10.).

Nach dem Platzverweis hielt Ebersbach an seinem System mit zwei Viererketten fest, „opferte“ aber den linken Flügelspieler Noel Lohmann, um mit Karpus einen Innenverteidiger zu bringen. Zudem sank der Altersschnitt auf nunmehr 22,3 Jahre, nachdem der Coach ohnehin schon fünf U 21-Spieler in die Startelf beordert hatte. Kapitän Stefan Denker war mit seinen 30 Jahren mit Abstand der älteste Akteur beim RSV.

„Zusammen“, rief Ebersbach immer wieder aufs Feld, um die Außenspieler aufzufordern, weiter einzurücken, um im Zentrum kompakter zu stehen. Der Vorjahres-Dritte von der Hunte erspielte sich in Überzahl zunächst ein klares Übergewicht, drängte die Gastgeber vor rund 140 Zuschauer tief rein. Doch allzu viele Torabschlüsse ließ die gut organisierte RSV-Abwehr nicht zu. „Unsere Viererkette war Bombe“, stellte Ebersbach fest. Und mit den bissigen Chwolka-Zwillingen Lucas und Yannick scheint er nun auch seine Besetzung für die Positionen der Außenverteidiger gefunden zu haben.

Nach vorne hin erlaubte sich der RSV jedoch zu viele leichte Ballverluste oder trennte sich oft zu spät vom Spielgerät. Denker brachte mit zunehmender Dauer aber die nötige Sicherheit und Ruhe ins Spiel. „Er hat seine Rolle richtig gut angenommen“, fand Ebersbach.

Wenige gute Chancen besaß die Wümme-Zehn dann auch noch. Erst spielte Jan Friesen einen Querpass jedoch ins Nirwana, statt selbst durchzugehen (74.), dann verpasste Arthur Bossert eine flache Flanke des eingewechselten Björn Mickelat (87.). Etwas hochkarätiger, aber nicht viel zahlreicher waren die Abschlüsse der Oldenburger. Zwei davon parierte Torwart Tom Knaak – einen Schuss von Blömer (34.) sowie einen Kopfball von Simon Brinkmann (88.). „Wir haben sie trotz Unterzahl nicht zur Entfaltung kommen lassen, Oldenburg hat nur ganz wenige Lösungen herausgespielt“, lobte Ebersbach. Er wusste aber auch: „Das ist das Maximum, was man gegen so eine Mannschaft zu zehnt herausholen kann.“ Dass sich auch die Gäste noch spät reduzierten – Jabateh sah Gelb-Rot in der Nachspielzeit nach Foul an Yannick Chwolka – war da nur eine Randnotiz.

Von Matthias Freese

Erst eine Viertelstunde vor Spielbeginn entschied sich, dass Fabiano Curia nicht spielen kann.
„Geopfert“: Noel Lohmann (links, gegen Tassilo Thiele) musste in Unterzahl für Karol Karpus Platz machen.

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