Mit 58 Jahren verstorben

„Kuscheln könnt ihr nachher“ ‒ Erinnerungen an Kult-Referee Uwe Zahler

Bei den Hallenkreismeisterschaften gehörte Uwe Zahler (rechts) jahrelang zum Stammpersonal. Dieses Bild zeigt ihn zusammen mit Christoph Meinke (links) und Stefan Knappik 2016 in Bothel.
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Bei den Hallenkreismeisterschaften gehörte Uwe Zahler (rechts) jahrelang zum Stammpersonal. Dieses Bild zeigt ihn zusammen mit Christoph Meinke (links) und Stefan Knappik 2016 in Bothel.

Im Alter von 58 Jahren ist Uwe Zahler gestorben. Im Kreis Rotenburg war er nicht nur zuletzt seiner markigen Sprüche der Kult-Schiedsrichter schlechthin.

Westerholz – Wohl kaum ein Schiedsrichter im Kreis Rotenburg genoss solch ein hohes Standing bei Spielern, Trainern und Funktionären, kaum einer rangierte so weit oben in der Beliebtheitsskala wie Uwe Zahler. Auch über die Sozialen Medien bekundeten zahlreiche Vereine aus dem Kreis Rotenburg ihre Anteilnahme, als bekannt wurde, dass der Westerholzer, der jahrelang für den TuS Hemslingen-Söhlingen pfiff, Ostern im Alter von nur 58 Jahren verstorben war. Zahler war der Kult-Schiedsrichter des Kreises – dank seiner unnachahmlichen und ruhigen Art, seiner sonoren Stimme und vor allem seiner markigen Sprüche, mit denen er manch brenzlige Situation entschärfte.

Zahler-Spiele hatten oft einen hohen Unterhaltungswert – und er scheute auch den Kontakt zu den Zuschauern nicht, wie sich Christoph Meinke, Spieler des Kreisligisten TuS Bothel und Referee-Kollege, erinnert: „Trink du mal dein Bier da draußen, ich mach‘ das hier auf dem Platz“, habe er einem nörgelnden Fan zugerufen. „Den Fall hatte er damit komplett geklärt: Draußen haben alle gelacht und er war der Chef“, sagt Meinke. „Er war so eine Type, eine echte Marke.“ Daniel Rathjens Lieblingsspruch hat derweil gar nichts mit Fußball zu tun: „Während des Spiels kommt er auf mich zu, deutet auf den Acker nebenan, wo ein Heißluftballon startet, und fragt: „So was schon mal gesehen?“, erzählt der frühere Kicker des SV Germania Hetzwege und des Rotenburger SV II.

Trink du mal dein Bier da draußen, ich mach‘ das hier auf dem Platz.

Christoph Meinke erinnert sich an einen Spruch von Uwe Zahler.

Der Schiedsrichter-Kollege Friedrich Lüning (FC Walsede) denkt noch gerne an die frühen Neunziger, als Zahler in der Landesliga für mehrere Jahre sein Assistent an der Linie war. „Er war ein Original, ein cooler Typ. Bei ihm wusste jeder, wo er dran war, ähnlich wie bei Paul Rahmel.“ Klare Linie, klare Ansagen, immer mit Humor verpackt – das schätzte auch Rüdiger Dittmer, der Fußball-Boss des FC Walsede, als langjähriger Trainer an Zahler: „Er hat mich auch mal zurechtgewiesen, aber es war nie so, dass man es ihm krummnahm. Seine Art, die Spiele zu leiten, ist einmalig gewesen – auch wenn du damit erst mal klarkommen musstest und er manchmal mehr aus dem Mittelkreis moderiert hat“, schmunzelt Dittmer. Er erinnert sich an sein letztes Spiel als Coach im November 2019 gegen RW Scheeßel (2:1), als zwei Spieler heftig aneinandergerieten: „Uwe hat sich das unaufgeregt von außen angeguckt, bis sich alles beruhigt hatte – und dann zwei Rote Karten gezogen.“

Apropos Karten: „In Westervesede hat er mal eine Gelbe gezeigt, auf der von hinten ,Halt‘s Maul‘ draufstand“, weiß Joachim Meyer, Hemslingens Fußball-Boss. Auch einen speziellen roten Karton hatte Zahler meist dabei – mit dem Mittelfinger drauf. Der kam jedoch nicht zum Einsatz. Ohnehin versuchte er es in der Regel im Guten. Vincent Wuttke, Spieler der SG Unterstedt, hat es als Zuschauer bei einer Partie des VfL Visselhövede erlebt: „Geht mal schön auseinander. Kuscheln könnt ihr dann nachher zu Hause“ – so lautete Zahlers Hinweis an zwei Streithähne. An genau diesen Kuschel-Tipp erinnert sich auch Visselhövedes Merwan Sabouneh. Die „Kuscheldecke“ bot er ebenfalls mal an.

Keine Angst Männer, ich bin bei euch.

Bekanntes Zitat von Uwe Zahler.

Bei der FSV Hesedorf/Nartum ist ein anderer Klassiker in Erinnerung geblieben: „Hier pfeifen nur zwei – der Wind und ich“, zitiert der Kreisligist den Unparteiischen auf seiner Facebook-Seite. Manchmal war der Witwer aber auch wie ein nachsichtiger Vater zu den Spielern. „Keine Angst Männer, ich bin bei euch“, gehörte zu seinem Repertoire, wie „Vissels“ Trainer Thomas Heidler weiß.

Mario Rickers, Vorsitzender des SV Schwitschen, denkt wiederum an eine Szene vor Jahren, als sich Stefan Weseloh – damals in Diensten des MTV Jeddingen – schon vor dem Spiel fragen lassen musste: „Willst du gleich eine Gelbe Karte oder soll ich erst mal anpfeifen?“ Ein weiterer überlieferter Dialog aus Zahlers Sprüche-Kabinett: „Schiri – das war Vorteil!“ – „Wenn du den Ball hast, kann das kein Vorteil für deine Mannschaft sein!“ Die Lacher waren ihm sicher – und die Lage damit meist entspannt. Peer Leefers, Vorsitzender des MTV Jeddingen, steuert noch eine Anekdote bei: Wenn sich ein Spieler über ein vermeintliches Foul beschwerte, antwortete Zahler schon mal barsch: „Wenn du das nicht abkannst, musst du murmeln gehen.“

Er ist einfach eine coole Socke gewesen.

Joachim Meyer über Uwe Zahler.

Bis 2009 leitete Uwe Zahler Partien in der Kreisliga. Als er jedoch am Lauftest der Leistungsprüfung nicht teilnehmen wollte, wurde er fortan in den Ligen darunter angesetzt – dort, wo diese Vorgabe keine Pflicht ist. Trotzdem war er nicht nur einer der Witzigsten, sondern auch der Fleißigsten seiner Zunft. „Er hat immer um die 100 Spiele pro Saison gehabt“, sagt Mats Baur, der Vorsitzende der Kreisschiedsrichter. Auch bei den Hallenkreismeisterschaften gehörte der Westerholzer lange Jahre zum festen Stammpersonal mit der Pfeife – bis es zur Einführung des Futsals bei den Herren kam. Das war nicht sein Ding.

„Er ist damals über Heiko Koß nach Hemslingen gekommen und war mehr als 20 Jahre für uns im Einsatz“, berichtet Joachim Meyer. 2017 erhielt Zahler sogar die Goldene Pfeife, 2019 die Goldene Verdienstnadel. „Er hat unseren Verein durch seine Art sehr gut verkauft und ist zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Er ist einfach eine coole Socke gewesen“, betont Meyer.

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