HALBZEIT Tim Ebersbach über die Hinserie, die Erfolgsgründe und die Oberliga

„Mentalität ist unsere große Stärke“

Junge Spieler einbauen (wie hier Jannik Niepel) und trotzdem erfolgreich Fußball spielen lassen – Coach Tim Ebersbach (r.) gelingt beim RSV beides. Foto: Freese

Rotenburg - 2019 hat kein Verein der Fußball-Landesliga Lüneburg so viele Punkte gesammelt wie der Rotenburger SV. In den vergangenen zwölf Monaten holte das Team von Coach Tim Ebersbach 20 Siege und drei Unentschieden bei fünf Niederlagen. Punktgleich mit dem Spitzenreiter MTV Treubund Lüneburg ist die Wümme-Elf als Tabellenzweiter in die Winterpause gegangen. Logisch, dass im Interview mit Ebersbach auch das Thema Oberliga zur Sprache kommt.

Der RSV ist punktgleich mit Treubund Lüneburg, hat aber ein Spiel weniger bestritten. Geht Ihr Team da als Titelaspirant Nummer eins in die Rückrunde?

Wir selbst sehen es am wenigsten so. Ich denke, wenn man in der Liga fragt, steht Treubund Lüneburg immer noch an Position eins, gefolgt von der SV Ahlerstedt/Ottendorf. Aber viele trauen uns nun eine Mitfavoritenrolle zu, was vor der Saison nicht der Fall war. Wir werden es aber nicht ausrufen, dass wir oben mitspielen müssen.

Haben Sie sich denn mit dem Thema Oberliga schon beschäftigt? Zumindest will der Verein ja die Zulassung beantragen.

Die Momentaufnahme ist toll. Wirklich haben wir uns damit aber nicht beschäftigt. Unser Auftrag ist es, mit jungen Spieler zu arbeiten und sie einzubauen. Es ist ja keine Selbstverständlichkeit, dass es in der Rückrunde so weiterläuft. Wir haben auch ein knackiges Auftaktprogramm nach der Winterpause. Keine Mannschaft hat diese Saison aber das Niveau wie Eintracht Celle im Vorjahr, sodass es realistisch ist, oben mithalten zu können.

Käme ein Aufstieg für den RSV zu früh?

Ich denke, es würde für alle Landesligisten mit ihrem derzeitigen Kader schwer in der Oberliga werden. Wir wissen, dass unsere Jungs von der Reife und der Erfahrung her noch nicht so weit sind. Verzichten würden wir mit Sicherheit nicht, aber in zwei, drei Jahren wäre vielleicht der perfekte Zeitpunkt. Es ist viel Potenzial da, aber wenn man ehrlich ist, bräuchte man fünf, sechs gestandene Spieler dazu. Das würden wir dem Team aber nicht antun wollen.

Also wären Sie ein wenig in der Zwickmühle?

Ja. Unsere erfahrenen Spieler funktionieren in der Landesliga alle top, aber in der Oberliga mit dem Pensum und der Intensität würden auch sie in andere Rollen fallen. Allerdings würde ich mit dem Team jede Herausforderung annehmen. Wir haben mehr als zwei Punkte im Schnitt – das ist eine Quote, die oft für den Aufstieg reicht. Dass wir so eine Konstanz auf diesem Niveau haben, hätten wir uns nicht erträumen lassen – gerade wenn man die erste Elf sieht, in der immer einige Spieler unter 23 sind.

Was für Risiken birgt ein Aufstieg?

Wir wissen, dass wir sportlich und finanziell was tun müssten. Aber tut das der Mannschaft gut? Ein Beispiel ist doch Blau-Weiß Bornreihe. Die sind sang- und klanglos abgestiegen und nur der harte Kern ist geblieben. Um keinen Preis wollen wir aber unsere Mannschaft verkaufen. Wenn wir hochgehen, dann gemeinsam. Wir würden versuchen, wie jedes Jahr punktuell zwei, drei Verstärkungen zu bekommen.

Könnte der RSV in der Oberliga nicht auch konkurrenzfähiger sein, wenn es darum geht, talentierte Spieler aus der Region zu verpflichten?

Sie haben Recht, es ist auch eine Chance. Es spricht sich herum, dass wir keine Angst haben, die Jüngeren für die Älteren zu bringen. Ich glaube, dass Christoph Drewes (spielender Co-Trainer, Anm. d. Red.) und ich bewiesen haben, dass wir aus jungen Spielern etwas basteln können.

Ist die Oberliga sportlich denn attraktiv genug?

Wir sind damals runtergegangen und haben gesagt, die Oberliga macht eh keinen Spaß mehr, wenn du teilweise nur vor 30 oder 50 Zuschauern spielst. Aber zurzeit ist sie interessant. Wir hätten die Derbys mit dem TB Uphusen und dem Heeslinger SC, dann ist Atlas Delmenhorst als Mega-Traditionsverein dabei. Die alte Oberliga, die ich noch von früher kenne, kommt so langsam wieder – das würde mich reizen.

Was haben Uphusen und Heeslingen, was der RSV nicht hat?

Rotenburg ist ein Traditionsverein. Aber ich glaube, finanziell sind das noch Welten zu dem, was die anderen für Spieler zur Verfügung haben. Wir sind in der Landesliga im oberen Drittel – aber das sind noch einmal Wahnsinnssprünge zur Oberliga.

Kommen wir zurück zur Landesliga. Was macht den RSV so stark?

Mentalität kann man trainieren. Und eben das ist eine der großen Stärken unserer Mannschaft. Die Art unseres Spiels ist auf Tempo und Intensität ausgelegt. Und da sind wir immer stärker geworden. Dass wir so eine Serie hinlegen, ist der Wahnsinn, zeigt aber auch, dass wir in der Breite gut aufgestellt sind. Wenn wir wechseln, kommen immer Spieler mit Qualität.

Selten spielen Sie dabei mit derselben Startelf ...

Dass wir gerne rotieren, ist kein Geheimnis. So haben auch unsere U 23-Spieler ihre zehn Spiele plus gemacht. Unser Bestreben muss es sein, den jungen Leuten das Gefühl zu geben, wenn du beim RSV spielst, machen die dich besser. Platz zwei ist die Belohnung. 90 Prozent der Jungs haben 90 Prozent oder mehr Trainingsbeteiligung. Yannick Chwolka und Michel Müller sogar 100 Prozent.

Und wer ist für Sie der Spieler der Hinrunde?

Von der Entwicklung her muss man Karol Karpus nennen. Er hat sich vom Ergänzungsspieler zum Stammspieler gemausert. Er ist fußballerisch, körperlich und menschlich in eine Führungsrolle reingerückt. Von der Auffälligkeit her ist es Stefan Denker. Ich glaube, in Uphusen hat er in zwei Jahren kein Tor geschossen, jetzt ist er als Mittelfeldspieler unser Top-Torschütze. Als Dritter wäre es Marceollo Muniz, wenn man sieht, was er spieltechnisch und taktisch für einen Schub gemacht hat. Die Basics wie Einrücken, Verschieben und so weiter waren für ihn zunächst böhmische Dörfer. Mittlerweile ist es von unseren Flügelspielern derjenige, der am meisten defensiv arbeitet. Aber auch die jungen Spieler haben eine positive Entwicklung genommen. Und ein Yannik Funck hat für mich den besten Freistoß, den ich seit Aleksandr Milakovic gesehen habe.

Ihr Team beherrscht mehrere Spiel-Systeme. Ist das ein Plus gegenüber der Konkurrenz?

Ja, weil wir taktisch und von der Spielformation her so flexibel sind. In meinem ersten Jahr haben wir noch destruktiv und auf Konter gespielt. Defensiv hatten wir immer eine gute Achse. Aber wir haben mit der Zeit Theorie und Praxis verbunden und umgesetzt, was wir spielen wollen – einfach und schnell.

Im Sommer gab es kaum Fluktuation im Kader, das Team wirkt dadurch sehr eingespielt.

Wir haben uns bewusst dazu entschieden, den Kader klein zu halten und keine großen Kaliber zu holen. Es ist doch ein Erfolg für Torsten (Krieg-Hasch, Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) und mich, dass die Jungs das so bestätigen.

Wird es denn im Winter Veränderungen geben?

Ich würde mir das wünschen, weil der Kader recht klein ist. Aber Tim Potratz wird zum 1. Januar wieder einsteigen. Auchvon Atilla Iscan glaube ich, dass er eine Option ist. Fluktuation in beide Richtungen ist möglich, aber da ist noch nichts konkret.

Schneller als erwartet ein Titelaspirant 

Ein Kommentar von Matthias Freese

Der Rotenburger SV steckt in der Zwickmühle: Das Team ist schneller zu einem Aufstiegsaspiranten gereift, als es die Verantwortlichen erwartet hätten. Also muss ab sofort zweigleisig geplant werden – für die Landesliga und die Oberliga. Nicht ganz einfach, denn Geld soll nicht verbrannt werden. „Legionäre“ – wie früher üblich – sind unerwünscht. Richtig so! Auch wenn ein Aufstieg ein gewisses Risiko birgt, weil es womöglich zu früh kommt, da das Umfeld und der Unterbau noch nicht so weit sind – er ist doch das Ziel eines jeden ambitionierten Fußballers. Sollte die Mannschaft also tatsächlich an die Hinrundenerfolge anknüpfen und am Ende ganz oben stehen, dann hat sie es sich auch verdient. Genau wie die Chance zu beweisen, dass sie doch schon Oberliga kann.

Zahlen und Fakten RSV 

Spielklasse: Landesliga 

Aktueller Tabellenplatz: 2 

Unser Tabellenplatz-Tipp vor der Saison: 6 

Spiele / Punkte / Tore: 16 / 35 / 41:21 

Siege / Unentschieden / Niederlagen: 11 / 2 / 3 

Punkte pro Spiel: 2,19 

Tore pro Spiel / Gegentore pro Spiel: 2,56 / 1,31 

Beste Torschützen: Stefan Denker (10), Arthur Bossert (6) 

Eingesetzte Spieler: 20 

Meiste Einsätze: Yannik Funck (16), Stefan Denker (16), Lucas Chwolka (16), Björn Mickelat (16), Yannick Chwolka (16) 

Höchster Sieg: 6:1 gegen den SV Emmendorf 

Höchste Niederlage: 2:4 bei Treubund Lüneburg 

Rote Karten: - 

Gelb-Rote Karten: - 

Gelbe Karten: 33

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