Landesverbände nominieren heute ihren Kandidaten / „Das Beste, was dem DFB passieren kann!“

Grindel – der Mann von Seite eins

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Das jüngste Stadionheft des RSV setzt auf der Titelseite ganz auf Reinhard Grindel.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Heute werden die Weichen gestellt. In Hannover kommen die Vertreter der 21 Fußball-Landesverbände zusammen, um sich auf ihren Kandidaten für das Amt des DFB-Präsidenten festzulegen. Alles deutet darauf hin, dass Reinhard Grindel, der Schatzmeister und CDU-Bundestagsabgeordnete aus Rotenburg, nominiert wird. Und schon am Freitag dürfte sich in einer Sondersitzung des DFB-Präsidiums herausstellen, ob der 54-Jährige auch die Liga auf seiner Seite hat oder es einen Gegenkandidaten geben wird. Die Unterstützung in der Heimat ist bereits jetzt groß.

Doch Achtung! Die letzte Stufe auf der Karriereleiter könnte auch morsch sein. Der Weg an die Spitze des deutschen Fußballs ist nach dem Skandal um die WM-Vergabe eher gefährlicher geworden. Offen bleibt auch, welche Taktik etwa Karl Rothmund, der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) verfolgt hat, indem er vorzeitig vorgeprescht war und Grindel die Favoritenrolle angehängt hatte, obgleich dieser seine Bereitschaft öffentlich noch gar nicht verkündet hatte. Grindel sollte einst Rothmunds Nachfolger beim NFV werden, dann stieg er zum Schatzmeister des DFB auf.

Medialen Donnerhall löste Grindel vergangene Woche aus. Insbesondere die Hauptstadt-Presse brachte eine brisante Sache ans Tageslicht. Die Berliner Zeitung veröffentlichte ein Schriftstück aus dem Jahr 2013, das vom ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Generalsekretär Helmut Sandrock unterschrieben ist. Darin erklären sie, dass mit Grindel vereinbart worden sei, dass dieser „zukünftig parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen wird, sondern sich vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden wird“. Zudem unterstellte ihm die Zeitung ein „recht entspanntes Verhältnis zu seiner Doppelrolle“ – im Hinblick auf Grindels Funktion als DFB-Schatzmeister und Mitglied im Sportausschuss, der wiederum mit dem WM-Skandal befasst ist. Das renommierte Fachmagazin „kicker“ warf Grindel in einem Kommentar sein Abstimmungsverhalten im Bundestag vor, weil er sich als einer von sieben Abgeordneten am 21. Februar 2014 beim Gesetztentwurf zur „Erweiterung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung“, eingebracht von der großen Koalition, enthalten hatte.

Doch beim DFB genießt Grindel – so heißt es – eine große Rückendeckung, seine Kandidatur gilt auch als Entgegenkommen der Amateure (Landesverbände) gegenüber der Liga. In der Heimat befürworten ohnehin viele Grindels voraussichtliche Kandidatur. „Das ist das Beste, was dem DFB passieren kann“, sagt Paul Dittmer, ebenso wie Grindel CDU- und RSV-Mitglied sowie ein langjähriger Freund. „Er ist geradlinig und 1000-prozentig ehrlich. Bei ihm wäre so etwas wie jetzt nicht möglich gewesen.“ Dittmer ist überzeugt: „Wenn man ihn fragt, würde er es machen.“

Auch Heinz-Günter Barg-frede (CDU), der Vorsitzende des Rotenburger Sportausschusses, freut sich für seinen Parteikumpel: „Es ist eine tolle Anerkennung seiner Arbeit, dass er bundesweit als potenter Kandidat gehandelt wird. Ich traue ihm das auf jeden Fall zu. Für Rotenburg und den Fußball im Landkreis wäre das ein toller Präsident.“

Grindels Heimatverein, der RSV, änderte zum letzten Heimspiel gegen den TSV Etelsen sogar kurzfristig die Titelseite der Stadionzeitung und druckte ein großes Grindel-Portraitbild ab. „Er hat alle Voraussetzungen, ist hochintelligent, hat eine glänzende Rhetorik, fachliches Wissen und kann sich durchsetzen“, sagt Vorstandsmitglied Paul Metternich. „Außerdem hat er Herzblut für die kleinen Vereine und auch für die Großen. Ich bin überzeugt, er wird einiges saubermachen beim DFB. Er wird auch da mal anecken und gegen den Strom schwimmen und er kann, wenn es sein muss, Tacheles reden.“

Pro Grindel ist auch Rolf Ludwig, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine. „Das wäre für Rotenburg gut und man kann ja in so ein Amt reinwachsen“, meint er. Ludwig, gleichzeitig Vorsitzender des TuS Rotenburg und CDU-Mitglied, verknüpft es jedoch mit einer Forderung – der Job als DFB-Präsident sollte hauptberuflich und nicht mehr ehrenamtlich ausgeübt werden. „Da sollte man ehrlich sein. Und er müsste sein Bundestagsmandat abgeben. Man kann nicht der höchste Repräsentant im deutschen Fußball sein und noch im Bundestag sitzen.“ Das wiederum sieht Paul Dittmer anders: „Ich glaube, Reinhard schafft beides.“

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