Ex-Profi Kovacevic über die Stuttgarter Kickers, das RSV-Spiel und Felix Magath

„Mentalität ist wichtiger als Talent“

Am Freitagabend trainierte Marijan Kovacevic mit seiner U 19 der Stuttgarter Kickers bereits im Ahe-Stadion. Am Sonntag spielt seine Elf gegen den Rotenburger SV. Foto: Imago images/ Baumann

Rotenburg - Von Vincent Wuttke. Am Freitagnachmittag kam der Mannschaftsbus der U 19-Fußballer der Stuttgarter Kickers an der Wümme an, am Abend stand dann bereits eine Trainingseinheit im Ahe-Stadion auf dem Plan. Am Sonntag (14 Uhr) bestreitet der Nachwuchs-Bundesligist der vergangenen Saison den Test gegen die Landesliga-Crew des Rotenburger SV in der Kreisstadt. Verantwortlicher Trainer der Stuttgarter ist Marijan Kovacevic. Er war in den 1990er-Jahren lange Zeit Profi beim Hamburger SV und VfL Wolfsburg. Im Interview sprach der Fußball-Lehrer und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums über die Partie, seine Talente und Training bei Felix Magath. Karten für die Partie gibt es noch. Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts, Erwachsene drei Euro.

Als gebürtiger Hamburger kennen Sie sich im Norden aus. Waren Sie denn schon einmal in Rotenburg?

Ich habe natürlich in der Jugend auch öfter mal in der Region gespielt. Aber ich kann mich nicht erinnern schon mal dort gespielt zu haben. Ich finde es natürlich aber toll, dass die Jungs den Norden mal sehen.

Wird Ihre Mannschaft dem RSV klar überlegen sein oder ist es vom Junioren- zum Herrenbereich so ein großer Unterschied?

Es ist ein Riesensprung in den Herrenbereich. Ich schätze, dass die Spieler von mir im Durchschnitt das Niveau einer guten Oberliga-Mannschaft haben. Die Besten von uns haben wohl auch schon genug Qualität für mehr.

Sie kommen für die Freundschaftsspiele gegen den Rotenburger SV und die U 19 des Hamburger SV nach Norddeutschland. Lohnt sich der Aufwand?

Als die Anfrage aus Rotenburg kam, haben wir auf jeden Fall alles versucht, damit die Jungs zwei Tage in der Schule frei bekommen. Bei uns sind ja noch keine Ferien. Und wir haben uns nach der Rotenburger Anfrage überlegt, es mit dem HSV-Spiel zu verbinden.

Arbeiten Sie mit Ihren Schützlingen auf professionellem Niveau?

Wir trainieren vier bis sechs Mal pro Woche. Anders geht es gar nicht, weil man sonst abgehängt wird und wir die Spieler auf das Maximum bringen wollen. Aber es kann auch mal sein, dass wir zwei Tage in Folge nicht trainieren. Allgemein bestehen wir ganz klar darauf, dass die Jungs eine duale Ausbildung bekommen. Sie sollen sich fußballerisch entwickeln und die Schule beenden.

Kann es denn sein, dass einige Ihrer Akteure später in den oberen Ligen landen?

Wir sind sehr offen und sagen den Talenten, dass es im Zweifel nicht für ganz oben reicht. Bei manchen wird es vielleicht in der 4. oder 5. Liga enden, manche werden höher spielen. Am Ende ist die Einstellung dafür verantwortlich, ob es die erste Liga oder achte Liga wird. Talent haben viele, am Ende sind Mentalität und Einstellung wichtiger. Und genau auf solche Eigenschaften setzen wir bei der Auswahl der Jugendlichen. Sie müssen verinnerlichen: Es stehen ihnen alle Türen offen, wenn sie in Vorleistung gehen.

Ihre Mannschaft ist aus der Bundesliga abgestiegen. Wie geht es nun weiter?

Wir spielen demnächst in der Oberliga Baden-Württemberg. In der Bundesliga waren wir deutlich der kleinste Verein und haben ein sehr achtbares Ergebnis erzielt.

Die Herrenmannschaft der Stuttgarter Kickers spielt nur noch in der Oberliga. Kommen die größten Talente noch zu Ihnen?

Wir sind grundsätzlich sehr regionalbezogen, weil wir auch kein Internat haben. Die Möglichkeiten bei uns sind im Vergleich zu den großen Vereinen der Region nicht die allerbesten, auch wenn sie schon sehr gut sind. Das Problem für uns ist, dass in der Region auch Vereine wie Hoffenheim, Kaiserslautern, der VfB Stuttgart und viele mehr graben.

Lohnt es sich für eine Oberliga-Mannschaft überhaupt, ein Nachwuchsleistungszentrum zu betreiben?

Es wäre natürlich ohne Frage besser, wenn unsere Herren wieder höher spielen würden. Deshalb geben wir auch viele unserer besten Talente ab, wenn sie es ganz oben versuchen wollen, obwohl wir ein ambitionierter Verein sind und zwischen der U 12 und U 19 in jedem Jahrgang eine Leistungsmannschaft haben. Wir wollen nach unserer Philosophie vor allem für unsere eigene Mannschaft ausbilden. Jetzt im Sommer haben wir zum Beispiel fünf Jungs in die Oberliga gebracht.

Sie haben in Ihrer Karriere zwischen 1995 und 1997 unter Felix Magath in Hamburg gespielt. Sind Sie also auch ein schonungsloser Trainer?

Ich finde nicht, dass Felix Magath so ein harter Trainer ist, wie es immer gesagt wird. Dieser Spitzname ,Quälix’ passt für mich nicht. Wenngleich ich natürlich sagen muss, dass ich einige Klagen am Hals hätte, wenn ich einige seiner Übungen übernehmen würde (lacht). Ich schaue aber schon, dass die Talente an ihre Leistungsgrenze gehen.

Also kommt es auf die Mischung aus hartem Hund und Kumpeltyp an?

Nur der harte Hund zu sein, reicht vielleicht maximal ein Jahr. Dann geht es nicht mehr. Ich achte immer auf das gegenseitige Vertrauen. Ich verlange viel, aber die Jungs wissen auch, wieso.

Hilft es Ihrem Ansehen, dass Sie selbst Profi waren?

Ich brauche nicht herumschreien bei Ansprachen und rede immer leise. Wenn ich etwas erkläre, weiß jeder, dass ich es nicht vorher in einem Buch nachlesen musste. Dadurch kann ich auch schneller etwas erklären, weil ich die Dinge selbst gelernt habe.

Sie haben beim VfB Stuttgart in der U 15 Talente wie Joshua Kimmich oder Serge Gnabry trainiert. Wer war bisher Ihr bester Akteur?

Ich könnte natürlich einen nennen, aber das würde vielen nicht gerecht werden. Aber ich sage mal, es waren schon sehr viele große Talente dabei.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

US-Amerikaner gedenken Mondlandung vor 50 Jahren

US-Amerikaner gedenken Mondlandung vor 50 Jahren

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Fotostrecke: Enttäuschung gegen Osnabrück, Jubel gegen Köln

Fotostrecke: Enttäuschung gegen Osnabrück, Jubel gegen Köln

Meistgelesene Artikel

Schiedsrichter-Lehrwart klärt neun knifflige Fußball-Fälle auf

Schiedsrichter-Lehrwart klärt neun knifflige Fußball-Fälle auf

Ebersbach fehlen vier Akteure

Ebersbach fehlen vier Akteure

Klassifizierung des Handspiels

Klassifizierung des Handspiels

Reiter erhält die Freigabe

Reiter erhält die Freigabe

Kommentare