Lust auf Profitour

Rotenburger Aziz Kijametovic: „Mein Ziel sind die Top 100“

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Aziz Kijametovic trainiert täglich mehrere Stunden, um Profi zu werden. Derzeit ist er regelmäßig auf dem Rotenburger Court anzutreffen.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Aziz Kijametovic ist der Mann, der den Unterschied ausmacht. Als 16-jähriger Jungspund verstärkte der Bosnier 2013 erstmals den TC Grün-Weiß Rotenburg.

Seitdem kehrt er im Sommer regelmäßig für einige Punktspiele zurück an die Wümme – obwohl er seit drei Jahren mit einem Sportstipendium an der Old Dominion University in Norfolk (Virginia/USA) Betriebswirtschaft studiert. Vor dem Heimspiel am Sonnabend (14 Uhr) gegen die Spvg Haste sprachen wir mit ihm auch über seine Zukunftspläne.

Sie sind inzwischen 21. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Rotenburger Jahr?

Aziz Kijametovic: Ja. 2013 war mein erster Sommer hier. Ich erinnere mich, dass ich damals mein allererstes Match gegen Philipp Barautzki gespielt habe, weil er noch in einem anderen Club (SV Lauenbrück, Anm. d. Red.) war. Das war aufregend, aber ich habe gut gespielt und gewonnen.

Seitdem holt Sie Trainer Zlatan Burina immer wieder nach Rotenburg. Bei ihm wohnen Sie dann auch.

Kijametovic: Es ist für mich wie eine Familie, wir sind uns sehr nahe. Ich mag es, es ist eine nette Atmosphäre. Und es macht viel Spaß, mit den Jungs zu trainieren.

Haben Sie kein Problem, Ihre Heimat zu verlassen? Sie studieren in den USA, waren jetzt nur kurz in Tuzla bei den Eltern, um wieder nach Rotenburg zu kommen.

Kijametovic: Das ist eine andere Geschichte. Ich war die letzten neun Monate in den USA, dann nur drei Tage zu Hause, um nach Deutschland zu kommen. Aber es ist, wie es ist. Ich möchte professionell Tennis spielen, also muss ich das so akzeptieren.

Nach dem Spiel gegen Haste geht es nach Hause oder haben Sie andere Pläne?

Kijametovic: Ich habe für ein paar ITF-Future-Turniere in Deutschland gemeldet – in Kamen und Saarlouis. Dann noch in Bad Schussenried, vielleicht spiele ich stattdessen auch in Österreich. In Deutschland habe ich die Möglichkeit dieses Wettkampfes, es sind stark besetzte Turniere. Danach erhole ich mich ein bisschen in Bosnien, dann geht es zurück an die Arbeit, ans Training. Und Ende August fliege ich zurück in die Staaten.

Sie sind nicht der einzige aus Ihrer Familie, der momentan in Deutschland ist, richtig?

Kijametovic: Mein Bruder lebt in der Nähe von München, er ist drei Jahre älter. Ich habe auch sein Auto bekommen, um hierher zu kommen.

Sie haben in den USA ein Sportstipendium erhalten. Womit verbringen Sie dort mehr Zeit – mit Tennis oder mit dem Studium?

Kijametovic: Für mich ist es mehr das Tennis, aber ich muss natürlich beide Seiten im Blick behalten – das tue ich. Alles läuft bis jetzt gut.

Stellen Sie fest, dass Sie die Staaten sportlich weitergebracht haben?

Kijametovic: Ja. Ich verbessere mich momentan deutlich. Wir haben sieben, acht, neun Jungs, die ein hohes Niveau haben. Wir trainieren täglich zwei bis drei Stunden, manchmal mehr. Und mein Coach ist aus Deutschland (Dominik Müller, Anm. d. Red.).

Wie ist das Niveau dort einzuschätzen?

Kijametovic: Wir spielen mit dem College-Team in der höchsten Universitäts-Division. Die ist schon sehr stark besetzt, ich denke vom Niveau auf jeden Fall höher als die Oberliga in Deutschland. Da gibt es schon eine Menge gute Jungs aus der ganzen Welt, die auch nach dem College auf Profitour gehen.

Wie lief es für Sie bisher?

Kijametovic: Mein gesamtes letztes Jahr lief hervorragend. Nachdem ich im zweiten Jahr immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, bin ich stärker zurückgekommen. Meine höchste Position unter allen Collegespielern dieser Division war Platz 73. Im Doppel habe ich Platz 20 im Ranking erreicht. Ich hatte wirklich eine gute Saison und bin Conference-USA-Spieler des Jahres geworden.

Wie lange bleiben Sie noch in den USA?

Kijametovic: Noch ein Jahr.

Und dann wollen Sie auch Profi werden?

Kijametovic: Das ist mein Traum und mein Antrieb. Ich möchte meinen Fokus noch mehr auf Tennis legen. Dafür muss ich mir aber Sponsoren suchen, denn auf die Profitour zu gehen, das ist teuer. Aber ich könnte nicht damit leben, wenn ich es nicht versuchen würde.

Sie werden mit den Future-Turnieren starten müssen.

Kijametovic: Ja, aber es geht da nicht ums Preisgeld, sondern um Ranglistenpunkte, um dadurch an die größeren Turniere zu kommen. Dafür musst du etliche Future-Turniere spielen. Deshalb hoffe ich auch, dass ich Leute finde, die an mich glauben.

Sie gelten als ehrgeizig und trainingsfleißig. Sind Sie es?

Kijametovic: Ich denke schon. Ja, das bin ich.

Und was ist Ihre stärkste Waffe?

Kijametovic: Sicherlich meine Vorhand.

Haben Sie noch Vorbilder?

Kijametovic: Früher war Roger Federer mein Vorbild. Inzwischen ist es Damir Dzumhur. Er kommt auch aus Bosnien und hat sich in der Weltrangliste weit hochgekämpft. Gerade wenn du aus Bosnien kommst, ist es nicht einfach, so erfolgreich zu sein. Deshalb habe ich auch den Weg gewählt, in die USA zu gehen.

Welche Platzierung streben Sie in der Weltrangliste an und welches Turnier würden Sie gerne mal spielen?

Kijametovic: Mein Ziel ist es, unter die Top 100 der Welt zu kommen und mal in Flushing Meadows zu spielen – die Atmosphäre ist unglaublich.

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