Rotenburgs Rückraumakteur beendet Barnstorfer Aufholjagd – 30:25

Michel Misere nimmt es in die Hand

Mitte der zweiten Halbzeit erzielte Chris Ole Brandt (am Ball) zwei wichtige Treffer und hielt Barnstorf auf Distanz.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Als das Spiel in der Schlussphase zu kippen drohte, wusste Michel Misere, was zu tun war: Verantwortung übernehmen und Tore werfen! Und da der Ball immer wieder bei ihm landete, drängelte sich der Rückraumrechte des TuS Rotenburg mit seinem schnellen Antritt gleich mehrmals durch die offensive Abwehr der HSG Barnstorf/Diepholz, erzielte in den letzten vier Minuten vier Tore und stoppte damit maßgeblich die Aufholjagd der Gäste im Kellerduell der Handball-Oberliga. Ein 30:25 (13:9) stand schließlich auf der Anzeigetafel der Rotenburger Pestalozzihalle. Und aus den Boxen erklang – wenig nett für die Barnstorfer – der Stephan-Remmler-Song „Einer ist immer der Loser“.

„Das war ein super Spiel von Michel“, sparte Rotenburgs Coach Nils Muche nicht mit Lob und hob seinen 21-Jährigen, der mit sieben Treffern wieder bester Schütze war, besonders hervor. Für Barnstorfs Trainer Dag Rieken stand indes schnell fest, weshalb sein Team als Verlierer vom Feld gegangen war „Das war in der Defensive viel zu wenig, da mache ich der Mannschaft einen großen Vorwurf. Ich verstehe nicht, warum wir so schwach gedeckt haben.“ Immer wieder änderte er deshalb die Abwehrformation – ohne durchschlagenden Erfolg. Das gestand auch Kapitän Cedric Quader: „Wir spielen überhaupt keine Abwehr. Wir stehen ganz schlecht und gewinnen keine Zweikämpfe.“

Keeper Frederik Hohnstedt, der für den noch krankgeschriebenen Donatas Biras (Gehirnerschütterung) im Tor der Gäste stand, wurde da bisweilen ganz schön allein gelassen und hielt sein Team in manchen Phasen noch im Spiel. Die Mittelposition für den verletzten Marko Pernar übernahm Saulius Liutikas – „er war der Positivpunkt vorne und hat vieles umgesetzt“, stellte Rieken fest.

Rotenburg hatte es derweil wieder mit zwei Kreisläufern versucht. „Damit haben wir sie erst einmal vor Probleme gestellt“, fand Muche, stellte dann aber nach einer Viertelstunde doch um und brachte beim Stand von 5:5 mit Max Nowosadtko einen Spielmacher, der prompt Akzente setzte. „Er hat zweimal wunderbar gezündet und außerdem gut angesagt“, meinte der Coach, dessen Team bis zur Halbzeit durch den stark aufspielenden Rechtsaußen Luka Bruns mit 13:9 wegzog.

Kurz zuvor hatte es den einzigen echten Aufreger in einer ansonsten fair geführten Partie vor rund 250 Zuschauern gegeben. Erst waren sich Lukas Misere und der ihn beim Gegenstoß aufhaltende Kevin Heemann aneinandergeraten, dann mischte sich auch Quader ein und ging plötzlich zu Boden, als hätte Misere ihm eine Kopfnuss verpasst. „Getroffen hat er mich – aber alles gut, das gehört dazu. Ich wollte mal gucken, was die Schiedsrichter machen“, bemerkte Quader. „Ich habe nichts gemacht, er hat den Kontakt gesucht und sich fallengelassen“, meinte Misere wiederum. Die Unparteiischen Carsten Bohmbach/Marco Meyer (VfL Rastede) gaben beiden zwei Minuten.

Bis zur 51. Minute blieben die Rotenburger klar vorne und führten mit 24:19, dann aber hatten die Barnstorfer ihre stärkste Phase und lagen nach einem Doppelpack von Kreisläufer Andrius Gervé nur noch mit einem Tor im Hintertreffen (56.). „Da haben wir ein bisschen die Köpfe hängengelassen, haben als Team aber die Antwort gehabt und die Lücken ausgenutzt“, erklärte Michel Misere und wusste: „Dieser Sieg war echt wichtig.“

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