TuS Rotenburg verliert seinen Trainer nach sechs Wochen

Leyens zieht Schlussstrich

Der Blick von Jörg Leyens sagt alles: Die Amtszeit des 61-Jährigen beim TuS Rotenburg war kurz und nicht sonderlich von Erfolg geprägt. Foto: FREESE
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Der Blick von Jörg Leyens sagt alles: Die Amtszeit des 61-Jährigen beim TuS Rotenburg war kurz und nicht sonderlich von Erfolg geprägt.

Rotenburg - Von Lea Oetjen. „Es ist der Mannschaft gegenüber nur fair, jetzt den Schlussstrich zu ziehen“, sagt Jörg Leyens. Damit kommentiert er seinen Entschluss, mit sofortiger Wirkung sein Traineramt beim TuS Rotenburg niederzulegen. Sechs Wochen nachdem der 61-Jährige die abstiegsbedrohten Oberliga-Handballer übernommen hatte, ist für ihn – mitten in der Saison – an der Wümme schon wieder Schluss.

Der TuS Rotenburg hatte in den drei Spielen unter seinem Neu-Trainer drei zum Teil niederschmetternde Niederlagen kassiert, war zuletzt sogar auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht. Dennoch soll das Aus von Leyens keinerlei sportlichen Gründe haben – beteuert zumindest Johann Knodel. „Jörg ist sehr eingebunden in seinen neuen Job. Er kann die Mannschaft nicht so betreuen, wie er es sich gewünscht hatte“, sagt der Teammanager.

In der Tat: Leyens hatte sich Anfang des Monats beruflich verändert, war Vertriebsleiter eines Unternehmens in Bruchhausen-Vilsen geworden. „Für mich war es leider nicht abzusehen, wie sehr mich meine neue Anstellung fordern wird“, bedauert A-Lizenz-Inhaber. Seine Aufgabenbereiche hätten sich entschieden verändert, er sei schlicht häufiger unterwegs. „Für mich war es schwierig, diese Entscheidung zu treffen. Schließlich ist mir der Verein in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen“, erzählt der 61-Jährige. Als er der Mannschaft sein Aus per Whats-App mitgeteilt hatte, sei es für ihn „sehr emotional“ gewesen. Vor allem das positive Feedback der Jungs habe ihn stolz gemacht.

Den Eindruck, dass es zwischenmenschlich gut gepasst hat, hatte auch Teammanager Knodel. „Das Training war intensiv, die Stimmung war gut“, betont er. Umso mehr bedauere der Vereinsvorstand die Entscheidung, die Leyens getroffen hat. „Er hat einen echt guten Job gemacht“, so Knodel. Die Spiele, die der Coach an der Seitenlinie stand, seien schlicht „sehr undankbar“ für ihn gewesen. „Die Mannschaft ist leider immer wieder in alte Verhaltensmuster verfallen. Das ändert aber nichts am guten Verhältnis zu Jörg“, betont der Teammanager, der zuletzt immer wieder im Kader der Mannschaft stand. „Wichtig ist, dass wir im Guten auseinandergehen.“

„Unabhängig davon, was sportlich letztlich rausgekommen ist“, werde Leyens mit einem Lächeln auf seine Zeit in Rotenburg zurückblicken. Er sei sich sicher, mit den Verantwortlichen auch in Zukunft im Kontakt zu bleiben. „Wenn sich mein beruflicher Alltag normalisiert hat und routinierter verläuft, können wir gerne noch mal reden“, kündigt er an. Erst einmal drückt der 61-Jährige dem TuS Rotenburg allerdings die Daumen, schnell einen Nachfolger zu finden. Ein genaues Anforderungsprofil dafür habe er aber nicht im Kopf. Viel wichtiger sei: „Die Mannschaft und das Vereinsumfeld hier in Rotenburg sind einzigartig. Das habe ich vorher so noch nie erlebt. Ich wünsche mir sehr, dass mein Nachfolger das zu schätzen weiß.“

Durch die Corona-Krise ist der Spiel- und Trainingsbetrieb des Wümme-Clubs aktuell ohnehin ausgesetzt – nicht aber die Suche nach einem neuen Trainer. „Wir stecken mittendrin“, betont Knodel. Sofern die Saison weitergeht, übernimmt vorerst einmal mehr Co-Trainer Thorsten Misere die Leitung.

Eine vorschnelle Entscheidung mit Folgen 

Ein Kommentar von Lea Oetjen

Das Aus von Jörg Leyens dürfte die Handball-Region überraschen. Vor allem zu diesem Zeitpunkt der Saison – mitten in der Corona-Pause – kommt es plötzlich und unerwartet. Nach nur sechs Wochen im Amt gibt er auf. Leyens verfügt über jahrelange Erfahrung als Trainer. Eigentlich sollte er wissen, was ein Engagement bei einer Mannschaft, die höherklassig spielt, bedeutet – vor allem, was den zeitlichen Aufwand betrifft. Es steht außer Frage, dass ein neuer beruflicher Alltag nur schwer zu planen ist. Das ist kein Geheimnis. Das wusste auch Leyens, noch bevor er die Trainerstelle beim TuS Rotenburg angetreten ist. Es wäre nur konsequent gewesen, das Angebot abzulehnen und die beruflichen Veränderungen abzuwarten. Mit dieser sechswöchigen Übergangslösung hat Leyens dem Team keinen Gefallen getan – ohne auf die schlechte Außenwirkung anzuspielen. Obwohl die Ergebnisse nicht stimmten, hatten Spieler unter ihm aber Selbstvertrauen getankt. Wie die Mannschaft seinen Weggang wegsteckt, wird sich zeigen. Vielleicht braucht sie aber auch keinen neuen Trainer in dieser Saison, wenn sie nicht beendet werden sollte.

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