Verlängerung beim TuS Rotenburg

Trainer Nils Muche spricht über die Hinrunde sowie die Ziele

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Nils Muche ist ein Trainer, der am Spielfeldrand Emotionen zeigt und durchaus auch mal lauter wird, wenn ihm etwas nicht passt.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Jetzt haben sie frühzeitig Klarheit, die Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg. Trainer Nils Muche hängt im Sommer ein weiteres Jahr dran, es wird sein fünftes werden.

Wenige Tage nach dem letzten Spiel vor der Winterpause – und passend zum Fest – nahm er das Angebot des Vorstandes an. „Das ist super für uns!“, freut sich Teammanager Michael Polworth. Warum der 49-jährige Schneverdinger weitermacht und wie er die Hinrunde bewertet, verrät er im Interview.

Bereits jetzt steht fest, dass Sie über die Saison hinaus bleiben. Was war ausschlaggebend, beim TuS Rotenburg zu verlängern?

Nils Muche: Die Arbeit mit den Jungs macht mir Spaß, das Umfeld ist sehr in Ordnung, die kümmern sich unheimlich. Ich habe einfach Spaß, auch wenn ich mich mal über das eine oder andere ärgere. Das ist aber auch mein Naturell, ich bin Perfektionist. Ich habe auch viel positive Resonanz bekommen und gehört, dass die Spieler es nicht so schlimm finden, wenn ich weitermache. Da habe ich gedacht, es ist ein Zeichen, wenn ich nicht noch bis nach Weihnachten warte.

Haben Sie denn überlegen müssen?

Muche: Ich habe tatsächlich ein bisschen überlegen müssen, da mir das eine oder andere in der Vergangenheit nicht gepasst hat. Zum Beispiel, dass unsere Vorbereitung sehr stockend verlaufen ist. Und natürlich das Ding in Hatten-Sandkrug, das mich echt gewurmt hat (zwei Spieler waren der Pausenansprache ferngeblieben, Anm. d. Red.). Das haben wir aber ausgeräumt. Als Trainer hinterfragt man sich, ob es auch Abnutzungserscheinungen gibt. Wenn du fünf Jahre da bist und sich die Mannschaft nicht verändert, dann wiederholen sich auch mal die Ansprachen und Trainingsinhalte.

Das heißt, dass ins Team nächste Saison frisches Blut reinkommen muss?

Muche: Nächstes Jahr wird sicher etwas passieren. Der eine oder andere wird es vielleicht nicht schaffen, hört auf oder wird von mir in die Zweite geschickt. Dann haben wir in der Zweiten Daniel Barkholdt, Tim Kesselring und Jan Nowosadtko, die ja sehr talentiert sind. An einigen Spielern, die uns verbessern würden, sind wir auch dran.

14:12 Punkte nach der Hinrunde – eigentlich alles super, oder doch nicht?

Muche: Doch, doch, das sieht schon alles gut aus, wenn man auch bedenkt, dass uns ein Patrick Zahn unheimlich fehlt und auch Jens Behrens als körperlich starker Spieler lange verletzt ausgefallen ist. Da lastet dann schon viel Druck auf drei, vier Spieler.

Ist Ihr Team flexibler geworden? Lukas Misere spielt inzwischen häufig auch im Rückraum. Oder ist es aus der Not heraus entstanden?

Muche: Ich musste was verändern, weil ich wusste, dass die Gegner sich sehr auf Lukas auf Linksaußen konzentrieren. Das ist ja auch aufgegangen. Lukas ist so schnell und flexibel, der ist fast nicht zu verteidigen. Zum Ausruhen darf er jetzt auf Linksaußen, ansonsten spielt er im Rückraum.

Wer ist für Sie der Spieler der Hinrunde?

Muche: Es gibt drei. Zum einen unser Torwart. Yannick Kelm ist von seiner Spielweise und durch sein unheimlich schnelles Umschalten eine Waffe. Natürlich Lukas Misere – wenn einer 100 Tore macht, ist er logischerweise eine Säule des Spiels. Dazu kommt Kreisläufer Christian Hausdorf, der ackert wie verrückt, in der Abwehr gereift ist und seinen Mann steht. Das ist die Achse, und wenn die Mannschaft sich zusammenreißt und alle an einem Strang ziehen, sind wir fast nicht zu schlagen.

Und woran gilt es noch zu arbeiten?

Muche: Was mir nicht so gefallen hat, war, wie wir uns auswärts präsentiert haben. Da stehen auch zwei Tore, die Abmaße des Feldes sind gleich. Warum wir da ein anderes Gesicht zeigen, ist mir ein Rätsel.

Vielleicht liegt es an der Backe, die da im Gegensatz zu Rotenburg erlaubt ist. Darauf kann sich Ihr Team im Training nicht vorbereiten.

Muche: Das stimmt. Das könnte man so sagen, aber das ist für mich Quatsch. Die Jungs freuen sich immer darauf, mit Backe spielen zu dürfen – im Gegensatz zu den anderen Teams, wenn sie zu uns kommen. Ich denke vielmehr, das ist nur eine Kopfsache. Aber wenn man dann merkt, man hat eine Unsicherheit drin, dann muss man sich doch mehr auf den Trainer verlassen. Dann muss ich nicht wie in Hatten-Sandkrug 30 Mal in einer Halbzeit aufs Tor werfen. Ich würde mir auch wünschen, dass die Jungs mehr am System festhalten und wir mehr Kontinuität reinkriegen. Das sehe ich immer nur so 40 Minuten, dann wird wieder ausgebrochen. Das liegt natürlich auch am Alter und daran, dass wir keinen wirklichen Führungsspieler haben. So einen wie Salkic in Bremervörde – wenn der was sagt, gibt es keine Widerworte. So ein Typ fehlt, kommt aber auch nicht für‘n Appel und ‘n Ei.

Da stellt sich dann auch die Frage, wo es hingehen soll.

Muche: Die Mannschaft spielt besser, wenn sie ein Ziel hat. Aber welches ist das? Wollen wir nicht absteigen? Okay, ist aber nicht besonders attraktiv. Für mich ist es eher, den Umbruch mit der Mannschaft zu schaffen, die jungen Spieler zu integrieren, sie zu gestandenen Handballern zu machen, im Mittelfeld zu landen und die Zweite noch mehr zu puschen.

Der Aufstieg ist eher kein Thema?

Muche: Das Wort 3. Liga sage ich nicht, das ist eine Nummer zu groß, das sieht man doch an der SG VTB/Altjührden. Da brauche ich mir als Rotenburg keine Gedanken zu machen, es sei denn, man holt einen ausrangierten Nationalspieler. Das Team hätte das Format für die 3. Liga mit ein, zwei sensationell guten Spielern von außerhalb. Aber wollen wir das? Wollen wir das Gefüge Rotenburg aufs Spiel setzen, nur um einmal in der Weltgeschichte rumzufahren und auf den Arsch zu kriegen?

Müsste es so oder so aber nicht noch mehr Unterstützung in der Stadt geben?

Muche: Der Verein wandelt sich immer mehr, es ziehen immer mehr mit. Das wird hier langsam zum Event mit 90 Prozent Eigengewächsen und 300 Zuschauern – regelmäßig! Nicht nur 120. Das kommt manchmal ein bisschen zu kurz. Man müsste die Stadt mit dem Wirtschaftsstandort noch viel mehr einbinden können. Immerhin spielen wir in der vierthöchsten deutschen Liga. Persönlich finde ich, dass da mehr Engagement möglich ist.

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