Mindestlohngesetz verunsichert manche Vereine – Hurricanes und RSV reagieren aber gelassen

„Wir brauchen nichts zu ändern“

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Auch Vertragsspieler fallen nicht zwangsläufig unter das Mindestlohngesetz, wenn die Gewinnerzielung nicht im Mittelpunkt steht.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Viel Wirbel um nichts – oder doch ein Grund zur Besorgnis? Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sorgt bei einigen Vereinen für Verunsicherung. Insbesondere bei denen, die mit Leistungssport-Mannschaften am Ligabetrieb teilnehmen. Dennoch herrscht bei den betroffenen Clubs im Kreis Rotenburg, den Erstliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes und den Oberliga-Fußballern des Rotenburger SV, Gelassenheit.

Der Rotenburger Reinhard Grindel hat sich nicht nur in seiner Funktion als Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes mit der Thematik beschäftigt. Als CDU-Bundestagsabgeordneter hat er das Gesetz, das zum 1. Januar in Kraft getreten ist und Arbeitnehmern mindestens 8,50 Euro pro Stunde garantieren soll, mit verabschiedet. Und Arbeitnehmer gibt es auch bei manchem Sportverein. Grindel verweist jedoch auf die näheren Erläuterungen im Ausschussbericht zum Mindestlohngesetz und darauf, dass Vergütungen von ehrenamtlich Tätigen wie etwa Übungsleitern ausgenommen sind. „Ein Übungsleiter mit einem gut bezahlten Hauptberuf, der Freude an seinem Sport und der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat, kann auch mehrere Mannschaften in verschiedenen Vereinen trainieren“, erläutert Grindel. Anders sehe es freilich bei Tennis-Trainern aus, die in mehreren Vereinen ihre Stunden geben und davon leben würden – doch diese arbeiten ohnehin meist als Selbstständige.

Ebenso wie für normale Übungsleiter gilt auch im Falle von Amateur- und Vertragsspielern, „ob die sportliche Betätigung im Mittelpunkt steht oder die Gewinnerzielung“, verdeutlicht Grindel. Der Amateursportler, der sich vom Verein mit ein paar Euro entlohnen lässt, ist also kein Fall für den Mindestlohn. Die Abgrenzung, ob es mehr um den Sport oder die finanzielle Gegenleistung geht, sei bei Vertragsspielern „im höherklassigen Bereich“ allerdings schwierig, räumt auch Grindel ein. „Der DFB kann den Vereinen auch keine verbindliche Rechtsauskunft erteilen. Es kommt auf den Einzelfall an“, sagt der Funktionär und Politiker. „Da muss beurteilt werden, welche wirtschaftliche Bedeutung die Zahlung für einen Spieler hat.“ Er betont aber auch: „Im semiprofessionellen Bereich ist der Mindestlohn fällig.“ Das merkt auch Drittligist Jahn Regensburg, dessen Geschäftsführer Johannes Baumeister jüngst aufgeschreckt in den Medien reagierte. Ein Vertragsspieler muss mindestens 250 Euro verdienen, dürfte also bei dieser Summe nicht mehr als 29,4 Stunden im Monat arbeiten. Mit Training, Spielen und Besprechung kommen diese Stunden in Liga drei oder vier schnell zusammen.

„Die Ligen über uns werden ins Schwitzen kommen, und die Oberliga-Mannschaften, die wesentlich mehr in die Mannschaft stecken, geraten vielleicht in einen Grenzbereich“, vermutet Joschka Kleber, Geschäftsführer des Rotenburger SV. Beim Oberligisten sehen sie keine großen Probleme auf sich zukommen. „Wir sind so gut wie gar nicht betroffen“, glaubt auch RSV-Schatzmeister Thomas Lehmann. Zumal der Verein derzeit ohnehin nur einen Ver-tragsamateur in seinen Reihen habe. Bei Trainer Jan Fitschen, der neben seiner Tätigkeit für den Club auch noch als selbstständiger Unternehmer arbeitet und als Übungsleiter im Gefängnis in Bremervörde angestellt ist, sieht es womöglich etwas anders aus. „Das wird von unserem Steuerberater geklärt“, verrät Lehmann.

Etwas mehr Geld fließt bei den Erstliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes. Auf Lohnsteuerkarte arbeiten bei der BG ‘89 die hauptamtlichen Vereinstrainer Christian Greve und Thomas König sowie die ausländischen Spielerinnen und Profis JanaeYoung, Kierra Mallard, Ashley Harris und Katarina Flasarova, bestätigt Utz Bührmann, Vorstand Finanzen. „Aber die liegen alle deutlich über 8,50 Euro und damit über dem Mindestlohnniveau. Da brauchen wir nichts zu ändern“, ist er sich sicher.

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