Saison einfrieren

Kommentar zur NFV-Idee: Mitreden, aber nicht mitentscheiden

Der Niedersächsische Fußballverband ist unprofessioneller, als er es selbst glaubt. Am Freitagabend schickte er eine Pressemeldung heraus – aber nicht zu der alle Fußballer betreffenden „Direktive“, wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen soll, sondern zu seinem Steckenpferd „eFootball“. Die heißen Infos aus dem Videochat zum Thema Fortsetzung der Saison erhielten nur ausgewählte Redaktionen „gesteckt“.

So sonderbar verhält sich der Verband auch gegenüber seinen Vereinen. Die Entscheidung über die Fortführung der Punktspiele ab September – sie ist doch längst gefallen. Analog dazu auch in Bayern. Im Süden durften die Vereine bis Sonntagabend sogar online abstimmen „und zu einem Meinungsbild beitragen“. Auch im Norden darf die Basis mitreden und Bedenken äußern – aber nicht mitentscheiden! Gelebte Demokratie sieht anders aus. Wie lange lassen sich die Amateurvereine, von denen viele für den Saisonabbruch plädieren, das noch bieten?

Als Hauptargument für die Fortsetzung der Saison dienen den beiden mächtigen Landesfürsten Rainer Koch (Bayern) und Günter Distelrath (Niedersachsen) – beide auch im Präsidium des DFB, Erstgenannter sogar zuständig für die Amateure – mögliche juristische Streitereien bei einem Abbruch der Saison. Ein Totschlagargument. Andere Sportfachverbände haben sich davon nicht abhalten lassen und einen Schlussstrich unter das Spieljahr gezogen – auch ohne die Vereine zu fragen, nicht frei von Nebengeräuschen, aber meist recht einvernehmlich.

Warum muss der Fußball einen Sonderweg wählen? Weil der NFV Angst vor zwei oder drei klagewilligen Vereinen hat? Derzeit spricht vieles dafür, als würde das präferierte Modell nur für mehr Chaos sorgen. Gut, es birgt für keine Mannschaft einen erkennbaren sportlichen Nachteil, aber es hinterlässt zu viele Fragen. Können Verband und Vereine die Spieler, die im Sommer wechseln wollten, dazu zwingen, länger zu bleiben? Droht nicht vielleicht gerade dann eine Klagewelle? Was passiert mit Trainern, die im Sommer ein- oder aussteigen wollten? Was bedeutet all das für die Jugend? Der Verband hätte gut daran getan, erst einmal diese und weitere Fragen konkret zu klären. Aber vielleicht ist er doch nicht so professionell, wie er gerne wäre.

Rubriklistenbild: © dpa

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