„Jetzt ist auch mal gut“

Kapitän Hausdorf steigt beim Oberligisten TuS Rotenburg aus

Christian Hausdorf beim Sprungwurf.
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Durchgebrochen: Auch als Kreisläufer wusste sich Christian Hausdorf oftmals in der Oberliga zu behaupten – wie hier im Spiel beim HC Bremen.

Der komplette Kader des Handball-Oberligisten hat für die neue Saison zugesagt - bis auf Christian Hausdorf. Der Kapitän bleibt dem Verein aber erhalten.

Rotenburg – Der eine oder andere Gegenspieler dürfte vielleicht erleichtert aufatmen. Dem TuS Rotenburg geht jedoch ein großes Stück Erfahrung und Leidenschaft verloren: Christian Hausdorf, Kapitän, Kreisläufer und Abwehrspezialist, beendet seine Handball-Karriere im Oberliga-Team der Wümmestädter und steht in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung. „Handball stand bei mir immer an erster Stelle, ich habe dem Handball alles untergeordnet. Das möchte ich nicht mehr. Jetzt ist auch mal gut“, begründet der 30-Jährige seinen Schritt.

„Ich kann‘s nachvollziehen. Er ist in einem Alter, in dem man andere Prioritäten setzt“, bemerkt Johann Knodel, Teammanager und langjähriger Mitspieler. Coach Nils Muche hätte den gebürtigen Düsseldorfer, der vor 21 Jahren in den Norden kam, liebend gerne weiter im Kader gewusst: „Er wird als Kapitän und Vorbild an Kampf und Einsatz eine große Lücke reißen. ,Hausi‘ hat alle Höhen mitgemacht und wird sehr fehlen, als Spieler und als Mensch“, fürchtet er.

Ein Kind von Traurigkeit war Christian Hausdorf nie – auch wenn er hier in einem seiner letzten Spiele gegen die HSG Barnstorf/Diepholz so tut, als hätte er nichts gemacht.

Hausdorf nahm beim TuS Rotenburg eine Entwicklung, die ihm wohl nicht jeder zugetraut hatte – von der Kreisebene ging es für ihn bis in die Oberliga. Nicht ganz unschuldig daran war Jens Koch, der ehemalige Mitspieler. „Wir haben die Bälle früher bei ihm auf dem Hof gegen das Carport gedonnert“, erinnert sich Hausdorf. Irgendwann im C-Jugendalter nahm Koch ihn mit zum Handball. Zunächst spielte er weiterhin parallel dazu Fußball. So wie auch in den letzten Jahren wieder – auf dem Rasen läuft er für die dritte Herren der SG Unterstedt auf.

Auch Rote Karten gehören zu seiner Vita

In der Halle entwickelte sich Hausdorf immer mehr zu einer Führungsfigur, vor allem wegen seiner Qualitäten in der Abwehr. Mit seiner zupackenden Art holte sich der Fassadenbauer auch so manche Zeitstrafe und Rote Karte ab, was ihm im Team die Spitzenposition einbrachte. In der Saison 2019/2020 übernahm er weitere Verantwortung und erhielt die Kapitänsbinde.

„Die Aufstiege von der Landesliga in die Verbandsliga und in die Oberliga – das war schon überragend und cool, was wir mit diesen Spielern geleistet haben. Da bekomme ich sofort Gänsehaut, wenn ich daran denke“, gesteht der Wühler am eigenen und fremden Kreis. Und doch steht seine Entscheidung.

Zehn Jahre ist es bereits her: Derby gegen den TV Sottrum im April 2011 vor vollen Rängen: Christian Hausdorf (l.) setzt sich gegen Henning Miesner (M.) und Eike Westermann durch.

Schuld daran ist auch die Corona-Pandemie. Schon vor Weihnachten reifte der Entschluss. „Ich hätte die Saison noch gerne zu Ende gespielt. Wäre sie normal weitergegangen, hätte ich vielleicht sogar noch weitergemacht. Bis März habe ich mich auch fitgehalten“, erzählt Hausdorf. Als der Abbruch jedoch feststand, „habe ich es schleifen lassen. Ich denke, dieses ganze Hin und Her, dann kann man wieder spielen, dann doch nicht – es hat auch dazu beigetragen, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich hatte mich einfach an die Pause gewöhnt.“ Seinem Körper tat es obendrein sehr gut, nicht ständig auf den harten Hallenboden geschmissen zu werden. „Man merkt die jahrelange Belastung schon. Jetzt tut er nicht mehr weh, die Knochen knacken nicht mehr, ich kann das Gerüst locker rauf und runter klettern“, hat der Mann mit der Rückennummer 13 die Vorteile längst schätzengelernt. Zudem ist er in seiner Freizeitgestaltung „nicht mehr abhängig vom Handball“.

Knodel hat die Zusagen von allen anderen Spielern

Johann Knodel ist guter Dinge: Bis auf Christian Hausdorf hat der Teammanager des Handball-Oberligisten TuS Rotenburg „von allen anderen Spielern die Zusage bekommen“, wie er erfreut berichtet. „Das Team bleibt also fast so bestehen und auch unsere fünf, sechs Langzeitverletzten sind wieder fit.“ In erfolgsversprechenden Gesprächen befindet sich der Verein auch mit Trainer Nils Muche, der unbedingt weitermachen soll. Schließlich hatte der Schneverdinger nach seiner Rückkehr in der vergangenen Saison ja erst nur für ein Spiel wieder auf der Bank gesessen, ehe zunächst die Unterbrechung und dann der Abbruch der Saison kam. „Der Motor Handball muss mal wieder anlaufen“, findet Knodel. Geht es nach dem Handball-Verband Niedersachsen (HVN) soll die neue Saison am 18./19. September starten. Meldeschluss ist am 30. Mai. maf

Ganz nimmt der langjährige Leistungsträger aber keinen Abschied vom Handball und dem TuS Rotenburg. „Ich werde in der dritten Herren auf jeden Fall mit den alten Kumpels noch ein bisschen rumdaddeln“, verspricht er. Manch ehemaliger Mitstreiter hatte sich in den vergangenen Jahren schon im Regionsoberliga-Team eingefunden – Klaas-Marten Meyer, Denis Jäger, Malte Fresen, Alexander Meyer oder auch Jan Leenes. Und dort können sie dann wenigstens noch in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen.

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