Ohne Nachwuchsleistungszentrum

Scheeßeler Fußball-Talent Matthes Rathjen hat klare Ziele

Matthes Rathjen hält in jedem Arm einen Fußball.
+
Verrückt nach Fußbällen: Der Scheeßeler Matthes Rathjen spielt für die U 19 des JFV A/O/B/H/H.

Er gilt als eines der größten Talente im Kreis Rotenburg ‒ und der Scheeßeler Matthes Rathjen will sich auch ohne Nachwuchsleistungszentrum durchsetzen, in der U19 des JFV A/O/B/H/H.

Scheeßel/Heeslingen – Der SV RW Scheeßel wurde zum Sprungbrett für Matthias Scherz und Kurt Pinkall – beide schafften es einst zum Bundesliga-Profi. Scherz gelang 1994 beim FC St. Pauli der Durchbruch, ehe er anschließend beim 1. FC Köln seine Glanzzeit hatte. Pinkall erlebte einige Jahre zuvor bei Borussia Mönchengladbach seinen Karriere-Höhepunkt. Nun schickt sich der 17-jährige Matthes Rathjen aus Scheeßel an, sich seinen Traum von der großen Fußball-Bühne zu erfüllen. Er spielt für die U 19 des JFV A/O/B/H/H, die zu den Titelaspiranten der Niedersachsenliga gehört.

Matthes Rathjen, der seit der U 13 im Heeslinger Waldstadion spielt, nahm dort eine super Entwicklung, gehört längst zu den Leistungsträgern und feierte einige Erfolge. Die Niedersachsenliga-Meisterschaft 2020 ist das jüngste Highlight, das der Schüler der Scheeßeler Eichenschule erlebte. Dass der U 17 der Aufstieg in die Regionalliga gelang, war auch ein Verdienst des agilen Mittelfeldspielers. „Matthes bringt fußballerisch so viel mit, ist super schnell, wirklich eine echte Rakete. Der ist ziemlich komplett und in der Rolle des modernen Flügelspielers am effektivsten“, sagt Trainer Tjorben Becker, der nach dem Gewinn der Meisterschaft freigestellt wurde.

Rathjen spielte schon bei Werder, Hannover und St. Pauli vor

Der Aufsteiger startete gut vorbereitet ins Abenteuer Regionalliga und überraschte. Die Leistungen gegen die U 16-Teams von Hannover 96 II (1:1) und des VfL Wolfsburg II (3:2) konnten sich sehen lassen, sorgten für Lust auf mehr. In den Spielen agierte der Scheeßeler als Außenverteidiger, spielte gegen den Ball bärenstark und sorgte immer wieder für Überraschungsmomente auf dem Flügel. „Die Regionalliga ist schon eine ganz andere Hausnummer. Dort spielen wir gegen sehr gut ausgebildete Kicker, die technisch und taktisch eine große Qualität auf den Platz bringen“, sagt Rathjen. Bitter für die Mannschaft von Trainer Alexander Weser, dass die Saison nach nur drei Spielen auf Grund der Corona-Pandemie abgebrochen wurde. „Matthes hat eine sehr gute Technik und Athletik. Er ist ein absoluter Startplatzspieler“, sagt U 17-Co-Trainer Matthias Stemmann.

Mit vollem Einsatz: Matthes Rathjen (r.) gegen den Niendorfer TSV in der Saison 2020/2021.

Der Youngster bringt nicht nur ein gesundes Selbstbewusstsein und eine gute Mentalität mit – er hat auch klare Ziele vor Augen. Ein Platz in der Startelf ist sein Anspruch, was in den drei Auftaktspielen gelang. Im Training brennt der Spieler mit der Rückennummer zehn, will besser werden und absolviert zusätzlich drei Mal wöchentlich Extraschichten beim Physiotherapeuten Paul Schumann in Scheeßel. „Matthes ist sehr ehrgeizig, möchte durch das spezielle Training bei Paul bestehende Defizite verändern“, sagt Vater Thomas Rathjen, der seinen Sohn permanent unterstützt.

Der zeitliche Aufwand ist immens, was Training und Spiele angeht. Und die Fahrten erledigt die Familie ohne Murren. „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich unterstützen, begleiten und überall hin chauffieren. Beide sind berufstätig und haben schließlich auch andere Dinge zu bewältigen“, so der Youngster, der durch den frühen Wechsel zum Jugendförderverein auf eine sehr gute Ausbildung zurückblickt.

Rathjen übersprang die U16

In den ersten drei Spielzeiten wurde er von Trainer Sebastian Schlüter betreut. „Ich habe in der Zeit sehr von Sebastians Fachkompetenz profitiert und mich kontinuierlich verbessert“, bemerkt Rathjen, der die U 16 übersprang und in der U 17 mit Tjorben Becker einen weiteren sehr guten Lehrmeister fand.

Doch der Youngster wollte die volle „Dröhnung“ in Sachen Fußball, nutzte Einladungen zum Probetraining in verschiedenen Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Die „Schnupperzeit“ in der U 13 beim SV Werder Bremen war dabei eher enttäuschend. „Meine Leistungen waren zu schwach, um wirklich auf mich aufmerksam zu machen“, lautet die Selbstkritik. Doch Rathjen zeigte sich kämpferisch, steckte die Absage weg, schaute nach vorne und nahm einen weiteren Anlauf bei Hannover 96. Die Performance war perfekt, die Nachricht, ins NLZ einzuziehen, sorgte im Hause Rathjen für Freude. „Ich war total glücklich über das Angebot. Dann haben wir die Sache im Familienkreis diskutiert und abgesagt. Ich war gerade erst 14 Jahre und einfach zu jung, um mein Elternhaus zu verlassen“, sagt Matthes Rathjen rückblickend. In der Folgezeit erhielt er Einladungen zum Probetraining von Hansa Rostock, dem FC St. Pauli und auch dem Hamburger SV.

Wechsel zu St. Pauli fix ‒ dann kam die „Ohrfeige“

Bei den Kiez-Kickern hinterließ er einen starken Eindruck und sollte einen Vertrag für die U 17-Regionalliga unterschreiben. „Matthes war Feuer und Flamme, wollte die sich bietende Chance beim Schopfe packen. Ich habe dann einen Fahrdienst organisiert, alles geregelt“, erzählt Thomas Rathjen. Dann überschlugen sich die Ereignisse, der Vertrag war auf einmal für die „Tonne“, denn: „Plötzlich hieß es, dass in der U 17 ein Trainerwechsel vollzogen wurde und man eher nach einem Stürmer suche“, erklärt ein enttäuschter Matthes Rathjen, der nachschiebt: „Ich habe wiederholt festgestellt, dass die Trainer sich für mich aussprachen. Doch die Entscheidung wurde von den Oberen getroffen.“

Es wirkte wie eine schallende Ohrfeige für einen ehrgeizigen und talentierten Fußballer. „Das war schon sehr bitter und hat mich demotiviert“, gesteht er selbst. Doch er fand an anderer Stelle den nötigen Halt. Die Lehrgänge und Spiele in der Landesauswahl unter NFV-Coach Martin Mohs wurden zum idealen Ausgleich. In der Sportschule Barsinghausen war der Mittelfeldspieler eher „Exot“, standen doch im Kader nur Spieler aus Bundesliga-Nachwuchszentren. „Bei Matthes stimmt das Gesamtbild, da reihen sich viele Puzzleteile super aneinander. Der ist ehrgeizig, hat eine hohe Willensstärke, gibt immer Vollgas, ist lernfähig und kommt aus einem guten Elternhaus. Die Spieler aus den NLZs meinen, sie hätten bereits alles erreicht. Das schaut bei Matthes ganz anders aus, der hat noch seine Träume und eifert ihnen nach“, sagt Martin Mohs.

Vater und Sohn: Thomas Rathjen (l.) unterstützt Matthes Rathjen bei dessen Plänen.

Nun also läuft er für die U 19 der JFV A/O/B/H/H auf. „Der neu zusammengestellte Kader hat schon eine sehr gute Qualität. Ich bin mir sicher, dass wir oben mitspielen können. Doch wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen, auch wenn es einmal nicht gut läuft“, bemerkt Matthes Rathjen, dessen persönliches Ziel schon der Aufstieg in die Regionalliga ist. Dafür tut er alles. „Ich will immer gewinnen, egal ob im Training oder in den Pflichtspielen. Zudem habe ich den absoluten Ehrgeiz, in der Startelf zu stehen. Und wenn ich einmal schlechte Trainingstage habe, werde ich alles daran setzen, um über die Bank gute Leistungen abzurufen“, sagt der 17-Jährige. Neu-Trainer Olaf Lakämper weiß die Qualitäten des Allrounders zu schätzen. „Matthes hat eine überragende Schnelligkeit, kann die Positionen Außenverteidiger und Zehner spielen. Doch es gilt schon Dinge wie den ersten Kontakt oder den Torabschluss zu verbessern“, meint Lakämper.

Und dass man sich Träume auch noch etwas später erfüllen kann, hat Mattias Scherz untermauert. Der Scheeßeler wechselte erst mit 23 Jahren zum Bundeslisten FC St. Pauli, schaffte den Sprung zum Profi und beendete eine steile Karriere beim 1. FC Köln. Dieses Beispiel hat auch Matthes Rathjen vor Augen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs
Gies hält RSV-Sieg fest

Gies hält RSV-Sieg fest

Gies hält RSV-Sieg fest
Sascha Denell: „Wir sind ein geiles Team“

Sascha Denell: „Wir sind ein geiles Team“

Sascha Denell: „Wir sind ein geiles Team“
MTV Jeddingen trägt Sieg beim „Onassis Cup“ davon

MTV Jeddingen trägt Sieg beim „Onassis Cup“ davon

MTV Jeddingen trägt Sieg beim „Onassis Cup“ davon

Kommentare