„Meine Zeit ist vor dem Spiel“

Hannover 96: Unterwegs mit dem Stadion-DJ Sven Stelter

Alte Liebe: Sven Stelter heizt seit 2003 als Stadion-DJ den Fans von Hannover 96 ordentlich ein – egal ob in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga. Fotos: Oetjen
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Alte Liebe: Sven Stelter heizt seit 2003 als Stadion-DJ den Fans von Hannover 96 ordentlich ein – egal ob in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga.

Hannover - Es ist 16 Uhr. Noch sind es viereinhalb Stunden bis zum Spielbeginn. Der Arbeitstag von Sven Stelter beginnt. Es dauert nicht mehr lange, bis der Rotenburger Zehntausenden Fußballfans einheizen wird. Anzeichen von Nervosität? Fehlanzeige.

„Diese Zeiten sind vorbei“, sagt der 47-Jährige schmunzelnd, während er in seinem geräumigen Seat Alhambra auf der A 27 unterwegs ist. Stelter steuert die HDI Arena von Hannover 96 an. Er ist Stadion-DJ der Niedersachsen und soll vor, während sowie nach dem Zweitliga-Heimspiel gegen Holstein Kiel für ordentlich Stimmung sorgen.

Einen kleinen Zwischenstopp macht der Rotenburger am Autohof Schwarmstedt. „Für unseren Stadionsprecher“, erklärt Stelter. Er zeigt auf einen schwarzen BMW, aus dem wenig später ein blonder Mann aussteigt. Im Alhambra sitzend stellt er sich vor. Es ist Henrik Hanses vom NDR 2, dem Medienpartner von Hannover 96. Er ist Radiomoderator und einer von zwei Stadionsprechern der Roten. Während sich der 33-Jährige mit Stelter ein Sprücheklopfer-Duell liefert, vergeht die restliche Autofahrt wie im Flug.

Spieltag: Gut drei Stunden vor der Partie gegen Holstein Kiel ist Ankunft in der HDI Arena von Hannover 96.

Es ist 17.07 Uhr. Noch sind es knapp dreieinhalb Stunden bis zum Spielbeginn. Stelter parkt direkt vor dem Stadion. Aus dem Kofferraum holt er einen kleinen schwarzen Koffer, an dem unzählige Sicherheitsbändchen in verschiedensten Farben von Hannover 96 befestigt sind. Weniger später soll bei der Einlasskontrolle ein orangefarbenes Band dazukommen – alles nicht mehr als Routine für den Rotenburger.

Nach den obligatorischen Begrüßungen in den Katakomben geht‘s durch den Spielertunnel direkt an den Platz des Stadions. Noch ist kein Zuschauer zu sehen. Auf der Leinwand läuft ein Countdown. Mittlerweile sind es noch gut drei Stunden bis zum Anpfiff. „Ach ja ... Hier habe ich schon geile Geschichten erlebt“, schwelgt Stelter in Erinnerung. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen. Der Rotenburger erzählt einige Anekdoten seiner Amtszeit als Stadion-DJ.

Kaugummis, Lutschpastillen und Salbeibonbons: Sven Stelter ist am Arbeitsplatz bestens ausgestattet.

Diese dauert mittlerweile übrigens schon gut 17 Jahre. „Ich habe als Back-up von einem Kumpel angefangen. 2003 war ich bei vier Spielen dabei und ab 2004 bei jeder Heimpartie“, berichtet er stolz. Seinen Einstand gab er gegen Borussia Dortmund im Pokal. „Damals war ich noch total nervös“, erinnert sich der 47-Jährige. Heutzutage überwiegt aber der Spaß: „Das ist halt ein Job, den nicht jeder macht.“

Es ist 18 Uhr. Noch sind es zweieinhalb Stunden bis zum Spielbeginn. Die Vorbesprechung steht an. Wo für gewöhnlich die Pressekonferenzen von Hannover 96 stattfinden, versammelt sich nun das Team um Regisseur Jonas Kozinowski. Die Kabinensongs von Holstein Kiel sind im Hintergrund gut zu hören. In großer Runde wird der 14-seitige Ablaufplan en détail besprochen – inklusive der sekündlich angepassten Musikslots. „Meine Zeit ist nämlich vor dem Spiel“, wie der Rotenburger verrät.

John Guidetti hat das 1:0 geschossen. Logisch, dass sein persönlicher Torsong durchs Stadion schallte.

Kaffee, Cola und spannende Gespräche später ist es 19.30 Uhr. Noch eine Stunde bis zum Spielbeginn. Mit dem Popsong „What a man gotta do“ von den Jonas Brothers eröffnet Stelter das Vorprogramm. Seine DJ-Kabine steht nur wenige Meter entfernt vom Spielfeldrand und der Auswechselbank der Roten. Die kommende Stunde verbringt er mit Absprachen mit der Regie. „Es ist hier wie eine Liveshow – alles muss stimmen“, sagt er. Ein Beispiel: Sofort, wenn 96-Keeper Ron-Robert Zieler den Platz zum Aufwärmen betritt, muss Stelter das Lied „Glorious“ von Macklemore spielen. Da kommt es auf Sekunden an – genau wie bei einem Torerfolg der Gastgeber.

Es ist 20.41 Uhr. Das Spiel läuft seit elf Minuten, als 96-Stürmer John Guidetti das 1:0 erzielt. Direkt schallt sein persönlicher Torsong, den Stelter erst wenige Stunden vor Anpfiff ins Repertoire aufgenommen hatte, durch die HDI Arena. Der Rotenburger kommentiert die Reaktion nur zufrieden mit einem Lächeln. Nach der Halbzeit macht Kiel das Spiel noch mal spannend. Fußball-Fan Stelter fiebert am Spielfeldrand lauthals mit. Er analysiert die Partie.

Knöpfe, Regler und viele Lichter: Am Mischpult muss jeder Handgriff von Sven Stelter sitzen.

Es ist 22.23 Uhr. Das Spiel ist vorbei. Hannover hat mit 3:1 (1:0) gewonnen. Die Freude ist groß. Der Familienvater spielt die 96-Kultsongs, die die Fans laut mitgrölen. Ein gelungener Abend. „Das war klasse. Hätte ich keinen Spaß an dem Job hier, würde ich ihn sicher nicht mehr machen“, betont Stelter.

22.45 Uhr. Eigentlich Zeit für die Nachbesprechung. Die verschiebt sich aber deutlich nach hinten. Für Stelter kein Problem. Die Zeit überbrückt er mit einem Telefonat.

Gut zehn Stunden nach Arbeitsbeginn tritt der 47-Jährige die Heimfahrt an. Er wirkt zwar etwas kaputt vom Tag, aber zufrieden. Während er auf der A 27 die Kilometer hinter sich lässt, überlegt er, welche Wünsche er fürs Frühstück bei seiner Frau Diana äußert. „Es ist schon wichtig, dass sie hinter mir steht. Ohne sie wäre das nicht möglich.“

Zur Person: Sven Stelter

Sven Stelter ist am 19. August 1972 in Rotenburg geboren und in Hellwege aufgewachsen. Nach einer Ausbildung im handwerklichen Bereich holte er sein Fachabitur nach. Anschließend arbeitete er bei Daimler in Bremen. 2006 hat der 47-Jährige dem Unternehmen den Rücken gekehrt und einen Job bei Airbus angetreten – als Fluggeräte-Mechaniker in Hamburg. Neben dem Beruf sorgt Stelter als DJ Sven auf Partys der Region und in der HDI Arena bei Hannover 96 für Stimmung und ist im JFV Rotenburg aktiv – als Sportlicher Leiter und Coach der U 14. Er lebt mit Frau Diana (39), seinen Söhnen Janus (13) und Lenn (9) sowie Hund Frodo in Rotenburg.

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