1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Kreis Rotenburg

Meistertrainer Jan Rosenbrock: „Wir reiten eine ganz coole Welle“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Freese

Kommentare

Jan Rosenbrock geht über den Platz in Horstedt.
Seit 2019 trainiert Jan Rosenbrock Grün-Weiß Helvesiek. Nun führte er den Club frühzeitig zum Titel und Aufstieg in die Kreisliga. © Krause

Jan Rosenbrock hat Helvesiek zum Meister in der 1. Kreisklasse Süd geführt. Im Interview spricht er über seine Erfolgsgründe und die Kreisliga.

Helvesiek – Jan Rosenbrock ist ein schlechter Verlierer – sagt er selbst. Insofern ist der 38-jährige Schifffahrtskaufmann beim SV GW Helvesiek genau richtig. Mehr als anderthalb Jahre liegt die letzte Niederlage schon zurück. Die logische Konsequenz: Das Team schaffte Sonntag den vorzeitigen Titelgewinn in der 1. Fußball-Kreisklasse Süd und den Aufstieg in die Kreisliga. Am Tag danach haben wir mit Rosenbrock über das Erfolgsrezept und die höhere Liga gesprochen.

Glückwunsch zum Titel und Aufstieg! Wie lange ging die Party denn?

Für mich nicht so lange, ich musste früh aufstehen, weil meine Tochter zur Schule musste. Ich bin so um halb zwölf abgehauen. Ich habe aber auch ein Alter erreicht, in dem man sagt: Lass‘ die Jungen mal allein weiterfeiern. Ich hatte mir aber schon wohlwissend frei genommen.

Wurde beim „Umtrunk“ auch ergründet, wann Helvesiek eigentlich zuletzt so hoch gespielt hat?

1999/2000 war das letzte Jahr in der Kreisliga, dann wurde aus Helvesiek und Lauenbrück ja der FC Fintau. Es ging anschließend schnell bis in die 2. Kreisklasse runter, dann wieder in die 1. Kreisklasse hoch, da war ich noch dabei. 2012 wurde der FC Fintau dann aufgelöst.

Jetzt also nach 22 Jahren wieder die höchste Liga im Kreis – welchen Anteil hat der Trainer?

Gar keinen. Vielleicht ein Prozent. Ich stehe ja nicht auf dem Feld. Man gibt kleine Ratschläge, man muss sie mal aufwecken und gewisse Dinge muss man neben dem Platz auch beachten. Du bist hier mehr der Erzieher.

Haben Sie ein Beispiel?

Man muss nicht bis halb sechs rumlungern, nur weil es gegen den Tabellenletzten geht. Da flippe ich dann aus. Danach haben wir es mit diversen Maßnahmen hinbekommen. Und da hat ausnahmslos jeder mitgezogen.

Die letzte Niederlage gab es im Oktober 2020 – die Serie spricht auch für Sie ...

Aber ich rede nicht über mich selbst. Das müssen andere machen. Ziel war es ja mal 2019, als ich die Mannschaft auf Platz neun oder zehn übernommen habe, nicht abzusteigen.

Eine starke Erfolgsbilanz steht seitdem zu Buche.

Man muss aber auch sagen, dass wir vor einer Woche gegen den FC Nordheide fällig gewesen wären (2:2, Anm. d. Red.). Das Spiel hätten wir 2019 noch verloren. Jetzt haben wir Nehmerqualitäten und das Selbstbewusstsein.

Was zeichnet Ihr Team denn vor allem aus?

Dass 75 Prozent der Leute, wenn ich ihnen etwas beibringen möchte, zuhören, das verinnerlichen und umsetzen wollen. Wir hatten ein katastrophales Kopfballspiel, daran haben wir extra gearbeitet und diese Saison bestimmt fünf bis sieben Kopfballtore gemacht. Unser erster Kontakt war fürchterlich – das haben wir ebenfalls trainiert und ernten langsam die Früchte. Alle haben eine Entwicklung durchgemacht, vor der ich den Hut ziehe. Ein Jonas Albrecht hat früher den Ball nur blind rausgeschlagen – da hat er einen Riesenschritt gemacht. Außerdem haben wir punktuell Leute dazu bekommen, die einen Bezug zu uns hatten und bei ihren Stammvereinen auf dem Abstellgleis standen.

Und wen können Sie neben Goalgetter Max Müller hervorheben?

Enorm wichtig ist, dass wir mit Clemens Windeler den besten Torwart der Liga haben. Hinzu kommt hinten mit Tobias Schiller unser Lautsprecher und Kapitän. Für ihn ist das die erste Saison nach seinem Kreuzband-riss. Sönke Prigge ist unser Motor und wichtigster Mann auf dem Feld. Und vorne ist da Jona Prigge, wenn er nicht auf großer Reise wäre.

Manch Aufsteiger musste auch schnell wieder runter. Warum ist Helvesiek kein One-Hit-Wonder?

Das kann uns auch passieren. Ich werde einen Teufel tun und jetzt große Reden schwingen. Die Kreisliga ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Da sind noch mal andere Sachen gefordert. Wenn wir da nach Alfstedt fahren, brauchen wir mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei nicht anzufangen.

Und das Team muss sich ans Verlieren gewöhnen ...

Das müssen wir ganz sicher. Ich glaube, da haben die Jungs aber weniger Probleme mit als ich. Ich hasse nichts auf der Welt so, wie zu verlieren. Dann bin ich ungenießbar. Wir reiten seit 2019 jetzt eine ganz coole Welle, die aller Ehren wert ist. Bei Niederlagen wird sich zeigen, wie es wirklich bei uns aussieht.

Wie sehen die Personalplanungen aus?

Ich glaube, gehen wird keiner. Ich würde schon gerne ein, zwei Leute dazuholen, aber da gibt es noch keinerlei Gespräche. Der Fokus lag bisher auf der Aufstiegsrunde.

Ihrem Nachbarn TV Stemmen droht der Abstieg. Hoffen Sie, dass der Rivale drinbleibt oder wünschen Sie sich das Alleinstellungsmerkmal in der Samtgemeinde Fintel?

Ich sage es mal so: Es wäre für alle ein Highlight, gegen Stemmen in der Kreisliga zu spielen. Ich wünsche keinem etwas Böses, hätte aber auch nichts gegen eine Wachablösung und dass Helvesiek die Nummer eins in der Samtgemeinde ist.

Auch interessant

Kommentare