Die verhaltene Rückkehr

Zeven geht voran, RSV und Bothel folgen ‒ aber viele Vereine zögern noch

Hauptsache irgendwas mit Ball: Und dieser muss – wie beim Fußball – auch beim Spikeball ins Netz. Die Zevener Kai Wennholz (l.) und Simon Serra hatten durchaus ihren Spaß dabei.
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Hauptsache irgendwas mit Ball: Und dieser muss – wie beim Fußball – auch beim Spikeball ins Netz. Die Zevener Kai Wennholz (l.) und Simon Serra hatten durchaus ihren Spaß dabei.

Unter bestimmten Bedingungen dürfen auch die Erwachsenen-Teams wieder ins Training einsteigen. Viele Fußball-Vereine zögern noch, der TuS Zeven ist derweil vorangegangen.

Rotenburg/Zeven – Trainieren oder nicht? Während viele jugendliche Kicker wieder in alter Mannschaftsstärke in den Übungsbetrieb zurückgekehrt sind und auch mit Kontakten ran dürfen, sieht es für die Teams bei den Erwachsenen schwieriger aus. Sie dürfen ihr Gruppentraining lediglich mit zwei Metern Abstand, tagesaktuellem Test und einem abgesegneten Hygienekonzept wieder aufnehmen. Das schreckt viele noch ab. Von den Altkreis-Vereinen ab der Kreisliga aufwärts ist in dieser Woche deshalb noch keiner auf dem Platz zu sehen gewesen. Anders der TuS Zeven aus der Kreisliga.

Seit wenigen Wochen trommelt Coach Robin Cordes seine Jungs wieder zusammen. Allerdings waren Tests dafür bisher nicht nötig, „da es sich um Individualtraining handelt – gleichzusetzen mit Tennis“, klärt er auf. „Ab nächster Woche werden wir die Trainingsform aber ändern, dann muss sich jeder testen.“ Ein recht hoher, kosten- und zeitintensiver Aufwand, vor dem die meisten Clubs aktuell noch zurückschrecken.

Wir hatten es im letzten Sommer schon, dass ich mit Handschuhen und Desinfektionsmittel herumgelaufen bin. Jetzt kommen noch die Tests.

Dariusz Sztorc

„Als Sportler und ehrgeiziger Mensch würde ich gerne wieder trainieren“, sagt etwa Dariusz Sztorc, Trainer des Bezirksligisten TV Sottrum, und schränkt dann ein: „Wir hatten es im letzten Sommer schon, dass ich mit Handschuhen und Desinfektionsmittel herumgelaufen bin. Jetzt kommen noch die Tests. Unter den Umständen ist es zu aufwendig, das können wir nicht stemmen.“ Ähnlich sieht es auch sein Liga-Kollege Thomas Heidler vom VfL Visselhövede: „Wir wollen noch zwei, drei Wochen abwarten und hoffen, dass es spätestens Mitte Juni vielleicht ein bisschen mehr Freiheiten gibt und mehr möglich ist. So wie es aktuell ist, werden wir kein Training stattfinden lassen.“

Nicht ganz so zurückhaltend sind sie beim Rotenburger SV. Oberliga-Trainer Tim Ebersbach plant ab kommender Woche ein bis zwei Trainingseinheiten auf freiwilliger Basis und „ohne eine Regelmäßigkeit“, berichtet er. Der Sportliche Leiter Torsten Krieg-Hasch ergänzt: „Wir haben zwar kein Zieldatum, aber die Jungs lechzen schon danach, weil sie keinen Bock mehr haben, joggen zu gehen.“ Für die Zweite des RSV, in der Kreisliga beheimatet, ist der Wiedereinstieg hingegen noch keine Option. „Das macht für uns keinen Sinn“, findet Trainer Patrik Czichos. „Ich denke, solange da keine weiteren Lockerungen von oben kommen, haben die Jungs noch gar nicht großartig den Kopf dafür.“ Auch Tim Pyka, der Vorsitzende des Klassenkontrahenten TV Stemmen, plant noch keine Übungseinheiten für die Erwachsenen: „Wenn es so bleibt wie beschlossen, also mit nachgewiesenem Test, glaube ich nicht, dass jemand bei uns Training machen will. Die Jungs würden sich gerne wieder zum Fußball treffen. Aber Stand jetzt machen wir es erst mal nicht, weil wir als Verein verantwortlich sind und der Aufwand zu groß ist.“ Pyka hofft ebenfalls auf den Juni.

Wir steigen ab Dienstag wieder ins Training ein – es ist aber ein Kann-Angebot.

Dennis Schlifelner

Darauf möchte der TuS Bothel nicht warten. „Wir haben einen Modus gefunden, wir haben auch schon zwei Geimpfte dabei und steigen ab Dienstag wieder ins Training ein – es ist aber ein Kann-Angebot“, teilt Trainer Dennis Schlifelner mit. Eine heterogene Meinung gibt es wiederum beim TuS Westerholz beziehungsweise der SG Westerholz/Hetzwege: „Einige Spielerinnen und Spieler haben Lust auf Training, andere sind noch skeptisch“, erzählt Abteilungsleiter Mark Wulfmeyer von den Landesliga-Damen und den Kreisliga-Herren. „Die Gefahr ist ja noch nicht gebannt und es ist eine Frage der Verantwortung. Von daher halten wir uns mit dem Training noch zurück. Bis jetzt ist nichts geplant.“

Auch das Trainer-Trio der SG Unterstedt hat Überlegungen angestellt. „Wir bieten aktuell lediglich Training aus dem Homeoffice an, hoffen aber, zeitnah ins kontaktlose Training überzugehen. Einen konkreten Fahrplan und Trainingsplan haben wir noch nicht“, berichtet Fabian Knappik. Er findet es übrigens „beeindruckend, was Robin Cordes alles auf die Beine stellt“, wenn er zum Ligarivalen schaut.

Jetzt bin ich froh, dass wir nach sechs Monaten Fußballpause die Möglichkeit haben, ein abgewandeltes Training durchzuführen. 

Robin Cordes

Vor der ersten Einheit hatte der Zevener Trainer dem Gesundheitsamt des Landkreises ein umfangreiches Trainingskonzept vorgelegt und startete nach der Genehmigung in ein kontaktloses, individuelles Training in Zweiergruppen. Vier Einheiten wurden seither absolviert. „Jetzt bin ich froh, dass wir nach sechs Monaten Fußballpause die Möglichkeit haben, ein abgewandeltes Training durchzuführen“, sagt er. Der Plan sah ein Training auf beiden Plätzen vor, wo 16 Stationen aufgebaut waren. „Der Aufwand, den Robin betreibt, ist mega-groß. Allein für den Aufbau bedarf es gut 90 Minuten. Die Mannschaft weiß das zu schätzen“, meint Co-Trainer Jürgen Brockmann.

Die 16 Stationen sind separat markiert, jeweils mit einem Erklärungs-Schild versehen und bieten praktische wie kreative Übungen an. Muskelkräftigung mit Bändern, Stabi-Übungen, Agilitätstraining um Stangen, ein Dribbel-Parcours mit Abschluss, das Passspiel mit Dummys, Fußballtennis oder Spikeball am Trampolin gehörten dazu.

„Es ist schon ein anderes Training, aber es macht dennoch Spaß. Wir stehen wieder auf dem Platz und sehen uns. Das tut gut“, sagt Fynn Graß. Mitspieler Toni Schulz ergänzt: „Dass wir endlich wieder den Ball am Fuß haben, ist super. Was aber fehlt, ist das Abschlussspiel.“ Und Cordes findet: „Diese Übungsform ist ein erster guter Schritt. Aber ich hoffe, dass wir bald ins Training mit Kontakten zurückkehren können.“

Von Matthias Freese und Manfred Krause

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