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Lukas Misere und Lucas Chwolka wollen sich „gegenseitig unterstützen“

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Von: Matthias Freese

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Lucas Chwolka (l.) und Lukas Misere stehen auf der Ahe-Sportanlage und geben sich die Hände.
Hand drauf: Lucas Chwolka (l.) vom Rotenburger SV und Lukas Misere vom TuS Rotenburg verbindet mittlerweile eine Freundschaft. © Freese

Nach langer Zeit der Rivalität finden Rotenburgs Handballer und Fußballer näher zusammen. Wir haben mit Lukas Misere und Lucas Chwolka auch darüber gesprochen.

Rotenburg – Sie hören beide auf den gleichen Vornamen, spielen beide in der Oberliga und absolvieren am Wochenende ein wichtiges Heimspiel: Linksaußen Lukas Misere tritt mit den Handballern des TuS Rotenburg am Samstag (18.30 Uhr) gegen die SG Achim/Baden an, Mittelfeldspieler Lucas Chwolka mit den Fußballern des Rotenburger SV am Sonntag (15 Uhr) gegen den MTV Gifhorn. Seit einiger Zeit verbindet beide eine Freundschaft. Wir haben uns mit ihnen über ihre Sportarten, über die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten unterhalten.

Hand aufs Herz: Handball oder Fußball – was ist die interessantere Sportart?

Lukas Misere: Also, ich würde sagen, dass beides seinen positiven Geschmack hat. Am Handball schätze ich sehr, dass es ein schneller Sport ist, immer mit Körperkontakt. Da passiert viel für den Zuschauer. Dennoch würde ich nie sagen, dass ich Fußball uninteressant finde. Hier in der Nähe Oberliga zu sehen, auf einem enorm hohen Level, finde ich schon klasse. Könnte ich auf dem Niveau Fußball spielen, würde ich es auch machen.

Lucas Chwolka: Euer Niveau finde ich auch cool. Beim Sport gehört Emotionalität dazu. Gerade wenn es ein enges Spiel ist, lässt sich Handball schon sehr gut angucken. Beim Fußball ist es auf eine andere Art und Weise spannend, da freut man sich auch über jeden gewonnenen Zweikampf. Beim Handball gewinnt oft die bessere Mannschaft, beim Fußball ist der Lucky Punch eher möglich. Ein Tor beim Handball bringt ja meist nicht viel. Fußball ist mehr von einzelnen Fehlern abhängig.

Misere: Beim Handball kannst du nicht 55 Minuten, die du scheiße gespielt hast, mit einer Aktion aufholen.

Chwolka: Die Emotionen beim 1:0 in der 90. Minute sind im Fußball unbeschreiblich. Ich werde auch mein Tor zum 4:3 gegen Celle in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Ich könnte in dieser Saison auch jedes meiner Tore noch beschreiben.

Misere: Das kann ich absolut verstehen, auch als Handballer. Beim Handball hast du eben mehrere Möglichkeiten, das entscheidende Tor zu machen.

Was ist denn besser: Ein 0:0 beim Fußball oder ein 25:25 beim Handball?

Chwolka: Das 25:25 – eher als ein langweiliges 0:0. Wenn es da nicht hin und her geht, ist es für die Zuschauer nicht schön. Da sind dann beim Handball wesentlich mehr Highlights dabei.

Misere: Auf jeden Fall für den neutralen Zuschauer.

Und was ist einfacher zu werfen beziehungsweise zu schießen – Siebenmeter oder Elfmeter?

Misere: Ich habe noch nie einen Elfmeter geschossen. Bei den Elfmetern ist das Tor größer, aber weil du davon im Spiel weniger hast, ist die Verantwortung dafür größer.

Chwolka: Da ist schon ein Druck da. Wenn du nervenstark bist, ist das ein Vorteil. Ich habe dieses Jahr einen geschossen und den auch reingemacht.

Misere: Meine Siebenmeter-Quote will ich dieses Jahr lieber nicht wissen.

Fußballer schreien eher als Handballer – nur ein Vorurteil?

Chwolka: Ich bin nicht stolz drauf! Es ist schon Theatralik mit dabei. Beim Handball macht man beim kleinen Foul weiter, das ist nichts Wildes. Handballer sind aber auch hart im Nehmen. Wenn man sieht, wie die auf die Knochen bekommen. Beim Fußball bekommst du auch was ab, so ein Stollen auf dem Zeh ist auch nicht schön ...

Misere: Das kann auch schon mal super schmerzhaft sein – etwa bei den Kopf-gegen-Kopf-Situationen. Oder allein im Winter, wenn der Ball auf den Oberschenkel knallt. Beim Handball gibt es aber mehr Aktionen, da hast du nicht die Möglichkeit, bei jedem Mal liegenzubleiben, wenn das Spiel weiterläuft. Beim Fußball ist das leichter zu kompensieren.

Chwolka: Beim Handball wird auch jedes Meckern gleich mit zwei Minuten geahndet.

Misere: Ja, das kann ich bezeugen.

Lucas Chwolka dribbelt mit dem Ball am Fuß durch das Ahe-Stadion.
Auf dem Gras zu Hause: Lucas Chwolka ist Leistungsträger beim Rotenburger SV. © Freese

Aber eine gewisse Theatralik gibt es doch auch bei Handballern, oder etwa nicht?

Misere: Doch definitiv. Man versucht schon, die Sache bestmöglichst in seinem Sinne zu verkaufen. Und man muss auch mal zeigen, wenn man einen abbekommen hat. Meine Meinung ist aber: Wenn man ein Tor erzielen kann, soll man auch weiterlaufen.

Wie ist es mit versteckten Fouls?

Misere: Da lobe ich mir den Handball auf dem hohen Niveau. Da bekommst du sicher mal ein verstecktes Foul. Da geht es hart, aber fairer zu.

Chwolka: Deshalb bin ich auch froh, so hoch zu spielen. Ein cleveres Foul, ein bisschen provozieren gehört dazu. Auf dem Niveau ist es danach aber auch vergessen. Je tiefer, desto unsportlichere Sachen sind dabei.

Welche Regel aus der jeweils anderen Sportart würden Sie gerne übernehmen?

Misere: Beim Handball muss an exakt der Stelle, wo das Foul ist, der Freiwurf ausgeführt werden, da gibt es beim Fußball mehr Freiräume. Da kann man etwa beim Einwurf noch entscheidende Meter nach vorne machen.

Chwolka: Die effektive Spielzeit und Zeitstrafen werden beim Fußball immer mal wieder diskutiert. Ich bin da eher konservativ. Mir gefällt der Fußball so, wie er ist. Aber beim Lamentieren, Meckern und bei Unsportlichkeiten sollten die Schiedsrichter ruhig härter durchgreifen.

Früher, so schien es, hatten Handballer und Fußballer in Rotenburg nichts miteinander zu tun. Gibt es eine gewisse Rivalität?

Chwolka: So ein bisschen Konkurrenzdenken war vor ein paar Jahren da, das habe ich nie verstanden. Das hat sich gewandelt. Seit diesem Jahr gucken wir mit einigen Jungs beim Handball viel zu.

Wie kam es dazu?

Misere: Das ist eine ganz witzige Entstehung. Ich war mehrere Male bei den Heimspielen des RSV. Dann hatten die ihren Mannschaftsabend, ich war da auch in der Nähe und da sind wir in Kontakt getreten. Das hat sich so entwickelt und wir haben die Spielpläne mal ausgetauscht.

Chwolka: Und Dauerkarten.

Misere: Ich probiere, im Ahe-Stadion bei jedem Spiel dabei zu sein. Ich fand es früher schade, dass man zugeguckt hat und es so distanziert war. Diesen Kontakt hätte ich mir früher gewünscht. Für mich war diese Rivalität eigentlich nie da. Zwei so hochspielende Mannschaften in Rotenburg sollten sich doch gegenseitig unterstützen, finde ich. Dass der RSV mit einigen Jungs schon mehrmals da war, wird schon sehr stark bei uns wahrgenommen, auch nach dem letzten Spiel, wo der RSV sich auf der Tribüne bemerkbar gemacht hat. Ich erinnere mich auch, dass wir gemeinsam, ohne es zu verabreden, auf der Kegelbahn in der „Harmonie“ standen – der RSV auf Bahn eins, wir auf Bahn zwei. Da haben wir uns auch sofort verstanden.

Chwolka: Das war im Oktober. Wir hatten 4:1 gegen Hagen gewonnen. Es verbindet einen ja auch die Begeisterung für den Sport, den man mit großem Aufwand betreibt.

Lukas Misere beim Sprungwurf.
Die Halle ist sein Metier: Lukas Misere ist Leistungsträger beim TuS Rotenburg. © Freese

Wie sehen denn Ihre Versuche in der jeweils anderen Sportart aus?

Misere: Ich habe meinen Pass in Unterstedt bei der Dritten.

Chwolka: Welche Position?

Misere: Nur Sturmspitze.

Chwolka: Mit meinem Zwillingsbruder habe ich fast jeden Sport ausprobiert. Wir fanden die Handball-Torhüter früher immer toll, wie die hin- und hergeflogen sind. Das haben wir nachgespielt, mit dem Hochbett als Tor. Aber außer ein paar Mal aufs Tor zu werfen, habe ich auf dem Handballfeld noch nie gespielt.

Zeit, das zu ändern? In Bremervörde spielen Handballer und Fußballer regelmäßig gegeneinander...

Chwolka: Wir hatten auch schon die Idee, mal eine gemeinsame Trainingseinheit zu machen oder sich was für den Sommer zu überlegen.

Misere: Ich bin der Letzte, der was dagegen sagen würde.

Handballer sind doch eh heimliche Fußballer, oder?

Misere: Wenn bei uns beim Aufwärmen keine Viertelstunde Fußball gespielt wird, ist schlechte Stimmung, das gehört einfach dazu.

Chwolka: Bei uns gibt es Handball-Kopfball. Handball spielen – und die Tore dürfen nur mit dem Kopf erzielt werden.

Am Wochenende spielen der TuS Rotenburg und der RSV beide zu Hause. Werden Sie beim jeweils anderen dabei sein?

Chwolka: Auf jeden Fall.

Misere: Wir probieren auch, mit einem größeren Teil da zu sein.

Chwolka: Sag’ vorher Bescheid, dann stelle ich euch eine Kiste Bier hin.

Misere: Okay. Wir revanchieren uns dann.

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